Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 12. Dezember 2017
Nur diese Kategorie anzeigen:Leipziger Volkszeitung

"Es war der richtige Weg!“

Robert Berger und der 1. FC Lok wollen vor Weihnachten noch zweimal punkten: heute gegen den BAK, am Sonntag in Babelsberg

Leipzig. Noch zweimal darf der 1. FC Lok – wenn der Wettergott mitspielt – 2017 zu Regionalliga-Punktspielen antreten. Heute, 19 Uhr, im heimischen Bruno-Plache-Stadion in der Nachholpartie gegen den Berliner AK und am Sonntag, 14 Uhr, beim SV Babelsberg 03 wollen die Blau-Gelben das Punktekonto, auf dem bis jetzt 27 Zähler vermerkt sind, weiter füllen. Als Belohnung winkt im besten Fall ein Sprung in der Tabelle. Die Loksche, die aktuell auf Rang fünf geführt wird, könnte als Dritter überwintern.

Coach Heiko Scholz wird in beiden Partien wohl wieder auf einen Neuzugang setzen, der eine Konstante im Lok-Spiel geworden ist und eine starke Hinrunde hinter sich hat: Zwar saß Robert Berger, vor der Saison aus Zwickau nach Probstheida gewechselt, als die Saison für die Blau-Gelben mit dem Derby begann, über die gesamte Spielzeit auf der Bank. Im nächsten Spiel gegen Babelsberg rückte er jedoch in die Startelf und stand seitdem in der Regionalliga jede Spielminute auf dem Platz. Dabei überzeugte der Rechtsverteidiger mit dynamischer Geradlinigkeit, Lauf- und Kampfstärke sowie Uneigennützigkeit und präzisen Hereingaben.
Für einen Viertliga-Fußballer, der erst vor einigen Wochen 21 Jahre alt geworden ist, hat Robert Berger schon einiges erlebt. Zunächst versuchte sich Klein-Robert im heimischen Weißwasser auf dem Eis. „Nachdem ich mal auf dem Puck ausgerutscht bin und mir dabei richtig weh getan habe, bin ich zum Fußball umgeschwenkt“, lacht Berger, dessen kleiner Bruder Alex erfolgreich bei den Jungfüchsen Eishockey spielt. Schnell wurde klar, dass diese Entscheidung richtig war.

Robert Berger fiel den Talentspähern von Energie Cottbus auf, wechselte dorthin auf Internat und Sportschule, wurde in den Nachwuchsteams zum Leistungsträger und Junioren-Nationalspieler. Elf Partien absolvierte er in der deutschen U17, zusammen mit Spielern wie Julian Brandt, Jonathan Tah oder Timo Werner. Besonders gut erinnern kann sich Berger noch an seine erste Partie im DFB-Dress: „In Plauen führte ich die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Meine Eltern waren auf der Tribüne – das fühlte sich super an, weil sie mich immer unterstützt haben.“

Doch nach den Höhen kamen auch Tiefen. Mit 15 trainierte Berger in Cottbus das erste Mal mit den Profis, mit 16 rückte er fest ins eigentlich ambitionierte Zweitligateam. Dort erlebte er allerdings ein Horrorjahr: „Ich habe in meiner ersten Saison im Männerfußball eigentlich alles erlebt, was man nicht erleben will – viele Niederlagen, vier Trainer, Grüppchenbildung, am Ende der Abstieg. Dazu konnte ich selbst nicht spielen, ein möglicher Wechsel wurde mir verbaut“, blickt Berger zurück.

In der anschließenden Drittligasaison ging es wieder bergauf, wurden die Einsätze häufiger, gelang ihm sogar ein Treffer, doch in der darauf folgenden Spielzeit wurde ihm nach großen Meinungsverschiedenheiten mit Coach Vasile Miriuta ein Wechsel nahegelegt. Berger entschied sich für den FSV Zwickau, „weil ich spielen wollte und der Club ambitionierte Ziele hatte“. Auch dort folgten Licht – Aufstieg in die 3. Liga („Ein sensationelles Erlebnis!“) – und Schatten, als er nach einer Verletzung seinen Stammplatz verlor und von der Bank aus den Zwickauer Höhenflug der vergangenen Spielzeit verfolgen musste.

Vorerst für ein Jahr hat Berger im Sommer beim 1. FC Lok unterschrieben. „Ein Wechsel in die 3. Liga wäre auch möglich gewesen, aber ich wollte spielen! Und die Regionalliga Nordost ist keine Gurkenliga, hier ist man richtig gefordert. Als das Angebot von Lok kam und Heiko Scholz mir die Philosophie erklärt hat, habe ich mich mit meiner Freundin beraten und wir haben uns dann für Lok entschieden“, erklärt Berger seine Beweggründe für den Wechsel in die Messestadt.
Diesen hat er keineswegs bereut: „Es war der richtige Weg! Ich spiele viel, die Mannschaft hat Qualität und Charakter und wir fühlen uns sehr wohl in der Stadt. Länger hier zu bleiben, ist auf jeden Fall eine Möglichkeit…“

Von: Carsten Muschalle