Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 07. Dezember 2017
Nur diese Kategorie anzeigen:Leipziger Volkszeitung

Im Westen kaum Neues

Aufstiegs-Übergangslösung / Expertenkommission soll Reformvorschlag bis 2019 erarbeiten / Ostvertreter stellen den Kamm auf

Leipzig. Bevor eine Konferenz über die Bühne geht, sind die Würfel normalerweise schon gefallen. Nur an Nuancen wird noch gefeilt. Das war so, das ist so und das wird auch so bleiben. Die Fäden der Diplomatie werden im Hintergrund gewebt.

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist der Status quo ein Scherbenhaufen. Dabei sollten doch in Frankfurt auf dem extra einberufenen Bundestag heute gerade die zusammengekehrt werden. Nix da. DFB-Präsident Reinhard Grindel muss barfuß durchs Glas. Des Ostens wegen, weil es im Westen kaum Neues gibt.
Die Vertreter des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) respektive die Drittligisten und Regionalligisten haben den Kamm aufgestellt. Der NOFV wollte eigentlich trotz strukturell bedingter Stimmenknappheit auf dem Bundestag beim Thema Regionalliga-Reform die Konfrontation suchen. Schließlich grassiert unter den Mitgliedern nicht unberechtigt die Angst, dass der Verband zerschlagen wird.
Das wäre in der Tat möglich. Denn einer der sieben Reform-Anträge, die bereits in den vergangenen Tagen zwischen den Verbänden hinter verschlossenen Türen hitzig diskutiert wurden, sieht eine viergleisige Regionalliga vor. Nach Adam Riese existiert da derzeit eine zu viel. Den Letzten beißen bekanntlich die Hunde – was dann der NOFV wäre. Der Süddeutsche Fußball-Verband und der Norddeutsche hätten ihren Schoß geöffnet und das Gros der DDR- Oberliga gern hineingelassen.

Claus-Dieter Wollitz, Trainer des Regionalliga-Primus Energie Cottbus, schwoll schon vor ein paar Tagen ob der Respektlosigkeit seitens der DFB-Vertreter der Kamm. „Da fehlt mir der Anstand bei den Äußerungen aus der DFB-Zentrale“, echauffierte er sich. Und legte gleich die Wunde in einen Streitpunkt bei einem anderen Reform-Vorschlag. „Der Westen und der Südwesten haben Startplatzgarantie. Bringen wir hier im Osten keine Leistung? Sind wir Vollloser, sind wir so ein lästiges Anhängsel?“, erteilte er der B-Variante eine Abfuhr.

Die da wäre: Die fünf Regionalverbände bleiben bestehen. Zwei Aufsteiger (West und Südwest) sind gesetzt, die restlichen drei machen die zwei verbleibenden Aufstiegsplätze in einem rollierenden System abwechselnd untereinander aus. Die Begründung: Im Süden spielt die Hälfte der Herrenmannschaften Deutschlands – deswegen steht den Verbänden das Aufstiegsrecht zu. Für den Osten ein Totschlagargument. „Die Anzahl der Vereine ist doch nicht das Maß der Dinge“, erteilte Lok-Leipzig-Geschäftsführer Martin Mieth dem Vorschlag eine Abfuhr, „wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen“.

Das NOFV-Arbeitspapier unterscheidet sich im Grundsatz nicht wesentlich von dem aus dem Westen. Auch der Osten spricht sich für vier Regionalliga-Staffeln aus. Mit dem Fortbestand des Nordostens. Sprachrohr des NOFV sind diesbezüglich Mario Kallnik vom FC Magdeburg und Hermann Winkler vom Sächsischen Fußballverband (SFV). Rainer Milkoreit, NOFV-Präsident, gilt vielen Vereinsvertretern offensichtlich als zu gemäßigt. Zudem drohte Winkler dem DFB mit einer Klage – der Grimmaer macht bei dem zu befürchtenden Aufstiegssystem Wettbewerbsverzerrung aus.

Der Scherbenhaufen bleibt. Grindel ist kein Mann, der diesen barfuß ohne Schmerzen überwindet. Der offenen Konfrontation der Streithähne soll heute auf dem Bundestag aus dem Weg gegangen werden. Ein Konsens scheint in weiter Ferne. Deswegen soll sich nun eine Expertenkommission der Reform annehmen und Brücken zwischen Ost und West bauen. Dieser Vorschlag soll auf dem Bundestag abgestimmt werden. Und dennoch gab es nach hitzigen Debatten einen kleinen Lichtblick. Ab kommender Saison steigen vorerst vier Teams aus der 3. Liga ab. Beim Aufstieg ist der Südwest-Meister gesetzt. Zwei weitere Verbände werden gelost. Der vierte Platz wird per Relegation ausgespielt. 

Von: Alexander Bley