Mitgliederversammlung am 21. November 2014. Foto: Bernd Scharfe

Verein, Top3, Top7 | Montag, 24. November 2014

1. FC Lok professionalisiert Strukturen

Mitglieder stimmen für Ausgliederung des Spielbetriebs der 1. Mannschaft

Am letzten Freitag fand die jährliche Mitgliederversammlung des mitgliederstärksten Fußballvereins aus Leipzig statt. Das Präsidium der Loksche hatte die blau-gelben Mitglieder in den Pavillon der Hoffnung auf dem Alten Messegelände eingeladen. Auf der Tagesordnung standen neben den Rechenschaftsberichten der Gremien und der Nachwahl für offene Positionen im Aufsichtsrat insbesondere die weitere Umstrukturierung des Vereins und der damit einhergehenden Ausgliederung der 1. Mannschaft und allen damit zusammenhängenden Dienstleistungen in die bereits bestehende 1. FC Lokomotive Leipzig Marketing & Merchandising GmbH zum 1. Juli 2015. 

Zunächst legte das Präsidium in Person von Heiko Spauke den knapp 300 Mitgliedern die Lage für das letzte Geschäftsjahr dar. Dabei ist festzustellen, dass der Verein nun wieder über eine intakte Buchhaltung verfügt und entsprechende Controllinginstrumente eingeführt hat. Jens Kesseler führte zudem aus, dass die finanzielle Lage weiterhin angespannt bleibt. Der 1. FC Lok hat bisher noch zu wenige Großsponsoren gewonnen, die den Verein langfristig unterstützen. Im Bereich des Images konnte der Club bereits Erfolge in der Verbesserung erzielen, jedoch besteht dabei noch Potenzial nach oben. Demzufolge hat sich das Sponsorenaufkommen noch nicht nachhaltig verbessert, trotz dass der Vermarkter des Vereins contacts&sports die Anzahl der Partner erhöhen konnte. "Es ist weiterhin jeden Tag ein Kampf für den 1. FC Lok, aber jeder weitere Tag ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn die 400 Mitglieder, die noch offene Beiträge und Umlagen aus dem letzten Jahr bzw. teils noch länger (insgesamt ca. 40.000 Euro) aufweisen, bezahlen würden, wäre dies ein erster Schritt", so Schatzmeister Jens Kesseler. Nichtsdestotrotz muss weiter hart gearbeitet werden, dass die vorhandene Etatlücke im knappen sechsstelligen Bereich zum Saisonende gestopft wird. "Damit wir solche Situationen in Zukunft vermeiden, müssen wir unsere Strukturen weiter verändern. Eine Konsolidierung dauert nun mal ein paar Jahre", griff Präsident Heiko Spauke dem TOP der Ausgliederung in seinem Bericht etwas vor. 

Der Aufsichtsrat bescheinigte in seinem Bericht dem Präsidium eine gute Kommunikation mit dem Kontrollorgan und dass ein hohes Pensum zur Rettung des Clubs geleistet wird. Gleichzeitig wurde jedoch angemahnt, dass die Qualität der Präsidiumsprotokolle verbessert werden muss. Der Ausschuss für Vereinsstreitigkeiten sowie der Wahlausschuss hatten keine besonderen Sachverhalte zu vermelden. Im Anschluss an die Ausführungen wurden alle Gremien mit großer Mehrheit entlastet. Nach einer kleinen Pause ging es dann mit der Nachwahl der zwei restlichen Aufsichtsratspositionen weiter. Dafür gab es jedoch mit Prof. Dr. Sören Bär nur einen Bewerber. Nach einer kurzen Vorstellung wurde der Studiengangsleiter der Staatlichen Studienakademie Riesa von den Mitglieder mit der entsprechenden Mehrheit ins Amt gewählt. Dieses wird jedoch erst wirksam, wenn die neue Satzung ins Vereinsregister eingetragen ist (liegt dem Amtsgericht zur Eintragung vor). Danach kam das vieldiskutierte Thema des Abends zur Sprache - die Ausgliederung der 1. Mannschaft in die vereinseigene GmbH. Das Präsidium warb bereits auf den letzten Mitgliederversammlungen für dieses Vorhaben und hielt zudem am vergangenen Montag eine Informationsveranstaltung dazu ab. Nach der Präsentation des Strategiepapiers Lok2020 mit dem Ziel der Schaffung der Bedingungen für einen Aufstieg in die 3. Liga sowie der Umsetzung der Ausgliederung durch Sascha Günther, Geschäftsführer der 1. FC Lokomotive Leipzig M& M GmbH, begann eine größtenteils sachliche Diskussion zwischen Befürwortern und Gegner der strukturellen Veränderung des 1. FC Lok. Nach dem Darlegen der gegenseitigen Argumente und Ängste kam es zur mit Spannung erwarteten Abstimmung. Dabei entschied sich mit 85 Prozent die deutliche Mehrheit der Anwesenden für die Ausgliederung der 1. Mannschaft und den dazugehörigen Dienstleistungen in die vereinseigene GmbH, die dann in 1. FC Lokomotive Leipzig Spielbetriebs GmbH umbenannt wird. 

Danach kam die durch das Präsidium zur Abstimmung gebrachte Änderung der Beitragsordnung auf die Tagesordnung. Dabei ging es um die konkrete Festschreibung, welche Personengruppen einen ermäßigten Beitrag leisten können und wie hoch dieser ist. Damit soll der Anreiz für junge Lokfans Mitglied im Verein zu werden erhöht werden. Auch dieser Antrag wurde mit der erforderlichen Mehrheit von den Mitgliedern angenommen. Zum Abschluss dankte das Präsidium allen Mitgliedern für Ihr Erscheinen und bat weiterhin für die Unterstützung bei der Konsolidierung des Vereins.