
Lok-Vorgänger VfB Leipzig hatte in den
ersten Jahren seines Bestehens noch in Gohlis und später in Lindenau gespielt. Im
Jahre 1922 war es dann aber soweit: Das eigene Stadion, damals eines der
größten und modernsten in Deutschland, war fertig. Zum Eröffnungsspiel im
damaligen VfB-Stadion gegen den Hamburger SV, welches die Hanseaten mit 3:2 für
sich entscheiden konnten, pilgerten sagenhafte 50.000 Zuschauer ins weite Rund.
Die Tribüne war zu dieser Zeit noch kleiner – sie wurde erst Anfang der 1930er-Jahre
auf ihre jetzige Größe erweitert. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde mit dem
Einbau von Stehplatz-Traversen begonnen – vorher standen die Zuschauer auf
einem einfachen Erdwall.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das
Stadion seinen Namen nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer
Bruno Plache und wurde zu DDR-Zeiten abermals zu einem Ort großer sportlicher
Höhepunkte – so fieberten bei Etappenankünften der Friedensfahrt bis zu 60.000
Zuschauer mit den Fahrern um Täve Schur und Co. Vor allem aber war das
Bruno-Plache-Stadion Heimstätte des 1. FC Lok und seiner Vorgängervereine
Einheit Ost, SC Rotation und SC Leipzig. So erlebten beispielsweise im Mai 1970 30.000 Fans das entscheidende Spiel um den Aufstieg in die Oberliga gegen
Wismut Gera, das Lok mit Frenzel, Löwe und Co. in seinen Reihen mit 1:0 für sich entscheiden
konnte. Legendär auch die Europapokal-Duelle im Jahre 1983, als die Blau-Gelben
vor 25.000 begeisterten Schlachtenbummlern die Spitzenteams Werder Bremen und
Girondins Bordeaux aus dem UEFA-Cup kegelten.
Nach der Wende wurde das Stadion im
Dezember 1991 wegen Sicherheitsmängeln vorübergehend gesperrt, bis der VfB
Leipzig nach einigen Sanierungsarbeiten zu Beginn der Saison 1995/96 wieder
zurück in seine sportliche Heimat ziehen konnte, 1997 wurde zudem eine
Flutlichtanlage errichtet. Fortan waren zu den Heimspielen in der 2. Bundesliga
oder im DFB-Pokal illustre Gegner zu Gast, beispielsweise Eintracht Frankfurt, der
1. FC Nürnberg oder der FC Schalke 04. Nach dem Abstieg des VfB in die
Regional- und später in die Oberliga wurden die klangvollen Namen seltener,
aber zu Freundschaftsspielen kam bisweilen immer noch Festtagsstimmung auf – so
etwa, als Bayern München im Bruno-Plache-Stadion zu Gast war.
Seit dem ersten Pflichtspiel des Vereins nach
der Neugründung ist das Bruno-Plache-Stadion nun wieder die Heimstätte des 1. FC
Lok. Zum Stadtpokal-Erstrundenmatch im August 2004 gegen den TSV
Böhlitz-Ehrenberg kamen so viele Menschen, dass irgendwann die Karten nicht
mehr ausreichten und nach 3.235 Fans aufgehört werden musste, zu zählen. Bis
heute weiß wohl niemand, wie viele Zuschauer wirklich an diesem Abend für die
Gänsehaut-Atmosphäre beim 8:0-Erfolg ihrer blau-gelben Lieblinge sorgten. Ganz genau
beziffern lässt sich dagegen die Zuschauer-Zahl beim Freundschaftsspiel gegen
Hertha BSC im Mai 2005: Exakt 13.098 Fans sorgten für den bis heute gültigen
Rekord im Bruno-Plache-Stadion nach der Neugründung des 1. FC Lok.
In solche Regionen werden die Besucher-Zahlen in naher Zukunft vorerst leider nicht mehr stoßen. Aufgrund der Bestimmungen der Sächsischen Versammlungsstättenordnung war das Bruno-Plache-Stadion für einige Zeit sogar nur für 4.999 Zuschauer zugelassen. Bis zum Sommer 2009: Da leisteten Lok-Fans in freiwilligem Arbeitseinsatz etwa 12.500 Arbeitsstunden ab, um ihr „Bruno“ in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die Stehplatz-Traversen wurden begradigt, neue Fluchtwege und Wellenbrecher gesetzt, die Tribüne in Sachen Brandschutz auf Vordermann gebracht und mit einem leuchtenden blau-gelben Anstrich versehen und einige Zäune neu errichtet beziehungsweise instand gesetzt. Lohn der schweißtreibenden Arbeit: Das gute, alte Bruno-Plache-Stadion ist nun wieder für 7.000 Zuschauer zugelassen, die in den nächsten Jahren unter Umständen auch noch erweitert werden können. Neuen Fußball-Festtagen im traditionsreichen Stadionrund in Leipzig-Probstheida steht also nichts im Weg!
Eckdaten:
Kapazität: 7.000 Plätze, davon 1.150 überdachte Sitzplätze
Tribüne: 1.150 überdachte Sitzplätze, davon 50 Ehrenlogenplätze und 196 Logensitzplätze sowie zusätzlich 10 Presseplätze
Dammsitz: 1.250 Stehplätze
Fankurve: 1.000 Stehplätze
Gegengerade: 3.100 Stehplätze
Gästekurve: 500 Stehplätze
Stand: 11. August 2009