
Hinten zweimal geschlafen, vorne permanent gesündigt, dazu noch von den Fans verspottet: Der 1. FC Lok verlor gestern Abend vor 367 Zuschauer 1:2 (0:1) beim Chemnitzer FC II, bezog damit die vierte Niederlage am Stück. "Wir schlagen uns permanent selbst", stöhnte Willi Kronhardt, "haben den Gegner wieder zu Toren eingeladen." Trotz der Pleitenserie glaubt der Trainer weiter an den Aufstieg: "Wir stehen immer noch gut da, haben weiter vier Punkte Vorsprung." Kronhardt musste neben Kapitän Jens Werner (verletzt) und Markus Saalbach (gesperrt) kurzfristig auch noch auf Benedikt Seipel (vor Hüft-OP, Saison beendet) und Marcus Brodkorb (Prellung) verzichten, schickte dafür unter anderem den zuletzt in die Reserve verbannten Djibril N´Diaye auf den Rasen. Der besaß prompt nach zehn Minuten die größte Gelegenheit der ersten Halbzeit, setzte die Kugel frei aus 16 Metern knapp über den Kasten. Lok hatte Feldvorteile, kniete sich in die Zweikämpfe, ließ aber erneut eine klare spielerische Linie vermissen. Es fehlten Kreativität und technische Sicherheit im Mittelfeld, der letzte Pass kam nicht an, die Stürmer liefen sich oft fest. Und die vielen hohen Bälle blieben gegen die robuste CFC-Deckung ohne Wirkung. Dennoch hatte Ersatzkapitän Kevin Kittler die Führung auf dem Fuß (36.), verzog jedoch in guter Position. Das rächte sich wenig später. Die Chemnitzer, am Sonntag 8:1-Sieger gegen Piesteritz, aber gestern zunächst ohne Durchschlagskraft, bestraften gleich den ersten Patzer der Lok-Abwehr: Christian Jendrossek drosch den Ball aus fünf Metern vorbei am machtlosen Christopher Gäng ins Netz (40.). Ein Schock für Lok, das konfus aus der Kabine kam. Gegen Jendrossek konnte Gäng noch retten (47.), aber der nächste CFC-Konter saß: Marcel Baude überlief die Leipziger Deckung, seine Hereingabe verwandelte Franz Bochmann (52.). Es folgte ein so dummes wie brutales Frustfoul von Ivan Ristovski im Mittelfeld. Schiri Lutz Rosenkranz aus Plauen zückte völlig zu Recht glatt Rot (55.) - Lok in Unterzahl, Lok 0:2 hinten, die Partie schien gelaufen. Christoph Schulz (62.) und der eingewechselte Andre Stratmann (65., 72., 73.) hätten sie noch drehen können, vergeigten aber dickste Chancen. Mit einem Mann weniger spielten die Probstheidaer jetzt leidenschaftlich alles oder nichts, waren druckvoller und torgefährlicher als zuvor. Aber erst Filip Racko traf endlich die Kiste zum späten, zu späten 1:2 (90.). Fazit: An der Einstellung lag es gestern nicht, aber an mangelnder Konzentration und Klasse. Die rund 100 mitgereisten Lok-Fans hatten für ihr Team nur noch Hohn und Spott übrig: "Hoch soll'n sie leben." Auch Willi Kronhardt flüchtete sich in Galgenhumor. "Vielleicht sollten wir jetzt immer mit zehn Mann anfangen", meinte der Trainer, um ernsthaft zu ergänzen: "Auf der Leistung der letzten 35 Minuten lässt sich aufbauen. Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken."
von Steffen Enigk
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