Sie schwitzen wieder, die Fußballer des 1. FC Lok. Gestern bat Coach Jörg Seydler, 52, zur ersten Trainingseinheit. Weil im Plache-Stadion in selbstloser Eigenregie heftig gewerkelt wird, um das „Bruno“ Oberliga-bettfein zu machen, fand der Auftakt auf einem der wunderbaren Nebenplätze statt.
mehr...(Quelle "Leipziger Volkszeitung" von Guido Schäfer)
Sie schwitzen wieder, die Fußballer des 1. FC Lok. Gestern bat Coach Jörg Seydler, 52, zur ersten Trainingseinheit. Weil im Plache-Stadion in selbstloser Eigenregie heftig gewerkelt wird, um das „Bruno“ Oberliga-bettfein zu machen, fand der Auftakt auf einem der wunderbaren Nebenplätze statt.
Rund 200 Fans blickten in die Abendsonne, fahndeten vergebens nach fünf Kaderaktivisten. Alexander Jahr, Steven Aßmann, Albrecht Brumme, Alexander Czempik fehlten verletzt, der Sportkamerad Kevin Adam urlaubt noch. Mit der neuen Saison bricht eine Zeitenwende an, siehe Trikot-Nummer 17. Die „17“ trug jahrelang Lok-Routinier Holger Krauß, der im Mai seinen emotionalen Abschied gab. Jetzt hat Jungfuchs Steffen Fritzsch, just der A-Jugend entwachsen, die „17“ abgestaubt.
Dass Coach Jörg Seydler der Jugend eine Chance gibt, ist bei seiner Vita als Ex-Nachwuchs-Koordinator klar. Nicht nur der drahtige Fritzsch ist mittendrin im Gewusel, auch A-Jugend-Keeper Lukas Wurster mengt mit. Der junge Mann ist ein später Spätstarter, turnte (!) bis vor zwei Jahren, wurde erst dann Torwart. Erster Eindruck: Der Spätberufene ist biegsam und schnell wie ein Katze. „Das kann einer werden“, glaubt Steffen Kubalds Filius Tim, der zu jedem Lok-Kicker fast alles weiß.
Tims Erzeuger Steffen, seines Zeichens Lok-Chef, lehnt derweil neben Schatzmeisterin Katrin Pahlhorn entspannt an der rostigen Platzbegrenzung, berichtet gut gelaunt von zwei Sponsorenverträgen, die in den kommenden Tagen eingetütet werden. Die Botschaft ist klar: Unsere Förderer bleiben treu. Komme was und wer wolle.
Wer wird angesichts der hochpotenten Bullen-Zucht im idyllischen Markranstädt eigentlich Meister? „Wir!“, sagt Lok-Fan Dirk Neumann, 36, der in seine 25. Saison als Anhänger der Blau-Gelben geht. Red Bull? Nur eine Sternschnuppe, ein vorübergehendes Ärgernis, glaubt Neumann. „Wenn die mal zwei Jahre hintereinander nicht aufsteigen, hauen die hier ab. Dann ist wieder viel Geld im Leipziger Bermuda-Dreieck verschwunden.“
Nachbar Bernd gießt mit Blick aufs Ösi-Engagement Öl ins Feuer. „Scheiß-Kommerz, das hat doch nix mehr mit Fußball zu tun.“ Bernd hat eine rabenschwarze Vision, die so geht: „Irgendwann spielt RB Leipzig im Zentralstadion gegen Bayern München. Vor 4000 Zuschauern. Vor dem Stadion steigt eine Party mit 70 000 Fans in Blau-Gelb und Grün-Weiß.“ Wahrscheinlich inniglich vereint und Händchen haltend. Die Gedanken sind frei.
(Quelle "Leipziger Volkszeitung" von Guido Schäfer)
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