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Im Derby ist der Kampf um den Ball besonders hart - wie hier beim Spiel im Frühjahr

Das "ewig seltene" Derby

In 20 Tagen ist Derby - hier ein Blick zurück auf die Geschichte des Duells Blau-Gelb gegen Grün-Weiß 19.07.2010

Noch knappe drei Wochen - oder ganz genau 20 Tage - dann steigt am 8. August 2010 (14 Uhr) in der Red Bull Arena, früher als Zentralstadion bekannt, das Leipziger Fußball-Ereignis des Jahres: Derby – und das gleich am ersten Spieltag der NOFV-Oberliga-Süd. Grund genug, an dieser Stelle mal ein wenig in der Statistik-Kiste zu wühlen, Ergebnisse heraus zu suchen, Zuschauerzahlen zu präsentieren und unvergessene Torschützen zu feiern.

Als die Fußballzeitschrift 11 Freunde unlängst eine Aufstellung der härtesten, emotionalsten und wichtigsten Derbies der Welt machte, landete das Duell Blau-Gelb gegen Grün-Weiß immerhin auf dem 24. Rang. Dabei hat es das Spiel der beiden Konkurrenten bisher gar nicht so oft gegeben. Das bekannteste deutsche Derby, Dortmund gegen Schalke, wurde bislang 135 Mal ausgetragen. Das Glasgower „Old Firm“ zwischen Rangers und Celtic, in den 11 Freunde-Charts auf Platz 1, fand bisher sogar unglaubliche 388 Mal statt. Zwar spielten auch schon Vorgänger-Mannschaften aus Probstheida und Leutzsch gegeneinander, aber ein brisantes Derby ist das Duell erst seit der Neuordnung des Leipziger Fußballs im Jahre 1963, als der SC Leipzig (seit 20. Januar 1966 1. FC Lok) und die BSG Chemie gegründet wurden. 44 Mal hieß es seither Blau-Gelb - respektive Blau-Weiß in den Jahren nach der Wiedervereinigung, als der 1. FC Lok wieder VfB hieß - gegen Grün-Weiß. In den 70er-Jahren, als Chemie zur Fahrstuhlmannschaft wurde, und erst recht in den 80er-Jahren, als die Leutzscher zumeist zweitklassig waren, fand längst nicht in jeder Saison ein Derby statt. Das änderte sich auch nach der Wende nicht: Der VfB spielte in der Ersten und Zweiten Bundesliga, der FC Sachsen im Amateurbereich. Ab 1998 kreuzten sich wieder kurz die Wege, bevor der VfB in den endgültigen Konkurs schlitterte und der 1. FC Lok in der 3. Kreisklasse den Neuanfang startete. Erst in der vergangenen Saison kam es wieder zum ewig jungen Duell – Zuschauer kamen zu den beiden Spielen wie immer sehr viele, Tore fielen diesmal jedoch nicht. Klar ist also: Die Brisanz zieht das „ewig seltene“ Derby aus der Leipziger Fußballgeschichte und aus seiner Seltenheit. Was nicht so oft ist, darauf freut man sich umso mehr – wäre Weihnachten jede Woche, würden kleine Kinder nicht derart dem Weihnachtsmann entgegen fiebern...

Ein Blick auf die Zahlen ist zunächst erst einmal eindeutig: Von den 44 Spielen konnte der 1. FC Lok (bzw. VfB/SCL) 22 für sich entscheiden, nur 13 Mal konnten die Leutzscher gewinnen, neun Mal endete das Derby remis. Auch das Torverhältnis spricht eine klare Sprache: 64 Tore schossen die Männer in Blau-Gelb (beziehungsweise Blau-Weiß), die anderen nur 38. Top-Torschütze aus Lok-Sicht ist übrigens – niemand wird sich darüber ernsthaft wundern – Henning Frenzel mit acht Derby-Treffern. Der letzte Sieg gegen den FC Sachsen liegt allerdings schon über acht Jahre zurück: Am 30. März 2002 gewann der VfB vor 8.111 Fans im Alfred-Kunze-Sportpark mit 1:0. Der Kongolese Rock Embingou hatte seinerzeit unter gütiger Mithilfe von Sachsen-Keeper Marco Eckstein den goldenen Treffer markiert. Seither gab es drei Niederlagen des VfB (davon eine im Sachsen-Pokal) und die beiden letztjährigen torlosen Unentschieden des 1. FC Lok. Es wäre also mal wieder Zeit für einen blau-gelben Sieg!

