Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 16. Januar 2015
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"Lok gehört mindestens in die dritte Liga"

Mario Basler wird Teammanager in Probstheida, will Türen bei Sponsoren und Spielern öffnen / Langfristiges Engagement geplant

Leipzig. Er war Europameister, Deutscher Meister, Pokalsieger, hat 30 Länderspiele absolviert, traf für den FC Bayern im Champions-League-Finale. Ab Montag sitzt er in Leipzig in der Geschäftsstelle des 1. FC Lok. Mario Basler, einst das "enfant terrible" des deutschen Fußballs, der mit verwandelten Ecken und Freistößen glänzte, nicht gerade als Laufwunder galt und oft mit frechen Sprüchen brüskierte, wird Teammanager in Probstheida - eine Sensation.
Was treibt so einen Mann in die fünfte Liga? "Lok hat immer noch einen großen Namen und ein riesiges Fan-Potenzial, ist einer der bekanntesten Traditionsvereine in Deutschland", sagte der 46-Jährige gestern der LVZ: "Das ist eine reizvolle Aufgabe, die mir Spaß machen wird."
Vor Monaten lernte Basler Lok-Präsident Heiko Spauke geschäftlich kennen. "Er hat angefragt, wir haben oft miteinander gesprochen, jetzt wurde es konkret." Basler, der über einen Sponsor ("ein gemeinsamer Freund") finanziert wird und Lok nichts kostet, hat sich auf ein langfristiges Engagement eingerichtet. "So ein Projekt braucht Zeit, ich will mit Lok Schritt für Schritt nach oben, der Verein gehört mindestens in die dritte Liga, wenn nicht in die zweite", erklärte er. Nahziel müsse aber erst mal der Aufstieg in die Regionalliga sein. "Natürlich ist mir klar, dass der Verein sich finanziell anders aufstellen muss, dass wir Geld brauchen, und auch dabei möchte ich helfen, werde bald viele Sponsorentermine haben und versuchen, Türen zu öffnen", so Basler weiter.
Er ist gut vernetzt, wird seine Kontakte dazu nutzen, Spieler für Lok zu begeistern. Gemeinsam mit Coach Heiko Scholz habe er sich bereits mit potenziellen Neuzugängen befasst und eine Wunschliste erstellt. "Am Wochenende werde ich mich länger mit dem Trainer zusammensetzen", kündigte Basler an: "Ich denke, dass wir bald einige Jungs im Probetraining sehen werden."
Scholz ist von Baslers Verpflichtung hellauf begeistert. "Ich freue mich total auf ihn. Wir haben in Bremen zusammen in der Bundesliga gespielt", sagte der 49-Jährige, "Mario ist ein Typ aus dem prallen Leben und in ganz Deutschland beliebt, und er kennt sich in der dritten Liga sowie in den westlichen Regionalligen aus." Scholz bricht seinen Kurzurlaub in Leichlingen ab, um am Sonntag mit Basler Weichen zu stellen. Schon in den nächsten Tagen wolle man "die ersten ein, zwei Spielerverpflichtungen perfekt machen".
Basler hatte seine Karriere 2004 beendet, wurde Trainer in Regensburg, Trier, Koblenz und Oberhausen. Beim damaligen Viertligisten trat er im September 2012 zurück. Jetzt steigt er bei Lok ein - als Strippenzieher, Türöffner und Aushängeschild. Es wird spannend in Probstheida. Basler meint es ernst: Er zieht von Osnabrück nach Leipzig.

Von: Steffen Enigk