Das Team des „Deutschen Meisters“ v.l.n.r.: Volkmar Schneider, Ralf Schreiber (ex VfB, Lok), Henri Schulze, Pierre-Martin Stephan, Radek Krepelka, Marcel Manicki, Jörg Schott, Uwe Emmerich-Kießling, Andreas Tschorn, Tom Schott, Sebastian Bona

Verein, Top3, Top7 | Freitag, 09. Oktober 2015

DFC Prag Gedenkfeier und Fußballfest

Gedenkspiel der Initiative 1903 e.V.

Duplizität der Ereignisse: Leipzig gewinnt nach 112 Jahren wieder erste deutsche Fußballmeisterschaft

- Es folgt ein Rückblick auf das Wochenende vom 13.09.2015 -

Ein Ergebnis, das seit 1903 in Stein gemeißelt war. – 7:2 für den VfB Leipzig, der am 31. Mai 1903 auf dem Altonaer Exerzierplatz im Meisterschaftsfinale den DFC Prag deklassierte und damit die erste vergebene Victoria gewann. Die Jahreszahl 1903 durcheinander gewürfelt landen wir beim 13.09.! An jenem Tag dieses Jahres sollte der DFC Prag nach 76 Jahren seine sportliche Renaissance erleben, nachdem er von den Nationalsozialisten zerschlagen wurde. Die gemeinnützige Initiative 1903 e.V. auf deutscher und das Collegium Bohemicum auf tschechischer Seite initiierten gemeinsam eine DFC Prag Gedenkveranstaltung im Rahmen derer auch eine sporthistorische Stadtführung sowie eine Kinofilmvorführung stattfand. – Sowie auch die Wiederholung des ersten deutschen Meisterschaftsfinals von 1903.

Der Leipziger VfB wurde dabei vertreten von der Initiative 1903, in ihren Reihen immerhin acht wohnhafte oder gebürtige Leipziger. Der DFC Prag konstituierte sich wie einst aus Spielern verschiedener Herkunftsländer: Überwiegend traten Deutsche und Tschechen gegen die Murmel, aber auch ein österreichischer Kicker und einer aus den Niederlanden waren mit von der Partie. Wie in alten Zeiten also. Und so sollte das Spiel auch über die Bühne gehen. 2-3-5 lautete das Spielsystem. Die Initiative-Mannschaft hatte bereits vier Testspiele bestreiten können, um sich mit dem System vertraut zu machen. Überdies verfügte sie mit dem Berliner Torhüter Philipp Jacobs über einen überragenden Rückhalt, der sich bereits im Vorjahr bewähren konnte. Der Eingespieltheit des Teams und den ausgezeichneten Paraden des Herrn Jacobs geschuldet konnte der „VfB Leipzig 2.0“ die Sensation perfekt machen, und nach 112 Jahren erneut die erste deutsche Meisterschaft gewinnen. Und zwar so, wie es der Steinmetz auf seiner Gedenktafel verewigt hat: Mit 7:2 Toren, wie einst 1903…

Doch viel bedeutender als das sportliche Resultat ist die Erinnerung an den DFC Prag. Ein Club, der seiner Ausrichtung zum Opfer fiel. Denn zur Zeit der nationalsozialistischen Machtergreifung im Deutschen Reich befand sich der deutsch-jüdische Club in der sportlichen Isolation zwischen tschechischen und deutsch-nationalen Clubs. Einer der besten Clubs des europäischen Kontinents, einer der ersten Clubs, die regelrechte Präsentationsreisen im Sinne des Fußballsports durchführten war am Ende angelangt. Nach 76 Jahren sollte der Deutsche Fußball-Club Prag nun seine Wiederauferstehung feiern können. Äußerst erfreulich sind überdies die deutschen UND tschechischen Bestrebungen, diesem Pionierclub auch formal zu einer Neugründung zu verhelfen. Für die Initiatoren der Veranstaltung, Dr. Thomas Oellermann (Collegium Bohemicum) und Sebastian Bona (Initiative 1903), wäre dies gewiss der mit Abstand größte Erfolg dieser Veranstaltung.

Bericht: Initiative 1903 e.V.