So wie 1964. In der Saison davor hatte der SCL zweimal gegen Chemie verloren, das am Ende der Spielzeit als „Rest von Leipzig“ auch noch sensationell die Meisterschaft gewann. Umso befriedigender war der 3:0-Sieg vor 20.000 Zuschauern im Zentralstadion – Trölitzsch, Engelhardt und Frenzel besorgten die Tore zum ersten Derby-Sieg. In der darauf folgenden Saison gab es neben zwei Duellen in der DDR-Oberliga den denkwürdigen und bisher einmaligen Fall, dass zwei Leipziger Mannschaften in einem internationalen Vergleich gegeneinander antreten mussten. Im Intertoto-Cup-Halbfinale reichte dem 1. FC Lok ein 1:1-Unentschieden im Hinspiel und ein 1:0-Sieg im Rückspiel, um ins Finale einzuziehen, wo schließlich der IFK Norköpping souverän bezwungen wurde. Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre übernahm der 1. FC Lok nun auch im Derby die Führungsrolle. Zumeist gewann der Favorit aus Probstheida – der vorerst letzte Sieg gelang den Chemikern 1976. Danach wurden die Duelle immer seltener und immer einseitiger. Richtig spannend wurde es erst wieder in der Saison 1990/91. In der letzten Spielzeit der Oberliga ging es um die Qualifikation für den gesamtdeutschen Profifußball. Neben dem 1. FC Lok kämpfte der flugs aus einer Fusion mit Chemie Böhlen hervorgegangene FC Sachsen um einen Platz in der Ersten oder Zweiten Bundesliga. Die beiden regulären Punktspiele endeten 1:0 für Lok (Torschütze war Matthias Lindner per Foulelfmeter) und 0:0. Das dramatische Ende kam jedoch noch: In einer Relegation kämpften beide Clubs um einen Platz in der Zweiten Bundesliga. Lok gewann beide Duelle (1:0, 4:0) und stieg am Ende auf, der FC Sachsen musste als Letzter der Relegationsgruppe in die Amateur-Oberliga.

Erst nach dem Abstieg des VfB aus der 2. Bundesliga trafen sich die alten Rivalen in der Saison 1998/99 wieder – und es wurden zwei unvergessliche Spiele. Am 13. Dezember 1998 im Kunze-Sportpark führten die Sachsen schon nach 19 Minuten mit 2:0, sahen bereits wie die sicheren Sieger aus. Doch nicht mit dem VfB, der das Spiel drehte, bis Almir Filipovic in der 83. Minute den 3:3-Endstand herstellte. Nicht so spannend, dafür aus VfB-Sicht um einiges schöner, war das Rückspiel: Das 5:0 im Bruno-Plache-Stadion ist immer noch der höchste Sieg der Derby-Geschichte. Danach konnte der VfB im Jahr 2000 nur noch ein Pokalspiel 1:0 für sich entscheiden und das bereits erwähnte Punktspiel im Jahr 2002 gewinnen. Ein „kleines Derby“ gab es in der Landesliga-Saison 2007/08. Da gewann der 1. FC Lok im Zentralstadion das Hinspiel gegen die Reserve des FC Sachsen mit 3:1 (Lok-Tore: Kunert, Heusel, Sommer), das Rückspiel endete torlos. Ein ähnliches Duell gab es, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, übrigens schon einmal: 1974/75 musste Chemie in der Liga gegen die Zweite des 1. FC Lok ran (1:2 und 1:3 aus Lok-Sicht) – früher war eben doch alles besser!

Schon einmal war ein Derby im Übrigen das Auftaktmatch zu einer Saison: 1975 gewann der 1. FC Lok mit 3:2 gegen die BSG Chemie – hoffentlich ein gutes Omen für das anstehende Duell. 46.000 Zuschauer waren damals dabei – bis heute Rekord. Gebrochen wird dieser diesmal ganz sicher nicht – schließlich passen nur 44.000 Zuschauer in die WM-Arena – aber dass wieder viele Fans kommen, ist sicher! Schließlich ist das Derby für Fußball-Leipzig das wichtigste Spiel des Jahres – und ein seltenes noch dazu...


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Nächstes Spiel

1. FC Lok - FSV Zwickau
Team 1 : Team 2
Wann?    Freitag, 10.09.2010, 19 Uhr
Wo?    Bruno-Plache-Stadion
Was?    5. Spieltag, NOFV-Oberliga Süd

Tabelle

Platz Mannschaft Punkte
1   Budissa Bautzen  Budissa Bautzen   10
2   RasenballSport  Dynamo Dresden II   7
3   FSV Zwickau  FSV Zwickau   7
4   Germ. Halberstadt  Germ. Halberstadt   7
5   FC Sachsen  FC Sachsen Leipzig   7
6   VfB Auerbach  VfB Auerbach   7
7   Luckenwalde  FSV Luckenwalde   6
12   Lok  1. FC Lok Leipzig   2

Letztes Spiel

1. FC Lok - 1. FC Magdeburg II
Team 1 Team 2
1 : 1
Wann?    Freitag, 27.08.2010, 19 Uhr
Wo?    Bruno-Plache-Stadion
Was?    3. Spieltag, NOFV-Oberliga Süd
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