Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 25. Juli 2017
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Er würde auch 1 Uhr nachts gegen Lok spielen

Chemie-Kapitän Stefan Karau denkt nur noch an das Derby und erklärt den Neuen die Leutzscher Tugenden

Leipzig. Er kann zurzeit schlecht schlafen, die Woche zieht sich gefühlt ewig hin, die Gedanken kreisen nur um eines: D a s D e r b y. Stefan Karau, Kapitän der BSG Chemie, steht schon voll unter Strom, auch wenn es noch ein paar Tage hin ist bis zum Regionalliga-Auftakt mit dem Match Chemie gegen Lok (Samstag 12 Uhr, Alfred-Kunze-Sportpark).

Für alle Lok-Fans ohne Karte: Im Bruno-Plache-Stadion wird am Sonnabend das Ortsderby auf einer 3x5 großen LED-Wand gezeigt (12 Uhr). Dafür wird extra ein Truck auf die Laufbahn des Bruno gefahren. Das Public Viewing kostet fünf Euro. Bereits 9 Uhr öffnet das Stadion die Tore. 9.30 Uhr wird das Team um Heiko Scholz verabschiedet. Allen Karteninhabern für die Partie gegen die BSG Chemie in Leutzsch wird dringlichst empfohlen den Bus-Shuttle vom Plachestadion zu nutzen. Dieser ist im Ticketpreis inbegriffen. 

12 Uhr ist doch ein Unding! Nicht für Karau. „Die Uhrzeit ist mir völlig egal. Von mir aus können wir auch 1 Uhr nachts spielen gegen Lok. Wir sind zu jeder Tageszeit bereit.“ Markige Sprüche des Käptn’s. Doch wer seine Vita kennt, wundert sich nicht mehr. Mit 31 ist er der Älteste im Team, aus der aktuellen Mannschaft ist niemand länger dabei. Und er ist Chemiker mit Leib und Seele. Er durchlief die Nachwuchsabteilungen des FC Sachsen, spielte dann für den FC Eilenburg und den VfL Halle, um 2014 in den Alfred-Kunze-Sportpark zurückzukehren, wo er jeden Grashalm kennt.

Und sich immer noch wundern kann – zum Beispiel über die zwei Aufstiege in den letzten zwei Jahren. „In meinen kühnsten Träumen kam die Regionalliga mal vor“, erzählt er. „Aber dass es so schnell geht, hat niemand für möglich gehalten.“
Nun also die Regionalliga mit dem Derby zum Auftakt. Frage an den Ur-Chemiker: Wissen die Neuen eigentlich, was dieses Match gerade den Fans bedeutet? „Ein bisschen informiert haben sich die Jungs schon. Aber wir werden sie uns schon nochmal zur Brust nehmen und ein paar Geschichten erzählen. Dann wird auch denen spätestens Freitag klar sein, was das Spiel für alle bedeutet.“ Er wird den Neuen auch erzählen, was die Fans von ihnen erwarten. „Die Zuschauer fordern jede Grätsche, fordern totale Verausgabung. Hier muss jeder an seine Kotzgrenze gehen.“ Da sind wir mittendrin in der Diskusson um die berühmten Leutzscher Tugenden. Stefan Karau ist mit ihnen groß geworden. „Als ich damals hier angefangen habe, wurde uns regelrecht eingeimpft, dass man hier auf keinen Fall den Platz mit einem sauberen Trikot verlassen darf. Man muss um jeden Ball, also um wirklich jeden Ball, fighten“, erzählt er. Man müsse nur die Gegner fragen, was es heißt, gegen Chemie im Kunze-Sportpark zu spielen. „Ich glaube, keine Mannschaft fährt mit einem Lächeln nach Hause.“

So soll es nach Stefan Karaus Willen auch Lok am Samstag ergehen. Auf Augenhöhe sieht er beide Vereine aber noch nicht. „Lok ist uns ein Jahr voraus. Wir haben noch einen ziemlich jungen Kader und in der Summe noch nicht so viele Regionalliga-Spiele wie Lok. Ich denke, leichter Favorit ist Lok“, sagt er. Natürlich kommt jetzt noch ein Aber. „Aber im AKS brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken.“ Denn der BSG-Kapitän ist sich sicher, dass das Derby „im Kopf“ entschieden wird. „Am Sonnabend wird nicht die bessere Mannschaft gewinnen. Es wird die Mannschaft gewinnen, die den größeren Willen hat und mehr Einsatz zeigt.“ Wer das sein wird, daran hat Stefan Karau freilich keine Zweifel. Er denkt ja Tag und Nacht daran.

Von: bly / Uwe Köster