
Probstheidaer Oberligist bietet gegen Hertha-Fohlen eine Stunde lang ordentlichen Fußball
Fußball-Oberligist 1. FC Lok Leipzig unterlag gestern im Rahmen
seiner offiziellen Saisoneröffnung der zweiten Mannschaft von Hertha BSC
nach gutem Spiel vor 893 Zuschauern mit 0:3 (0:1).
Eigentlich wollten die Probstheidaer ihrem Trainer Achim Steffens zum
60. Geburtstag (Sonnabend) mit einem ordentlichen Ergebnis ein
nachträgliches Geschenk machen, das zu dessen schneller Genesung von
seiner Lungenentzündung beitragen sollte. Doch das ging gründlich
daneben. Dabei bot die von Co-Trainer Mike Sadlo betreute Lok-Elf über
eine Stunde lang eine fußballerisch ordentliche Vorstellung. Das 0:3 zeigt nicht die Kräfteverhältnisse in diesem ausgeglichenen
Match. "Das Ergebnis ist schlecht. Aber wir haben lange das umgesetzt,
was wir uns gegen spielstarke Berliner vorgenommen hatten. Wir hätten
auch 3:1 führen können", meinte Sadlo nach dem Abpfiff. Was sein Kollege
Karsten Heine bestätigte: "Das klare Resultat täuscht über den
Spielverlauf hinweg. Leipzig erarbeitete sich einige gute Chancen."
Von denen Lok aber keine nutzte. Die Hertha-Fohlen, alles Akteure unter
20 Jahre, waren da aus anderem Holz geschnitzt. Sie hatten drei klare
Einschussmöglichkeiten, die sie allesamt nutzten. Zwei davon spielten
die Hauptstädter lehrbuchreif heraus, beide Male traf Terrence Boyd. Lok
mit Abwehrchef und Kapitän Thorsten Görke wirkte dabei chancenlos.
Alexander Kunert war enttäuscht: "Wir hatten fünf hundertprozentige
Chancen, ich muss auch eine verwerten. Aber die Fitness ist gut. Und wir
haben noch 14 Tage Zeit, unsere kleinen Fehler abzustellen",
analysierte der agile Mittelfeldmann das abwechslungsreiche Match, bei
dem die Gastgeber zurecht mehrfach Beifall auf offener Szene erhielten. Marco Rose (65 Bundesligaspiele für Mainz 05) lobte das Team seines
früheren Klubs. "Dafür, dass sich die Mannschaft im Umbruch befindet,
sah es nicht schlecht aus. Nur nach vorn fehlte phasenweise etwas der
Druck", sagte der 33-Jährige, der seine Karriere im Sommer beendete.
"Ich arbeite jetzt als Assistenztrainer in unserer zweiten Mannschaft.
Da könnte es sein, das ich dort ab und zu noch in der Regionalliga
auflaufe, wenn ich gebraucht werde", meinte der frühere VfB-Akteur, der
mit Lebenskameradin Nicola Pietzsch und Tochter Maria (2) zuschaute.
Gestern wurde Zugang Sebastian Kieback nach seiner Wadenbein- und
Knöchelfraktur aus dem Krankenhaus entlassen. "Ich rechne erst nach der
Winterpause wieder mit seinem Einsatz", erklärte Lok-Teammanager Peter
Milkau. Viele Zuschauer wirken nach der sonntäglichen Vorstellung gegen den
Regionalligisten optimistisch. "Das sah zeitweise sehr vernünftig aus,
was die junge Mannschaft bot", lobte Harry Biedermann (73) aus
Markkleeberg, den es seit 30 Jahren ins Bruno-Plache-Stadion zieht.
Gattin Ingrid ergänzte: "Ich setze auf Trainer Achim Steffens." Wann der
Lok-Coach die Mannschaft wieder übernimmt, ist ungewiss.
von Norbert Töpfer