Quelle: Sonstiges vom Sonntag, 03. April 2016
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„Ich hab immer meine Meinung gesagt“

Markus Krug über Vereinstreue, Fußball vor der Haustür und unbedingten Willen


„Ja, es müsste vielleicht wirklich noch mehr solche Spieler geben“, überlegt Markus Krug und lächelt. Es geht um Spieler, die sich über Loyalität zum eigenen Fußballverein definieren, über Fannähe und klare Worte. Spieler wie eben der Kapitän der „Loksche“ – Markus Krug. Um offene Worte ist der 27-Jährige nie verlegen und darauf ist er ein bisschen stolz.„Ich habe schon  immer meine Meinung gesagt – ganz egal, ob jetzt als Mannschaftskapitän oder früher als junger Neuzugang“, meint er. Und wenn es um das Thema „Vereinstreue“ geht, hat Markus Krug eine ziemlich klare und eindeutige Meinung: „Ich halte nichts davon, die Vereine zu wechseln wie andere Leute die Unterwäsche. Und ich habe nur wenig über für Spieler, die eben noch das Vereinslogo auf dem Trikot küssen und zwei Spiele später mit einer anderen Mannschaft auflaufen.“ Klare Worte. wahrlich. Doch es sind eben im Fall des Defensivspezialisten nicht einfach nur Worte. Vielmehr hat er ihnen längst Taten vorausgehen lassen: Seit 2009 trägt er das Trikot des 1. FC Lokomotive Leipzig und ist damit der dienstälteste Spieler in selbigem. „Das ist schon ein richtig schönes Gefühl, einen Fußballgott wie René Heusel beerbt zu haben“, hat sich Markus Krug schon so seine Gedanken über diesen Fakt gemacht. Ein Ende ist nicht in Sicht: Vor einigen Tagen hat er seinen Vertrag mit dem Probstheidaer Oberligisten um weitere zwei Jahre verlängert. Wobei sich dieses Prinzip
der Vereinstreue eigentlich wie ein roter Faden durch seine Fußballkarriere zieht. Die ja tatsächlich einmal begann, weil es nicht mal ein Katzensprung war vom Krug’schen Wohnzimmer zum Fußballplatz im heimatlichen Raguhn. „Ich musste nur durch den Garten gehen“, erzählt er lächelnd. Und weil außer dem der Vater in der ersten Männermannschaft der SG Kickers am Ball war, lag es nahe, „dass wir den ganzen Tag am Bolzen waren. Bis 18 Uhr, dann ging’s zum Abendessen“. Bis zur A-Jugend sollte er seinen Kickers treu bleiben – obwohl er längst aufgefallen war in der Kreisauswahl und Vereine aus Wolfen und Sandersdorf angeklopft hatten. „Aber warum sollte ich dahin wechseln?“, schüttelt Markus Krug noch heute den Kopf: „Das ergab keinen Sinn.“ Erst als der Hallesche FC anklopfte, ließ er sich erweichen. Und dies sollte in mehrfacher Hinsicht spannend werden: Zum einen startete er auf geradezu irrsinnige Art und Weise durch – von der Kreisliga in die Regionalliga (mit Blick in Richtung A-JuniorenBundesliga). „Ein Start
von null auf 100“, überlegt Markus Krug: „Aber ich hatte schon immer einen unbedingten Willen zum Erfolg.“ Und dann kam noch etwas hinzu, das sein damaligen Coach Detlef Schößler „was im Kopf haben“ nannte: Spielintelligenz, Flexibilität, Frische und Klarheit im Kopf. Da war es dann auch nicht weiter schwer für den aktuellen Lok-Trainer Heiko Scholz, den gestandenen Innenverteidiger Markus Krug zu einem ebenso souveränen Rechtsverteidiger zu machen: „Da hatte ich anfangs schon echt viel Respekt–andererseits war ich läuferisch schon immer gut und kann die Wege gehen. Zudem habe ich nach drei Spielen auf der Position gemerkt, dass da etwas geht.“ Inzwischen hat der Lok-Kapitän sogar eine Menge Spaß an den neuen offensiven Herausforderungen gefunden. Die zweite spannende Info zum Thema HFC: Über die Fanfreundschaft zwischen
den Hallensern und dem 1. FC Lok Leipzig ist Markus Krug auf die Probstheidaer gestoßen. „Beim irren Aufstiegsspiel in die Oberliga gegen den FC Schönberg war ich mit auf der Tribüne“, erzählt er: „Mir war eines klar: Wenn ich den HFC verlasse, dann nur zu Lok Leipzig.“ Und als im Zuge der Herausforderungen seiner Berufsausbildung („Mir war immer klar, dass ich neben dem Fußball ein zweites Standbein brauche.“)
ein Wechsel nötig wurde – nun, dann führte der Weg zu Blau-Gelb. Inzwischen hat der „Käpt’n“ jede Menge gesehen und erlebt im Bruno-Plache-Stadion – tolle Mannschaften wie die von Trainer Marco Rose, aber auch bittere Stunden. „Da bin ich tatsächlich zart besaitet: Als es Lok schlecht ging, war ich auch entsprechend schlecht drauf. Immer der Gedanke im Kopf: Mein Verein kann doch nicht einfach so untergehen!“ Kein Wunder, dass sich Markus Krug ein Karriereende in Probstheida gut vorstellen kann. Die Sonntage stehen derweil meist im Zeichen des rollenden Balls. „Dann bin ich immer sehr ruhig – ganz im Gegensatz etwa zu
Paul Schinke. Ich bin schon zum Frühstück ein wenig im Tunnel.“ Nicht zuletzt deshalb liebt Markus Krug Samstagsspiele: „Dann bleibt noch ein Tag für die Freundin und die Familie.“

Von: SACHSEN SONNTAG / J. Wagner