Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 24. März 2015
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Flügelstürmer mit eingebauter Torgarantie

Der Tscheche Ondrej Brusch hält Loks Aufstiegshoffnungen am Leben / Heiko Scholz: Absoluter Glücksgriff

Leipzig. Als Ondrej Brusch im Winter aus Plauen kam, hatte der 1. FC Lok acht Punkte Rückstand auf Rang zwei, jetzt sind es noch vier - vor allem dank des Tschechen mit der eingebauten Torgarantie. Fünfmal traf der 26-Jährige in den letzten vier Spielen und hielt so die Aufstiegshoffnungen am Leben. "Ondrej hat einfach einen Lauf", meint Trainer Heiko Scholz, "er besitzt einen überragenden linken Fuß und ist für Oberliga-Verhältnisse sehr schnell. Seine Verpflichtung war ein absoluter Glücksgriff, bei uns blüht er richtig auf."
Denn in der Regionalliga fiel der offensive Mittelfeldmann nicht gerade als Goalgetter auf, erzielte in 13 Hinrunden-Einsätzen nur einen Treffer. "Aber es war schwierig, sich in Plauen auf den Sport zu konzentrieren", sagt Brusch mit Blick auf die angespannte Finanzlage beim VFC, die in der Insolvenz gipfelte. Er wollte weg, aber nicht zu weit weg von der Heimat - seine Freundin studiert in Prag, zweimal im Monat besucht er sie in der tschechischen Hauptstadt.
Scholz kannte Bruschs Berater noch aus Dresdner Zeiten, vereinbarte ein Probetraining und wollte den Flügelflitzer, der früher auch in Markranstädt kickte, sofort haben. Brusch pokerte zunächst, verließ Leipzig wieder, doch Angebote anderer Vereine zerschlugen sich. Lok erhielt eine zweite Chance, ging finanziell an die Grenze des Machbaren. Es lohnte sich für beide Seiten.
Brusch verdient gutes Geld, aber er trainiert eben auch wie ein Profi, absolviert zusätzliche Kraft- und Fitnesseinheiten. "Manchmal muss ich seinen extremen Ehrgeiz bremsen", erzählt Scholz, "er will ja auch jedes Trainingsspiel gewinnen. Wenn er zweimal danebenschießt, ist er stinksauer auf sich."
Brusch behauptet, gar nicht anders zu können. "Ich liebe und lebe Fußball, gebe immer hundert Prozent, und jetzt habe ich endlich wieder Spaß und Selbstvertrauen", sagt er. "Loks Spielstil passt zu mir, die Atmosphäre im Team stimmt, der Trainer spricht viel mit mir."
Als Kind hieß sein Vorbild Pavel Nedved, heute schwärmt er von den Ronaldo und Co. bei Real: "Aber das ist eine andere Welt." Brusch will zumindest eine Etage höher spielen, träumt insgeheim sogar von der dritten Liga. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Lok möchte so früh wie möglich verlängern, Brusch hält sich bei diesem Thema bedeckt. "Ich denke noch nicht an die nächste Saison, derzeit gehört mein Herz Lok", versichert er, "und wenn wir weiter gewinnen, steigen wir vielleicht noch auf." Am Sonnabend in Bernburg (14 Uhr) soll die Erfolgsserie halten. Trifft Brusch auch im fünften Spiel in Folge? "Ich bin bereit."

Von: Steffen Enigk