9. Spieltag

Chemnitzer FC II - 1. FC Lok 3:3 (0:3)

Der enttäuschte Jan Evers nach dem Abpfiff. Foto: Elke Bahrdt

Spielbericht

Mit dem Halbzeitpfiff schien eigentlich alles zu Gunsten des 1. FC Lok geklärt. Dank Christoph Schulz‘ verwandeltem Handelfmeter (24.), einer weiteren Schlitzohrigkeit des ersten Torschützen (34.) und dem Geniestreich von Pavel Devátý (39.) führten die Blau-Gelben im Nachholspiel am Mittwochabend vor 435 Zuschauern beim Chemnitzer FC II schon mit 3:0 - um in der Nachspielzeit unerklärlicherweise doch noch den bitteren 3:3-Endstand durch CFC-Kapitän Marcel Baude hinnehmen zu müssen (90.).

Doppelpack von Christoph Schulz und Pavel Devátýs Geniestreich - drei Punkte schienen sicher

Die angespannte Personalsituation forderte Trainer Mike Sadlo erneut zu einige Umstellungen in seiner Startelf. So verteidigte Ronny Mende hinten links, da Sebastian Seifert die Seite wechseln musste. Auch Sebastian Kieback und Christoph Schulz begannen. Außerdem gab Paul Stöbe im zentralen Mittelfeld sein Saison-Debüt im Oberliga-Team. Die in schwarzen Auswärtstrikots auflaufenden Leipziger mussten der großflächigen Rotation anfangs ihren Tribut zollen. Wenig Abstimmung, Unordnung, kaum eine klare Linie, was die Gastgeber fast dazu einlud, strikt den Ton anzugeben und sich in der Probstheidaer Spielhälfte niederzulassen. Felix Schimmel und Romas Dressler (5./10.) prüften den gleich geforderten Jan Evers im Lok-Kasten früh aus der zweiten Reihe, wohingegen es 22 Minuten bis zur ersten Gästechance durch Sebastian Kieback dauerte. Kieback stand nur 120 Sekunden später erneut im Blickpunkt. Seine versuchte Eingabe flog Marcel Richter an die Hand und der in direkter Nähe stehende Schiri Wartmann zögerte keine Sekunde, auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Angreifer Christoph Schulz verlud Chris Flader cool halbhoch ins linke Eck - beinah aus dem Nichts die Führung. Das verlieh Sicherheit und Selbstvertrauen. Noch dazu beschenkte Routinier Jörg Emmerich den FCL großherzig. Wiederum Schulz erspähte eine völlig missglückte Rückgabe des Mittelfeldspielers, umkurvte Flauder und schob kaltschnäuzig aus spitzem Winkel über die Linie (34.). Kurz zuvor schon hatte er nach Kiebacks Vorlage nur knapp verpasst. Chemnitz kanalisierte den Ärger mit zwei guten Möglichkeiten, aber Dressel verzog aus 22 Metern und Knoof blockte in erhöhter Gefahr gleich zwei Mal Kevin Hampf (36./37.). Dann überstrahlte Pavel Devátýs Genialität selbst die hell erleuchteten Flutlichtmasten. Loks tschechischer Mittelfeldregisseur ließ leichtfüßig drei Gegenspieler aussteigen, ersah den zu weit vor der Linie postierten Flader und hob die Ball traumhaft sicher über dessen Kopf hinweg ins lange Eck. Ein Traumtor. Ein Geniestreich. Eiskalt hatte Mike Sadlos Team zur Pause alles vorzeitig geklärt....

In der Nachspielzeit erstarrten Spieler, Bank und Fans

... oder etwa doch nicht? Denn so plötzlich die Gäste Mitte der ersten Hälfte in Führung gegangen waren, versenkte Chemnitz‘ steter Unruheherd Romas Dressler nun aus Nahdistanz zum Anschlusstreffer (53.). Dies wäre durchaus zu verschmerzen gewesen, hätte Schulz nach Devátýs Wegbereitung und Fraunholz‘ abgefälschtem Versuch in der 66. Minute im Fallen den freien Ball im freien Tor untergebracht und nicht um Zentimeter über die Latte gesetzt. Denn fast im Gegenzug schnürte auch Dressel per Flachschuss ins linke Eck seinen Doppelpack des Abends. Alles war wieder offen, spannend, nicht vorhersehbar. Und doch alles glücklicherweise dann doch vorentschieden. Schulz steckte zum gerade eingewechselten Julian Adam durch, der chipte die Kugel im perfekten Moment herrlich über den herausgestürzten Flader ins Tor. Aber ein Abseitspfiff, der in dieser kniffligen Situation wohl nicht gerechtfertigt war, unterbrach den erlösenden Jubel (80.). Die Chemnitzer Hoffnung schwelte weiter - bis in die Nachspielzeit, wo Jan Evers mit einem tollen Glanzreflex Christian Jendrossek zur Verzweiflung brachte. Doch eine letzte Flanke von Jörg Emmerich erreichte am Elfmeterpunkt Innenverteidiger Marcel Baude, der einen Kopfball-Aufsetzer zielgenau in die Maschen setzte. Spieler, Bank und Fans des 1. FC Lok erstarrten.

Chemnitzer FC II: 1 Chris Flader - 8 Marcel Richter (84. 2 Benjamin Stückrad), 17 Marcel Baude, 4 Kevin Vietz, 15 Daniel Ponzel - 18 Felix Schimmel, 3 Daniel Meinel, 6 Jörg Emmerich, 7 Kevin Hampf (52. 16 Christian Jendrossek), 11 Tim Hunger (84. 10 Christopher Lehmann) - 9 Romas Dressler

1. FC Lok: 1 Jan Evers - 15 Sebastian Seifert, 17 Thorsten Görke, 13 Stephan Knoof, 24 Ronny Mende - 2 Benedikt Seipel, 12 Paul Stöbe, 18 Pavel Devaty, 22 Sebastian Kieback (65. 11 Kevin Adam) - 6 Christoph Schulz, 9 Benjamin Fraunholz (75. 19 Julian Adam)

Tore: 0:1 Schulz (24./HE), 0:2 Schulz (34.), 0:3 Devátý (39.), 1:3 Dressler (53.), 2:3 Dressler (68.), 3:3 Baude (90.)

Gelbe Karten: Schulz - Richter, Vietz

Schiedsrichter: Marko Wartmann (Großvalurga)

Stadion an der Gellertstraße: 435 Zuschauer

Bilder

Bilder: Elke Bahrdt