Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 05. April 2015
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Lockerer, stabiler, effektiver

Lok-Erfolgsserie soll am Sonntag in Rudolstadt fortgesetzt werden / Krug, Trojandt und Ziane wieder im Team

Leipzig. In der Hinrunde haben sie nur von einer Serie geredet, jetzt ist sie da. Nach fünf ungeschlagenen Oberliga-Spielen mit 13 Punkten und 11:2 Toren liegt der 1. FC Lok nur noch zwei Zähler hinter Rang zwei, der am Saisonende den Aufstieg bedeuten würde. "Wir haben einen kleinen Lauf, können es aber immer noch nicht aus eigener Kraft schaffen", dämpft Trainer Heiko Scholz die Euphorie im Umfeld und bei den Fans: "Deshalb dürfen wir keine Luft ranlassen und müssen die verbleibenden zehn Partien möglichst gewinnen." Auch am Ostersonntag bei Einheit Rudolstadt (14 Uhr) ist ein Sieg Pflicht.
So kurios es klingt: Der Einstieg von Mario Basler in der Winterpause lenkte die Aufmerksamkeit auf den prominenten Sportchef, nahm automatisch etwas Druck von der Mannschaft. "Wir haben die Ziele gemeinsam neu definiert", erklärt Heiko Scholz, "wir wollen zwar in die Regionalliga, aber das ist kein unbedingtes Muss, die Welt würde nicht untergehen, wenn wir noch ein Jahr in der Oberliga bleiben. Alle sind lockerer geworden."
Mit den Erfolgen kamen Selbstvertrauen und wieder Spaß am Fußball, zudem brachten die - teilweise von Basler initiierten - Neuverpflichtungen mehr Qualität ins Team. Die im Herbst oft wackelnde Deckung gewann mit Ronny Surma (Scholz: "Ein Haudegen, der den Laden zusammenhält") Sicherheit, ist seit 288 Minuten ohne Gegentreffer. Im Mittelfeld zog dank der Japaner Hiromu Watahiki ("Unspektakulär, aber wirksam, der ideale Sechser") und Norikazu Murakami ("Ein Musterprofi, der spielerische Akzente setzt") Stabilität ein. Linksaußen Ondrej Brusch entpuppte sich ebenfalls als Glücksgriff und wurde mit sechs Toren in den vergangenen fünf Begegnungen zum Gesicht und zum Garanten des sportlichen Aufschwungs. Dabei bietet Lok keineswegs berauschenden Fußball an, aber geduldigen und effektiven. Balance und Struktur im Team stimmen, das schlägt sich in den Ergebnissen nieder.
Auch in Rudolstadt - der Aufsteiger unterlag im Halbfinale des Thüringen-Pokals nur 1:2 gegen Regionalligist FC Carl Zeiss Jena - erwartet Scholz eher ein kampfbetontes Match. "Das ist eine körperbetont agierende, aggressive, bei Standards gefährliche Mannschaft", meint der Coach, "die werden uns nicht auseinandernehmen, können aber gut das Spiel des Gegners zerstören."
Kapitän Markus Krug kehrt nach abgesessener Gelbsperre in die Lok-Elf zurück, Marcel Trojandt und Djamal Ziane sind wieder gesund. Scholz hat also die Qual der Wahl. Sein Kader ist endlich so breit und ausgeglichen besetzt, dass Ausfälle kompensiert werden können. Sebastian Zielinsky, Andy Wendschuch, Armin Kilz, Steve Rolleder, Carlos Brinsa, Dustin Scheibe, Gino Böhne - alles Alternativen, die in die Mannschaft drängen, für Konkurrenzkampf sorgen.
Deshalb signalisiert Scholz seinen derzeitigen Stammkräften: "Wer glaubt, ein paar Meter weniger machen zu können, sitzt beim nächsten Mal draußen. Erreicht haben wir noch gar nichts." Aber die Hoffnung lebt wieder. Und wird wachsen - wenn die Erfolgsserie hält.

Von: Steffen Enigk