Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Donnerstag, 21. April 2016
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Mit Bedacht zu acht

Vergleichsweise unspektakulär hat der 1. FC Lok den 16. Saisonsieg im 22. Spiel eingefahren. Die Probstheidaer entschieden den Nachholer bei Union Sandersdorf am Mittwochabend mit 1:0 (0:0) für sich. Robert Zickert traf sehenswert nach einer Ecke zum goldenen Tor. Der Oberliga-Spitzenreiter kontrollierte vor 1.400 Zuschauern weite Teile des Spiels und hat nun acht Punkte Vorsprung auf Verfolger Inter Leipzig bei noch acht ausstehenden eigenen Spielen.

Am Ende kam im Sport- und Freizeitzentrum Sandersdorf doch noch mal Hektik auf: Der Ball lag im Tor des 1. FC Lok, aber Schiedsrichter Frank Heinze aus Ludwigsfelde entschied statt auf Tor auf Freistoß. Lok-Torhüter Julien Latendresse-Levesque war im Luftkampf zwölf Meter vor seinem Tor mit Stefan Ronneburg aneinander geraten. Während der Franco-Kanadier nach dem Spiel beteuerte „Foul“ und sich Ronneburg beschwerte „nie im Leben ein Foul“, krakeelten zwei Herren auf der Sandersdorfer Tribüne: „Immer wieder der gleiche Betrug gegen die Spitzenmannschaften!“ Die Herren saßen wohlgemerkt runde 60 Meter entfernt.

Sandersdorfs Trainer Mike Sadlo war da ausgeglichener. „Ich habe es von weitem nicht gesehen. Da muss man dem Schiedsrichter vertrauen.“ Auch Heiko Scholz mochte sich nicht festlegen. „Ich stand auf der Höhe, aber da stehen drei, vier Spieler im Pulk. Das ist für den Schiedsrichter immer schwer zu sehen. Eine klare Fehlentscheidung war es nicht.“ Dafür war es die einzige klare Tormöglichkeit der Gastgeber, die nicht die Giftigkeit wie im Hinspiel oder gar wie vor anderthalb Jahren versprühten, als Lok nach einer indiskutablen Leistung 1:3 beim Außenseiter verlor.

„Bis zum Gegentor haben wir nach vorn im Prinzip nichts zustande gebracht“, monierte Sadlo. Das hatte aber nur so halb mit seinem Team zu tun. Lok investierte moderat in die Vorwärtsbewegung und überdurchschnittlich viel in die Rückwärtsbewegung, versuchte binnen Sekunden, verlorenene Bälle zurückzuerobern und kontrollierte so die gesamte erste Halbzeit. Allerdings auch ohne vorn selbst gefährlich zu werden.

„Das hat mir nicht gefallen, wir waren vor der Pause zu nervös, zu hektisch und haben zu langsam gespielt“, so Heiko Scholz. Einzig ein Freistoß von Daniel Becker, den Marius Kansy gut aus dem Angel fischte, und ein Hofmann-Kopfball aus Nahdistanz (übers Tor) sorgten für etwas Torgefahr.

Für den gesperrten Paul Schinke spielte Daniel Becker im Zentrum ordentlich und hatte auch seine Aktien an einem starken Wiederbeginn des FCL. „Nach der Pause haben wir uns viel zu tief einschnüren lassen und hatten gar keine Angriffsmöglichkeiten mehr“, so Sadlo, der nach 52 Minuten den Rückstand für seine Mannschaft sah. Robert Zickert knallte eine Ecke von rechts artistisch per Seitfallzieher ins Eck. Da war selbst der gute Kansy machtlos.

Die Ecke macht den Unterschied

Für Sadlo war das Tor eine Konsequenz der Leipziger Klasse. „Das ist eben heute der Unterschied gewesen. Wir sind bei Standards ungefährlich, Lok macht eine Ecke rein.“ Doch statt das Spiel gegen harmlose Gastgeber souverän zu Ende zu spielen, sah sich Lok plötzlich einem befreit aufspielenden Kontrahenten gegenüber, der nun seinerseits Druck machte, ohne für echte Abschlüsse zu sorgen.

Lok hatte im Konter binnen fünfzig Sekunden gleich zwei Möglichkeiten, das Spiel zu entscheiden. Aber erst brauchte der glänzend freigespielte Torjäger Ziane vor Kansy zu lange, um seine Beine zu sortieren und dann spritzte Ronneburg noch in ein Abspiel Zianes, der frei vor Kansy nur noch auf Becker querlegen musste. „Keine Ahnung was da los war. Es fühlte sich stumpf an“, kommentierte Ziane die Situation, über deren schlampige Ausführung er sich beinahe noch hätte mehr ärgern müssen.

Doch weil Latendresse-Levesque statt eines Tors gegen sich einen Freistoß bekam, war am Ende für Lok doch noch alles gut und Inter um weitere drei Punkte distanziert. Die Glückwünsche zum Aufstieg wollte Heiko Scholz vom Gegner trotzdem nicht annehmen. „Es ist noch gar nichts entschieden, es gibt noch acht Spiele und die müssen wir alle ordentlich bestreiten.“ Das Lob für die 700 mitgereisten Lok-Fans nahm Scholz dafür gern entgegen. „Die haben heute gezeigt, dass Lok-Fans friedlich sind“.

Von: Marko Hofmann