13. Spieltag

1. FC Lok - VfL Halle 96 0:1 (0:0)

Spielbericht

Bittere Pleite gegen den VfL Halle

Kurz vor Schluss schlägt Steve Braun zu

Über 13 Monate ist Heiko Scholz mittlerweile Trainer beim 1. FC Lok. Die Stimmung war noch nie so schlecht wie nach der 0:1-Niederlage gegen den VfL Halle am 22. November 2014. Vor 1.936 Zuschauern zeigte sein Wunsch-Team keinerlei Fortschritte und kassierte spät den Knockout. Scholz drohte anschließend mit Verabschiedungen im Winter.

Der 1. FC Lok irrlichtert in der Oberliga weiter herum und scheint nur jedes zweite Spiel ordentlich bestreiten zu können. Nach dem kämpferisch überzeugenden Auftritt gegen Carl Zeiss Jena II vor vier Wochen präsentierten sich die Blau-Gelben gegen den Tabellenvierten VfL Halle spielerisch erschreckend, kämpferisch nicht auf jeder Position überzeugend.  Trojandt, Hofmann und Wendschuch, diese drei Namen wurden bei den teils hitzigen Diskussionen nach dem Spiel immer wieder genannt. Diese drei zerrissen sich jedes Spiel für den Sieg. Beim Rest sehe man das zu selten, so der Tenor. So auch an diesem Sonnabend-Nachmittag gegen die blauroten Hallenser, die mit einer ordentlichen Leistung drei Punkte aus Probstheida entführen konnten.  Entsprechend zufrieden schaute Trainer Lars Holtmann auf das Spiel der Seinen zurück. „Unsere Innenverteidiger Friebertshäuser und Bury haben souverän alles weggeholt, wir hätten uns noch eher belohnen müssen“, so der 30-jährige Sportwissenschaftler, der binnen zweieinhalb Jahren zum zweiten Mal in Probstheida gewinnen konnte, weil er aus seinem Team zweimal das Optimum rausgeholt hat.

Halle hat für den Sieg in Probstheida allerdings keine Bäume ausgerissen, beschränkte sich auf eine einfache Idee. „Wir wollten heute tiefer stehen, Lok mehr Spielanteile geben, weil wir die letzten Spiele nicht gerade Fußball zelebriert haben“, so Holtmann. Die Gäste verdichteten das Mittelfeld ab der Mittellinie und ließen Lok in der 1. Halbzeit keinen Platz, um Angriffe bis ins letzte Drittel zu tragen. Gefährlich wurden die Gastgeber daher nur bei Standards. Markus Krug köpfte nach einer Ecke nach 19 Minuten knapp am Tor vorbei.

Abgesehen von den taktischen Kniffen eines 30-Jährigen hatte Lok aber auch zu viele eigene Baustellen, ließ die richtige Einstellung vermissen. Alarmierend, dass nach Spielschluss viele Spieler auf direktem Wege in die Kabine schnaubten, andere alleine auf dem Rasen lagen. Vor allem auf Ziane und Zielinsky hatten sich die Diskutanten im Stadion nach dem Spiel eingeschossen. Zu recht. Ziane zeigte wenig bis nichts, forderte keine Bälle, bewegte sich zu wenig, bestritt Zweikämpfe nicht mit dem letzten Biss. Zielinsky brachte einmal mehr seine angebliche Klasse nicht auf den Rasen und droht sich mit Oberliga-Niveau zufriedenzugeben. Dabei sah Scholz den gebürtigen Kölner vor der Saison als letztes Puzzleteil für sein Aufstiegsteam und bat den Vorstand darum, die entsprechenden Gelder locker zu machen.

Nun ist wohl vor allem er gemeint, wenn Scholz meint: „Für manche, die das Lok-Trikot tragen ist das für mich zu wenig.“ Die zwei Spiele bis zur Winterpause in Eisenach und zu Hause gegen Rot-Weiß Erfurt II will Scholz nun nutzen, genau hinzuschauen, wer noch alles gibt. Ein Armutszeugnis, dass er schon nach zwölf Spielen derart drohen muss. Fakt scheint aber auch: Ohne echte Verstärkungen wird es mit dem direkten Wiederaufstieg für den 1. FC Lok schwer, weil in jedem Spiel 110 Prozent Leistung notwendig sind. Zudem scheint die Mannschaft mental zuweilen zu sehr beschäftigt und vor allem in der Offensive entweder ratlos oder zu voll mit zu vielen Ideen gleichzeitig.

Mit 13 Toren stellt Lok den zweitschlechtesten Angriff der Liga. Da nützt es gar nichts, dass die Probstheidaer auch die zweitbeste Abwehr stellen, der auch einmal ein Gegentor zugestanden werden muss und sei es auch so ärgerlich wie in der 89. Minute gegen den VfL Halle als Lok nur noch zu zehnt spielte. Brinsa war nach 83 Minuten mit einem Muskelfaserriss ausgefallen, kurz zuvor hatte Lok schon das dritte Mal ausgewechselt. Steve Braun schob schließlich aus Nahdistanz ein. „Dass er spielt, war eine Bauchentscheidung“, schmunzelte Holtmann auf der Pressekonferenz in der Lok-Lounge und ließ eine Frage offen: Wie schafft es dieser Mann aus so wenig, so viel zu machen?

1. FC Lok: Latendresse-Levesque – Scheibe (72. Langner), Paszlinski, Krug, Trojandt - Dräger - Hofmann, Wendschuch (78. Rolleder), Marzullo (45. Brinsa/83. verletzt ausgeschieden), Zielinsky - Ziane

VfL Halle: Bienko – Schammer, Bury, Friebertshäuser, Butzmann – Wehlert, von der Weth, Dos Santos (70. Hovhannisyan), Odovic – Ströhl (58. Mehanovic), Amari (84. Braun)

Tore: 0:1 Braun (89.)

Gelbe Karten: Hofmann, Trojandt - von der Weth, Friebertshäuser, Butzmann

Schiedsrichter: Konrad Götze (Rudisleben)

Zuschauer: 1.936 im Bruno-Plache-Stadion

Bilder

Bilder: Bernd Scharfe

 

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