Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Montag, 22. Mai 2017
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Erst mal gucken und noch nicht anfassen

CFC-Coach Sven Köhler und Lok-Trainer Heiko Scholz begutachten Sachsenpokal

Leipzig. Nettigkeiten und nichts als Nettigkeiten – es ist der übliche Duktus, den die beiden Trainer der Sachsenpokal- Finalkontrahenten vorab anschlagen. Heiko Scholz, Lok Leipzig (Regionalliga): „Wir sind stolz, der Pokal ist für uns Zubrot und wir freuen uns auf Chemnitz.“ Sein Konterpart vom CFC (3. Liga) Sven Köhler: „Lok ist ein richtig starker Gegner, wird von der Euphorie im Bruno-Plache-Stadion getragen.“ Die Worte zur letzten Ölung.
Dabei geht es um viel mehr: Den Einzug in den DFB-Pokal und ein paar lange Scheine, die den beiden klammen Traditionsvereinen ganz gut zu Gesicht stehen würden. 115 000 Euro winken dem Sieger und landesweite Beachtung im TV.

18 Uhr schlägt morgen im Bruno-Plache-Stadion das Stündlein der Wahrheit. Dann rangeln 22 Spieler auf dem Grün um den Pott des Sächsischen Fußball-Verbandes, kurz den Landespokal. Nettigkeiten haben mindestens 90 Minuten auf dem Probstheidaer Rasen Sendepause. Wohlgemerkt auf dem Platz.
Damit die Fans der beiden Lager auch auf den Rängen im Stadion, davor und danach nicht ihre gute Kinderstube vergessen, ist die Polizei mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Sicherheitsspiel. Zwei Beratungen gab es zwischen SFV, Lok, CFC und der Polizei vorab. Bier gibt es im Stadion nicht, nur die alkoholfrei-gehopfte Variante.
Zudem wurde die Partie einen Tag vorgezogen. Der DFB hätte es lieber gesehen, wenn alle Landesverbände ihren Pokal Christi Himmelfahrt zum „Finaltag der Amateure“ ausspielen – mit Livepräsenz in Konferenz auf ARD. „Der Männertag wäre kritisch gewesen“, erklärt Lutz Mende vom SFV, „gerade bei dem Fan-Interesse.“
Das beläuft sich derzeit auf 6700 Menschen, die ein Ticket haben. Aus Chemnitz kommen 1200 Schlachtenbummler. Der Block ist voll, Anreise ohne Ticket zwecklos. Per Shuttle werden die Freunde der Himmelblauen zum Plache gebracht.

Auf Seiten der Probstheidaer ist noch ein wenig Platz. Knapp 100 Karten warten im Fanshop in der Schloßgasse. Etwa 5500 sind dort bisher über den Tresen für das „Finale Doorheme“ gegangen.
Eigens für das Endspiel wird die Lokomotive sogar in einem neuen Trikot (auf 250 Stück limitiert) auflaufen. Zumindest darauf ist schon mal der Pott abgebildet.

Angefasst hat diesen gestern übrigens keiner der beiden Trainer, auch wenn der den Namen der beiden rief. Bekanntlich bringt mehr als illern Unglück. Heiko Scholz schwört auf den Aberglauben. Hermann Winkler, der Präsident des SFV, nicht. Er präsentierte das gute Stück in der Sportschule in Abtnaundorf.
Zurück zum Sportlichen. Herr Köhler, inwieweit wird das Tohuwabohu beim CFC die Spieler beeinflussen? „Heiko und ich waren auch mal Spieler, wir haben uns über sowas keine Gedanken gemacht. Das Chaos blenden sie aus.“ Herr Scholz, ihr Team hat Heimspiel, was rechnen sie sich aus? „Das tut dem Verein gut, mit unseren Fans wird das sensationell. Auf dem Rasen muss alles passen.“
Kleiner Ansporn für Lok: Anno 1996 gewannen die VfB-Amateure gegen die des CFC 2:1. Ein gewisser Michael Ballack durfte nicht mitspielen.

Von: ALEXANDER BLEY