Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Donnerstag, 05. Mai 2016
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Erst fünf, dann sieben

Mit Siebenmeilen-Stiefeln rennt der 1. FC Lok aus der Fußball-Oberliga. Nach dem 5:0 (2:0)-Sieg beim Tabellen-Vorletzten Wismut Gera fehlem den Leipzigern noch genau sieben Punkte aus den letzten fünf Spielen. Der Nachholer vor 1.753 Zuschauern im Stadion der Freundschaft war von Anfang an eine einseitige Angelegenheit. Der Sieg - zu dem der gesperrte Djamal Ziane keinen Treffer beisteuern konnte - fiel sogar zu niedrig aus.

Die Haupt- und Ehrenamtlichen der BSG Wismut Gera hatten sich große Mühe gegeben, das Spiel des Jahres in den richtigen Mantel zu kleiden. Freundliche Funktionäre, entspannte Polizisten, Einlaufkinder und Einlauf-Choreo. Organisatorisch passte beim Nachholer alles, selbst das Wetter trug seinen Teil bei. Doch sportlich war für den Tabellen-Vorletzten alles zu viel. „Der gesamte Verein hat sich auf das Spiel gefreut“, bekannte Geras Trainer Andy Lippold nach dem Spiel. „Wir wussten aber natürlich, dass die Chance besteht, dass es am Ende so ausgeht, wie es ausgegangen ist.“

Dass Gera dem FCL sportlich komplett unterlegen war, ließ sich auch im Gegensatz zum Ambiente nicht gut verkaufen. Nur in der ersten Viertelstunde war es ein einigermaßen ausgeglichenes Spiel. „Danach hatten wir alles im Griff“, so Lok-Trainer Heiko Scholz, der in der Anfangsphase schon eine Großchance des für Ziane aufgebotenen Faton Ademi sehen konnte.

Statt Ademi traf allerdings Hofmann nach 17 Minuten und kurz danach auch Wendschuch. Hofmann hatte nach einem Geraer Freistoß mit einem kurzen Dribbling den Lok-Konter eingeleitet. Am Ende spitzelte Schinke den Ball zu Wendschuch. „Danach haben wir ein paar Prozent weniger gegeben“, gestand Schinke. „Aber passiert ist auch da nicht wirklich etwas. Gera konnte nur über die Härte in der ersten Halbzeit einigermaßen mithalten.“

„Ich weiß, dass die Chancen wieder kommen werden“

In der Tat: Schiedsrichter Sirko Müke musste in einem allerdings keineswegs überharten Spiel oft die Pfeife nutzen. Auch nachdem Schinke einen Ball von Ademi nach rund einer Stunde zur Entscheidung nur noch über die Linie schieben musste. „Das hat Faton überragend gemacht“, lobte Schinke, der nach einem Solo des Kosovaren frei vor dem leeren Tor stand.

Ademi machte indes zeitweise nicht immer die beste Figur, war allerdings enorm umtriebig und konnte sich in der Schlussphase ebenfalls belohnen. Dass er am Sonntag beim FC Eisenach doch wieder draußen sitzen wird, nimmt er einigermaßen gelassen hin. „So ist es im Fußball. Aber ich weiß, dass die Chancen wieder kommen werden, der Trainer pflanzt es uns immer wieder in die Köpfe.“

Chancen hatte in der zweiten Halbzeit auch Lok genug, um das Ergebnis noch höher zu schrauben, ließ zwischendurch allerdings auch etwas Luft ab, spulte sein Pensum enorm souverän runter. „Wir hatten endlich mal die Lockerheit“, befand Schinke, der erstmals seit Februar wieder getroffen hatte.

„In zehn Tagen kann es schon soweit sein“

Für den Schlusspunkt sorgte Kapitän Markus Krug, der im Hinspiel erstmals seit fünf Jahren wieder getroffen hatte und nun selbst bei vier Saisonstoren steht. Bei Lok trifft diese Saison offenbar jeder, wie er will. „Uns macht dieses Jahr stark, dass wir mindestens vier, fünf Leute auf der Bank haben, die uns sofort weiterhelfen und sich jede Woche im Training zerreißen“, weiß Heiko Scholz, der so in der Halbzeit keine Bauchschmerzen hatte, für den angeschlagenen Steven Heßler (Hüftprellung) Gino Böhne zu seinem erst zehnten Saisonspiel zu verhelfen.

Ob Heßler am Sonntag wieder spielen wird, ist offen. Ronny Surma soll wieder zur Verfügung stehen und soll morgigen Feiertag zum Training antreten. „Wir ziehen durch, ich mache mir auch keine Platte, dass bei uns welche einen zuviel trinken. Die Jungs sind professionell. Trainingsfrei können wir aber trotzdem nicht machen. Uns fehlen noch ein paar Punkte, ich hab im Fußball schon zu viel erlebt“, erklärte Scholz seine Absage an einen trainingsfreien Feiertag.

Paul Schinke weiß indes genau, was noch bis zum Aufsteg fehlt. „Ich zähle die Tage und die Punkte, in zehn Tagen kann es schon soweit sein. Wir brauchen noch sieben Punkte, wenn Inter alles gewinnt. Wenn Inter irgendwo einen Punkt abgibt, dann ist es Mitte Mai geschafft.“ Die mitgereisten 500 Fans unter den 1.753 Zuschauern hatten schon mit dem 3:0 von Schinke lauthals über den Abschied aus der Oberliga nachgedacht. „Nie mehr Oberliga“, schallte es durch das Stadion der Freundschaft. Im Mai wird das wohl Wahrheit werden.

Von: Marko Hofmann