Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 27. Juli 2017
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„Ich wollte Sicherheit“

Julien Latendresse-Levesque begründet seinen Wechsel von Lok zu Chemie

Leipzig. „Es wird ein bisschen komisch“, sagt Julien Latendresse-Levesque mit leicht französischem Akzent. Denn Sonnabend (12 Uhr, Alfred-Kunze-Sportpark) spielt sein neuer Club gegen den alten. Diese Partie hat gehörig Pfeffer intus. Schließlich steht das Derby zwischen Chemie und Lok an, zur feierlichen Eröffnung der Regionalligasaison. Und selbst da nicht irgendeines: Zum 100. Mal kreuzen die Leipziger Ortsrivalen die Klingen.

Bis vor vier Tagen war „Latte“ eigentlich noch Keeper der Probstheidaer. Ganze vier Jahre stand er für die Blau-Gelben im Kasten. In Leutzsch hat der Kanadier einen Vertrag für die kommenden zwei Jahre unterschrieben. Mit Option auf ein weiteres. „Ich wollte Sicherheit“, begründet der 26-Jährige seinen Wechsel.

Die sah er nicht mehr, obwohl sein Vertrag beim 1. FC Lok noch ein Jahr gelaufen wäre. Auch eine Verlängerung lag Latendresse-Levesque im Winter vor. „Ich hatte aber bessere Angebote aus der 4. Liga. Aus Bremen, Berlin und von Chemie“, erklärt er. Weil der gebürtige Montrealer seinen Lebensmittelpunkt nicht verändern wollte, hat er sich für die BSG Chemie entschieden. „Ich lebe mit meiner Freundin hier in Leipzig, wir sind erst vor drei Monaten umgezogen und im September bekommen wir einen Jungen“, sagt er, „der Wechsel gibt Sicherheit für die Familie.“

Keinen Ausschlag habe der Zweikampf mit Benjamin Kirsten um den Stammplatz im Lok-Tor gegeben. „Ich hatte kein Problem, auf der Bank zu sitzen. Schließlich war ich lange verletzt“, begründet der Keeper, der von den Vancouver Whitecaps über Cottbus 2013 nach Leipzig kam.
Bei der BSG muss sich „Latte“ zwischen den Pfosten dem Zweikampf mit Markus Dölz stellen. „Ich habe das Gefühl, ich bin wichtig für den Verein“, beschreibt er seine ersten Eindrücke. Sonnabend sitzt er auf der Bank, darf aber nicht spielen. So lautet der zwischen den beiden Clubs ausgehandelte Deal. „Das ist auch besser so“, sagt er.

Auch wenn einige Fans der beiden Vereine es etwas anders sehen: „Wir sind alle Kumpels, nur die 90 Minuten im Spiel nicht“, erklärt Latendresse-Levesque. Eines vergisst der Frankokanadier keinesfalls: „Nach meinem Handbruch in Cottbus war es megaschwer, einen Verein zu finden. Dafür bin ich Scholle dankbar. Er hat an mich geglaubt.“ Ausgesprochen haben sich beide auch, der Vertrag bei Lok wurde am Mittwoch aufgelöst. 

Von: Alexander Bley