Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 30. Juli 2017
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Die Derby-Zicke als Matchwinner

Lok Leipzig gewinnt Regionalliga-Auftaktmatch gegen BSG Chemie im Kunze-Sportpark 1:0 /Unterbrechung in der 87. Minute

Leipzig. In der 87. Minute war eigentlich der Drops gelutscht. Der 1. FC Lok führte 1:0, die BSG Chemie war stehend K.o., ein Lucky Punch schien kaum noch denkbar. Schließlich hatte der Leutzscher Keeper Marcus Dölz soeben die Rote Karte gesehen, weil er den Ball knapp außerhalb des Strafraums mit den Händen parierte. Sonst hätte Matus Lorincak für Lok den Deckel auch draufgemacht.

Trotz dieser Sicherheit im Rücken konnten es zwei Chaoten aus dem Lok-Block im Alfred-Kunze-Sportpark nicht lassen, über den Zaun zu klettern, um die Chemiker zu provozieren. Einige sprangen auch darauf an, rüttelten am Zaun der Pufferzone. Ordner und Polizisten lösten den Spuk schnell auf. Die Chaoten konnten nicht gefasst werden. Die Partie wurde unterbrochen – 15 Minuten lang. Zeit um die Gemüter zu beruhigen. Schlichtend eingegriffen haben auf Lok-Seite Markus Krug und Robert Zickert. „Zicke“, wie der Innenverteidiger von seinen Mitspielern genannt wird, war auch der Matchwinner. In der 34. Minute traf die Abwehrkante zum 1:0, was bis zum Abpfiff dann auch Bestand haben sollte.

Der Treffer konnte sich sehen lassen, weil ansehnlich herausgespielt: Maximilian Pommer chippte den Ball in den 16er, wo Christian Hanne per Kopf querlegte und Zickert volley vollendete. Neben einem Pokal-Hiro sind die Blau-Gelben nun auch um eine Derby-Zicke reicher.

Glasklare Chancen waren auf beiden Seiten rar gesät. Getreu dem Motto: „Hart aber fair“ setzen die Leipziger Rivalen in ihrem 100. Aufeinandertreffen auf andere Tugenden: Kampf und Körperlichkeit. Bereits nach zwölf Minuten hatte Schiedsrichter Oliver Lossius vier Gelbe Karten gezückt – und damit einiges Feuer aus den Köpfen genommen. Bis zum Spielende sollten drei weitere Gelbe folgen.

Chemie fand trotz der grandiosen Unterstützung ihrer unentwegt singenden Fans keine Mittel, Lok aufs falsche Gleis zu schieben. In der ersten Regionalligapartie wurde dem Aufsteiger so schmerzhaft klar, welcher Wind in dieser Liga weht. Viel zu oft wurden eroberte Bälle einfach planlos herausgeschlagen.
Einzig Stefan Karau hatte die Chance zum berühmten Lucky Punch. In der 71. Minute köpfte der Kapitän nach einem Freistoß von Daniel Heinze völlig freistehend am Fünfereck auf den Kasten. Benjamin Kirsten war schon geschlagen, kein Chemiker war zur Stelle, dafür Ryan Malone zur Rettungstat kurz vor der Torlinie.

Nach dieser Chance erhöhten die Probstheidaer wieder die Schlagzahl, machten das Spiel breit, wirkten abgeklärter. BSG-Coach Dietmar Demuth hatte in der 80. Spielminute alle Wechsel-Optionen ausgeschöpft, Daniel Heinze musste zehn Minuten vor Ende angeschlagen vom Feld. Weshalb nach der Roten Karte für Dölz Verteidiger Manuel Wajer in den Kasten musste. Lok spielte die Partie souverän zu Ende, Wajer blieb immerhin ohne Gegentor.

Von: Alexander Bley