Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Montag, 17. Juli 2017
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Kesseler geht mit viel Wehmut

Thomas Löwe ist neuer Präsident von Lok Leipzig

Leipzig. Den letzten Tag als Lok-Präsident ließ Jens Kesseler am Lagerfeuer ausklingen. „Mit viel Wehmut. Ich war sehr berührt“, gestand der 54-Jährige, der den 1. FC Lok die vergangenen vier Jahre durch schweres Fahrwasser navigierte. Eine Ad-hoc-Entscheidung war der Rücktritt nicht. Vielmehr ist dieser dem geschuldet, dass das Berufliche immer mehr in den Hintergrund trat. „Meine Firma hat sehr gelitten, es ging bis an die Schmerzgrenze“, sagte der Steuerfachmann gegenüber der LVZ. Auch mental. „Die Schlagdichte war enorm. Mindestens zwei bis drei Stunden täglich haben wir konferiert. Manchmal hat das Ehrenamt auch den ganzen Tag in Anspruch genommen“, begründete er seine Entscheidung. „Es tat genauso weh, wie sich von einer langjährigen Freundin aus Vernunftgründen zu trennen“, beschrieb der Leipziger.

Bereits vor einer Woche hatte Kesseler seine Entscheidung, dass Amt niederzulegen, dem Präsidium mitgeteilt. Ganz überraschend kam der Rücktritt nicht. „Jens hatte schon mal angedeutet, dass die berufliche Belastung zunimmt und uns das mitgeteilt“, sagte sein Nachfolger Thomas Löwe. Der 49-Jährige wurde bei einer Enthaltung (seiner) einstimmig vom Präsidium gewählt. „Er hat viele schwierige Situationen miterlebt, ist immer standhaft und zielstrebig geblieben“, würdigte Löwe seinen Vorgänger. Ebenso Trainer Heiko Scholz: „Er hat alles, was ein Präsident haben muss, kann reden, repräsentieren. Es ist schade.“
Der 20. März 1974 veränderte bei Kesseler vieles. Ein Erlebnis im Zentralstadion brannte sich in sein Herz. Als Elfjähriger sah er, wie Lok im Elferkrimi das Uefa-Cup-Viertelfinale gegen Ipswich Town 5:4 gewann. „Bis 1989 war ich so gut wie bei allen Spielen in Leipzig dabei“, erinnerte sich Kesseler. Dann wurde das Studium wichtig – an der Karl-Marx-Uni. Landwirtschaft mit Spezialisierung Betriebswirtschaft. „Eigentlich wollte ich Afrika-Wissenschaften studieren. Das durfte ich aber nicht“, sagte er.

Afrika ist eine Leidenschaft, die ihn nun auch beruflich mehr beschäftigt. Er berät mittelständische Unternehmen die auf dem Kontinent investieren wollen. Projekte im Senegal und Kamerun begleitet er noch dieses Jahr. Ende Oktober geht es nach Tansania und Sansibar. Auch in Deutschland weitet sich sein Tätigkeitsbereich aus. Der Fachmann für Gemeinnützigkeitsrecht, also für Vereine, Stiftungen und NGOs, hält im ganzen Land Vorträge. „Das ist beruflich eine neue Etappe“, erklärte der Mitgesellschafter der IQ-Steuerberatung.

Dennoch fällt ihm der Abschied von Lok schwer. Alles, was er bei Lok seit 2011 erlebte, kam am Sonntag schon beim Laufen hoch. Auch so eine Leidenschaft, für die der 54-Jährige nun wieder mehr Zeit hat. Damals wurde Kesseler von einem Aufsichtsratsmitglied nach einem Vortrag über Steuerrecht angesprochen. Im April 2013 überredeten Heiko Spauke, Martin Mieth und René Gruschka ihn, wieder einzusteigen. „Das war eine intensive Zeit“, beschrieb Kesseler. Mit Meilensteinen wie dem Zurückholen der Rechte am Vereinslogo und dem Erbpachtrecht für das Bruno-Plache-Stadion. Kesseler wird Lok weiter beratend zur Seite stehen.

Von: Alexander Bley