Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 23. April 2015
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Frust bei Lok - und heftige Attacken gegen den Verband

Basler spricht von Betrug, NOFV wehrt sich / Aufstieg auch als Dritter?

Leipzig. Einen abgefälschten Freistoß und ein Kopfballtor nach einem Standard kassiert, selbst nur den Pfosten getroffen und den Auer Torwart bei einem halben Dutzend Großchancen berühmt geschossen, trotz einer Top-Leistung 0:2 verloren - beim 1. FC Lok regiert der Frust. "Ich bin Realist, das war's wohl mit dem Aufstieg", sagte Trainer Heiko Scholz, "aber ich frage mich langsam, was wir eigentlich verbrochen haben."
Beim 1:2 in Chemnitz setzte der CFC II acht Drittliga-Profis ein, am Mittwochabend kickten in der U23 des FC Erzgebirge sieben Zweitliga-Spieler. Lok fühlt sich benachteiligt, zumal Markus Krug, Ramon Hofman, Sebastian Dräger und Gino Böhne schwere Verletzungen davontrugen und am Sonnabend im Spitzenspiel bei RB II auszufallen drohen.
Dass der Nachholer in Aue nicht schon am Dienstag oder erst im Mai angesetzt wurde, der Mannschaft so kaum Zeit zur Regeneration bleibt, dass der RB-Kick nicht im großen Stadion, sondern in Markranstädt (Anpfiff 15 Uhr) steigt und so statt 3000 nur 1750 Lok-Fans dabei sein können - all das verstärkt den Groll in Probstheida. Und der richtet sich vor allem gegen den Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV).
Während Präsident Heiko Spauke auf der Lok-Homepage eher moderate Töne anschlug ("Man hat das Gefühl, dass uns von Seiten des Verbandes immer wieder Knüppel in die Beine geworfen werden") und einen "gerechten Spielbetrieb" forderte, fuhr Mario Basler schwere Geschütze auf. "Das ist die größte Frechheit, die ich in 30 Jahren Fußball erlebt habe, das hat mit Fairplay nichts mehr zu tun", giftete der Lok-Sportchef im LVZ-Gespräch: "Das ist Wettbewerbsverzerrung hoch drei und Betrug an unserem Verein. Entweder sitzen im Verband nur Vollblinde oder sie arbeiten bewusst gegen uns und wollen nicht, dass wir aufsteigen." Starker Tobak.
Der NOFV reagierte verwundert. "Ich habe kein Verständnis für diese Äußerungen", erklärte Wilfried Riemer, Leiter Spielbetrieb, auf LVZ-Anfrage: "Niemand von Lok hat sich offiziell bei uns beschwert." Der Aue-Termin sei auf Verlangen der Polizei entstanden, zudem sei das Stadion am Dienstag nach dem Sonntag-Kick der Profis noch nicht bereit gewesen und eine Verschiebung auf einen späteren Termin nicht möglich. Das Markranstädter Stadion wiederum entspreche allen Sicherheitsanforderungen, sei Regionalliga-tauglich - und RB sei Lok mit den 1750 Gäste-Tickets weit entgegen gekommen.
"Dass der NOFV gegen Lok arbeiten soll, ist völlig absurd", so Riemer weiter, "niemand hier hat etwas gegen den Verein. Im Gegenteil, ein Lok-Aufstieg würde für uns vieles leichter machen."
Den hat Mario Basler ("Wir planen ein weiteres Jahr für die Oberliga") inzwischen abgeschrieben. Vielleicht vorschnell. Denn sollte der Regionalliga-Staffelsieger (Magdeburg/Zwickau) den Sprung in Liga drei schaffen und das Berliner Landgericht am 13. Mai gegen den insolventen VFC Plauen votieren (Zwangsabstieg), gibt es laut Riemer zwei Möglichkeiten für die künftige Regionalliga: "Entweder sie spielt mit nur 17 Vereinen oder der freie Platz wird in einer Relegation zwischen den beiden Oberliga-Dritten ermittelt." Letzteres habe viele Befürworter. Riemer: "Entscheiden wird das NOFV-Präsidium." Es lohnt sich also für Lok, um Platz drei zu kämpfen. "Das sind wir unseren Fans auch schuldig", sagte Heiko Scholz.

Von: Steffen Enigk