20. Spieltag

FSV Zwickau - 1. FC Lok 0:1 (0:0)

Augenblick des Jubels: Raik Hildebrandt erzielt das Siegtor, Pavel Devátý dankt. Foto: Bernd Scharfe

Spielbericht

Langsam wird dieser 1. FC Lok etwas unheimlich. Wieder kein Gegentor, wieder volle Punktzahl - und das zum nunmehr vierten Mal in Folge. Das Team von Trainer Mike Sadlo hat am Mittwochabend vor 935 Zuschauern im Westsachsenstadion auch das Oberliga-Nachholspiel beim FSV Zwickau mit 1:0 (0:0) gewonnen und werkelt weiter fleißig daran, den eigenen Anhang und sich selbst mit einem fulminanten Saison-Endspurt für die langen Wochen des Bangens zu entschädigen. Nach einer offensiv so gut wie ereignislosen ersten Halbzeit der Gäste sorgte Mittelfeldspieler Raik Hildebrandt zu Beginn des zweiten Durchgangs für den entscheidenden Treffer der Partie (53.). Allein in den fünf Schlussminuten verpassten die Blau-Gelben zuhauf, das Ergebnis mit sauber zu Ende gebrachten Kontern noch in die Höhe zu schrauben.

Überraschung auf der linken Bahn: Reimund Linkert erhält Bewährungschance - und bewahrt den FCL vor dem Rückstand

In diesen Wochen der Überraschungen und nicht unbedingt zu erwartenden Begebenheiten nahm die heutige Besetzung des linken Außenverteidiger-Postens nur eine weitere kleine Fußnote ein. Denn förmlich wie aus dem Nichts wurde Reimund Linkert, der im vergangenen September 2010 noch um eine Laufbahn-Auszeit gebeten hatte, von Mike Sadlo ins kalte Wasser geworfen. Stephan Knoof rutschte dafür ins defensive Mittelfeld, um dort Position und Kapitänsbinde des gesperrten Thorsten Görke auszufüllen. Tja - und Linkert? Der war gleich direkt ins Geschehen involviert und bewahrte seine Elf vor dem allzu frühen Rückstand, indem der Linksfuß für den bereits geschlagenen Jan Evers artistisch einen Heber von Marcus Jazwinski mit seinem Fuß von der Linie kratzte (13.). Überhaupt traten die Blau-Gelben mit spürbar hinzugewonnenem Selbstvertrauen auf, strapazierten dennoch aufgrund eines allzu leichtfertigen Schlendrians im Defensivverbund binnen kaum 200 Sekunden das holde Glück auf intensive Art und Weise. Beim zweiten Malheur rutschte Evers bei der versuchten Ballannahme ein zuvor von Jens Werner gespielter Rückpass unter der Fußsohle hindurch, kullerte unaufhaltsam in Richtung Tor - verfehlte den Kasten jedoch nur um Zentimeter. Wenigstens zeigten beide Wachrüttler ihre Wirkung, worauf sich die Gäste daraufhin wieder auf Konzentration in der Abwehrarbeit besannen. Das eigene Angriffsspiel dagegen lahmte, den Zwickauer Strafraum erreichte der Ball lediglich bei Standardsituationen. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff ereignete sich immerhin das ersehnte vorzeigbare Aha-Erlebnis, als Hildebrandts Freistoß Brodkorbs Kopf fand und dieser FSV-Schlussmann Wohlfeld zu einer Glanztat abrang.

Hildebrandts Instinkt: Die erste wirklich durchdachte Eingebung weist den Weg ins Glück

Aber dann - nach 45-minütiger offensiver Magerkost brachte die erste wirklich durchdachte Eingebung der Partie blitzschnell den Wegweiser ins Glück. Linkert schaltete mit einem Einwurf am Schnellsten, Fraunholz leitete weiter, was Raik Hildebrandt instinktiv ahnte, frei in der Gefahrenzone auftauchte und die Kugel mit dem Außenrist aus Nahdistanz samtweich zur Führung ins Netz beförderte (53.). Die 22 Akteure hatten verstanden: Fußball ist eben doch am Schönsten, wenn dabei auch Torchancen zu bestaunen sind. Denn auch die Gastgeber nahmen den Rückstand zum Anlass, Jan Evers‘ Kasten vermehrt ins Visier zu nehmen. Zuvorderst wurde Jazwinskis Volley aus 18 Metern gerade noch so von Christoph Schulz‘ Eisenstirn zur Seite gelenkt (55.), drei Minuten darauf verpasste Kellig Schumanns scharfe Flanke nur knapp; Fuchsenthaler setzte die Kugel im Nachstochern am langen Pfosten aus drei Metern knapp über die Latte. Die Partie hatte sich in diesen Minuten zu einem flotten, offenen Schlagabtausch entwickelt, bei dem Fraunholz auf Lok-Seite (61.) und sein FSV-Pendant Kellig (67.) jeweils noch Schüsse auf das entsprechende Tor abgaben. Doch mit voranschreitender Spielzeit kam Zwickau zwar nicht das Bemühen abhanden, dafür gingen ihnen allerdings merklich die Ideen aus, um Loks Defensive irgendwie in Verlegenheit zu bringen. Mit dem Anbruch der 85. Minute erstarrte das Angriffsspiel des FSV - und der 1. FC Lok konnte sein Glück ob der grenzenlosen Räume und unablässigen Einladungen zu Kontern derart nicht fassen, dass die Blau-Gelben handgezählte fünf, partiell 1000-prozentige RIESENCHANCEN (Werner, Seifert, Heusel/Werner, Brumme, Schulz) zur endgültigen Entscheidung teils achtlos verdaddelten. Aber - und das ist die schönste Nachricht - dies änderte nichts am letztendlich verdienten Auswärtserfolg.

FSV Zwickau:
26 Norman Wohlfeld - 3 Sascha Gillert, 20 Marcel Trehkopf, 5 Mike Baumann, 11 Stefan Schumann - 17 Marcus Jazwinski - 2 Axel Fuchsenthaler (61. 10 Jörg Laskowski), 13 Marco Wölfel, 15 Tom Wilhelm, 7 Christof Neumann (46. 18 Maik Strobel) - 9 Steffen Kellig (78. 14 Robin Hölzel)

1. FC Lok: 1 Jan Evers - 8 Jens Werner, 23 Markus Saalbach, 25 Marcus Brodkorb, 4 Reimund Linkert - 13 Stephan Knoof, 16 Raik Hildebrandt - 2 Benedikt Seipel (46. 15 Sebastian Seifert), 18 Pavel Devátý (86. 14 Albrecht Brumme), 6 Christoph Schulz - 9 Benjamin Fraunholz (68. 10 René Heusel)

Tore: 0:1 Hildebrandt (53.)

Gelbe Karten: Wilhelm - Knoof, Hildebrandt

Schiedsrichter: Lutz Rosenkranz (Plauen)

Westsachsenstadion: 935 Zuschauer

Bilder

Bilder: Bernd Scharfe