
Was für ein Wochenende für den kleinen Philipp Tauscher aus Leipzig. Kaum ist er daheim angekommen von einem anstrengenden Freitag in der Schule, gleich fliegt der Ranzen in die Ecke, die letzten Reiseutensilien werden zusammengepackt und schon geht es mit Mama und Schwester in Richtung Süden. Denn alle drei haben Karten für das Rückrunden-Auftaktspiel der Fußball-Bundesliga FC Bayern gegen TSG Hoffenheim am gleichen Abend in München. In wenigen Stunden wird der neunjährige Fußball-Fan also zum ersten Male die Heimstätte des Rekordmeisters betreten und gemeinsam mit 69.000 Zuschauern mit seinen Idolen fiebern. Während der langen Fahrt wird es draußen langsam dunkel, nach Stunden dann der Verkehr dichter, die Autobahn immer breiter. Über der Straße färbt sich allmählich der nächtliche Himmel rot. Noch unter einer letzten Brücke durch und da steht es plötzlich am Straßenrand wie eine Raumstation mit rot glühender Außenhaut: das Fußballstadion von München. Nach vier Stunden Stillsitzen hält Philipp nichts mehr auf seinem Sitz. Schnell noch die wärmsten Sachen angezogen, die Mama eingepackt hat, Decke unter den Arm und los geht es, der Menschenmasse hinterher, die sich langsam unter die strahlende Außenhaut der Arena schiebt. Die Heimmannschaft zeigt sich in blendender Verfassung, spielt 90 Minuten überlegen, als ob jeder Spieler um den besonderen Tag des kleinen Jungen da oben auf der Tribüne wüsste. Erst gegen Mitternacht fällt er in ein Bett bei Freunden irgendwo in München, schrecklich müde und sehr glücklich. Am nächsten Tag geht es zum Trainingsgelände der Bayern. Ein leichtes Training ist für Mittag angesetzt. Und da stehen sie nun vor Philipp, die Schweinsteiger, Butt, Van Buyten, Demichelis, Robben, Gomez, Olic, Klose, ...
Aber nach einem Spieler hält Philipp ganz besonders Ausschau: Nach seinem Namensvetter Philipp Lahm. Der ist sein Vorbild, so würde er am liebsten einmal Fußball spielen, wenn er groß ist. Doch aus dem Traum von einer Karriere als Fußballspieler wird nichts werden. Seine Augen machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Philipp muss sich sehr anstrengen, damit er die Spieler vor ihm erkennt und sie nicht aus den Augen verliert. Philipp ist an der Retinitis Pigmentosa erkrankt, dem so genannten Tunnelblick, und droht langsam zu erblinden. Daher besucht er die Wladimir-Filatow Schule, die Schule für Blinde und Sehbehinderte in Leipzig. Aber da ist noch Philipps Traum vom Fußball. Soweit es eben noch seine Augen erlauben, spielt er selbst. Und soweit es Mama erlaubt, schaut er im Fernsehen, was Philipp Lahm macht. Gerne würde er den Nationalspieler einmal persönlich begegnen und kennen lernen. Von diesem Wunsch erfahren andere Fußballbegeisterte, die sich sonst aber mehr für den 1. FC Lok interessieren. Diese übernahmen die Reiseorganisation, besorgen Eintrittskarten fürs Bundesligaspiel und vereinbaren ein Treffen unter dem Motto „Philipp trifft Philipp". Und so sitzt der kleine Philipp dem großen Philipp mit leuchtenden Augen tatsächlich am vergangenen Samstag gegenüber. Nachdem die erste Scheu gewichen ist, lässt er sich Autogramme geben und bekommt ein Trikot mit der 21 geschenkt, Lahms Stammnummer beim FC Bayern. Beide scherzen miteinander, verstehen sich gut und haben offensichtlich Spaß. Philipp Lahm denkt darüber nach, was aus ihm geworden wäre, hätte es mit der Profi-Karriere nicht geklappt: Polizist vielleicht? Der kleine Philipp dagegen will einmal Mathe-Professor werden. Mathe ist neben Sport sein Lieblingsfach. Genauso war es auch beim Großen Philipp. „Wir möchten uns ganz herzlich bei Philipp Lahm und seinem Management bedanken, dass diese großartige Sache so kurzfristig auf die Beine gestellt werden konnte. Es war toll mitanzusehen, wie begeistert der 'kleine' Philipp war. Am Anfang hat der er kein Wort herausbekommen, so aufgregt war er, aber Philipp Lahm hat ihm alle Scheu genommen. Alle Mühen haben sich gelohnt, es waren für uns alle unvergessliche Momente", sagte Jens Hirschmann, Mitinitiator und Lok-Fan seit 1976.
www.hilfe-fuer-philipp.com
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