Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 20. August 2017
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Maurer macht’s wie der Ex-Kollege

Loks Zauberfuß trifft zweimal, Becker für Luckenwalde ebenso / Blau-Gelb weiter unbesiegt

Leipzig. Bei Mannschaften, die in eine höhere Liga gestürmt sind, heißt es: Das zweite Jahr ist das schwerste. Der Beweis steht beim 1. FC Lok Leipzig noch aus, schließlich ist die Saison 2017/18 gerade erst geschlüpft. Bisher gibt’s aber keinen Grund für Schwarzmalerei. Denn die Blau-Gelben sind in der Regionalliga nach dem vierten Spieltag dank des 4:2-Sieges (2:2) gegen den FSV 63 Luckenwalde weiterhin ungeschlagen, haben nunmehr zehn Punkte auf dem Konto.
Übrigens: Einen ebensolchen Fabelstart legte das Team von Heiko Scholz im vergangenen Jahr auch hin. Damals noch mit Daniel Becker in den Reihen der Probstheidaer. Dass der 30-Jährige das Toreschießen auch in Brandenburg beim FSV nicht verlernt hat, bewies er am Sonnabend im Bruno-Plache-Stadion gegen seinen Ex-Verein. Gleich zweimal(30. und 36. Minute) ließ der begnadete Linksfuß die 2729 Lok-Fans verdutzt, die sieben FSV-Schlachtenbummler freudig zurück. Zweimal bumste es im Gebälk. „Zweimal abgefälscht“, wie Leizigs Keeper Benjamin Kirsten leidvoll feststellen musste. „Becks“ braucht eben nirgendwo Anlaufzeit.

Beim Gros der Kicker ist das anders. Vor allem, wenn sie jung sind, ein neues Fleckchen Erde kennenlernen und in ein bestehendes Gefüge eingepasst werden müssen. Siehe Paul Maurer. Im vergangenen Jahr kam der Blondschopf, der die linke Außenbahn bei Lok beackert, aus Cottbus an die Pleiße. Nach einigen Wochen im Stamm nahm der damals 20-Jährige auf der Bank Platz. Die Akklimatisierung dauerte. Bis zum Liga-Endspurt, da drängte er zurück ins Team. Am Sonnabend avancierte er zum Matchwinner, mit einem Doppelpack (11. und 34. Minute). „Wenn ich so schießen könnte, würde ich das auch ausnutzen“, beschrieb Djamal Ziane die Begabung seines Mitspielers. „Zwei Freistoßtore in einem Spiel habe ich noch nie geschossen“, sagte Maurer, der Lok in Halbzeit eins zweimal in Führung brachte. Einmal mittig und einmal halbrechts. Beide Male mindestens 25 Meter vom Tor entfernt. Konstantin Filatow im Kasten von Luckenwalde hatte keine Chance. Bei Streich Nummer zwei wurden glatt mal die Handzeichen von Lok-Coach Scholz missachtet. Der forderte eine Bananenflanke, etwas zum Einnicken für die langen Stelzen. Paul & Paul entschieden sich für eine andere Variante. Schinke legte per Sohle zur Seite, Maurer zog ab. Beinahe hätte auch ein dritter Streich geklappt. Den Aufsetzer aus 30 Metern (19.) patschte Filatow gerade so am Kasten vorbei. „Ich schieße schon gern“, gab Maurer zu, „ich kenne jetzt alles bei Lok, weiß wie es abläuft.“

Lokomotive bestimmte die Partie, brachte sich nach „zwei individuellen Fehlern“ (O-Ton Scholz) und einem vergebenen Elfmeter von Christian Hanne um die Führung. Erst in Halbzeit zwei zog Blau-Gelb die Schlinge zu. Die gelb-rote Karte für Luckenwaldes Aaron Bogdan (43.) schlug dabei ins Kontor. „Wir laufen hinterher, sind Außenseiter, da wird es doppelt schwer“, fasste Verteidiger Steven Heßler zusammen. Er war mit Jonas Arnold von Lok ebenfalls zum FSV gewechselt.

Mit einem Doppelschlag in der 62. und 64. Minute knockten die Probstheidaer Luckenwalde aus – erst Ryan Malone im Nachschuss, dann Matus Lorincak im Scherenschritt. Beides von Schinke eingeleitet. „Ich bin überglücklich über die drei Punkte“, frohlockte Lok-Trainer Scholz nach dem Sieg. Der bedeutet übrigens Platz zwei. Nur Cottbus ist besser.

Von: ALEXANDER BLEY