
Dass Torsten Jülich wahrlich ein Urgestein des 1. FC Lok/VfB Leipzig ist, steht außer Frage. Doch über die mehr als 20-jährige Menge an Probstheidaer Erfahrungen des Kapitäns der aktuellen Oberliga-Mannschaft, der 1988 seine ersten Schritte im Nachwuchs der Blau-Gelben beging und 2008 nach Karriereaufenthalten in Braunschweig und Saarbrücken zurückgekehrt war, wird Fritz Sternkopf nur schmunzeln können. Am vergangenen Sonntag feierte der Jubilar seinen 90. Geburtstag in Morrisons Pub in der Leipziger Innenstadt. Die Tischdekoration war selbstverständlich in Blau und Gelb verschönert, denn seit mittlerweile acht Jahrzehnten hält er den Teams aus dem Bruno-Plache-Stadion die Treue.
Organisiert wurde das Fest im engsten Familien- und Freundeskreis von Sohn - selbstverständlich Lok-Anhänger seit Ende der 60'er Jahre - und Schwiegertochter. Was Vater Sternkopf nicht wusste, die Familie gab auch Torsten Jülich einen Wink - und der ließ es sich nicht nehmen, Fritz Sternkopf im Namen des 1. FC Lok die herzlichsten Glückwünsche mitsamt eines signierten Trikots der gesamten Oberliga-Mannschaft zu überbringen. „Es ist absolut beeindruckend und einmalig, einen solch besonderen Fan kennengelernt zu haben, der so einen großen Teil der Klubgeschichte hautnah miterlebt hat", sagte Jülich.
Vom ersten Pokalsieg bis zum Bundesliga-Aufstieg 1993 - Sternkopf erlebte die Vereins-Historie wie nur wenige
Und Sternkopf hat die sportlichen Höhen und Tiefen des Klubs wirklich wie nur wenige andere auch erlebt. Seit 1930 ist Sternkopf dem damaligen VfB Leipzig verbunden, reiste seiner Elf im Januar 1937 gar bis ins Berliner Olympiastadion hinterher und wurde dort Zeuge des 2:1-Pokalsieges der Underdogs über den haushohen Favoriten FC Schalke 04. Siegtorschütze Herbert Gabriel war ihm ein guter Bekannter. Es sollten - vor allem ab Mitte der 60'er Jahre mit dem 1. FC Lok - unzählige unvergessliche fußballerische Momente folgen: Spitzenfußball in der DDR-Oberliga, FDGB-Pokalsiege, natürlich die großen Europapokalabende. Außerdem nach der Wende auch der Bundesliga-Aufstieg wieder als VfB Leipzig. Sternkopf selbst spielte in den 50'ern bei VfB-Nachfolger Einheit Ost und stand später bis ins hohe Alter noch bei Einheit Messe aktiv auf dem Feld. So wie es ihm Gesundheit und Kraft zulassen, sitzt der Dauerkarteninhaber gemeinsam mit seinem Sohn noch heute regelmäßig auf der Tribüne des Bruno-Plache-Stadions. „Zu den letzten beiden Heimspielen konnte ich leider nicht kommen", sagte Sternkopf. Verpasst hatte er nicht viel, unter anderem das bittere 0:3 gegen den VfB Auerbach. Nach ausführlichen Gesprächen, Erinnerungen, selbstverständlich auch kritischen Fragen über die nicht ganz so erfolgreiche Oberliga-Hinrunde 2009/10 gönnten sich der Jubilar und sein Überraschungsgast zum Abschluss einen edlen Whiskey. Die Zeit verging wie im Flug. „Ich kann mich für dieses sehr schöne Geschenk nur bedanken. Dieses Treffen hat mir große Freude bereitet", gab Fritz Sternkopf Torsten Jülich mit auf den Weg. „Die Freude und das Dankeschön ist ganz meinerseits", erwiderte der 35-Jährige.
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