Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 08. März 2015
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Nur 1:1 in Markranstädt - war's das für Lok?

Probstheidaer verschenken Sieg in überlegen geführter Oberliga-Partie / RB II unterliegt Dynamo II 0:1

Markranstädt. "Sensationell, Wahnsinn", schwärmte Mario Basler. Fast 2000 Lok-Fans unter den 2160 Besuchern beim Oberliga-Gipfel - das Stadion am Bad war am Sonnabend fest in blau-gelber Hand. "Wenn wir das Ding ziehen, haben wir nächsten Sonntag gegen Neugersdorf 4500 Zuschauer", meinte der Probstheider Sportchef. Doch 90 Minuten später war aus Euphorie Ernüchterung geworden. Lok hatte mit dem 1:1 (0:0) beim SSV Markranstädt die große Chance vergeben, sich im Aufstiegsrennen zurückzumelden und in einer überlegen geführten Partie den Sieg verschenkt. Der Jubel über das 0:1 von Neuzugang Ondrej Brusch (70.) währte nur 120 Sekunden, dann verwertete Robert Zickert den einzigen (!) gefährlichen SSV-Angriff zum Ausgleich.
Markranstädt verlor zwar Rang zwei an Neugersdorf, feierte das glückliche Remis aber wie einen Dreier. "Es ist ein Erfolg, Lok auf Sieben-Punkte-Distanz gehalten zu haben, zumal einige meiner Jungs vor dieser Kulisse weiche Knie hatten", freute sich Coach Heiko Weber. Kollege Heiko Scholz erklärte: "Es war kein schönes, aber ein intensives Spiel. Bitter, dass wir uns für eine starke Leistung nicht belohnen konnten." Auch Basler haderte. "Wir waren besser, hatten den Sieg verdient, werden nicht aufgeben. Aber wenn wir diese Mannschaft schon in der Hinrunde gehabt hätten..."
Denn neben dem drangvollen Brusch überzeugten auch die beiden Japaner. Angetrieben von Norikazu Murakami und Hiromu Watahiki, erarbeitete sich Lok gute Gelegenheiten. Nach Traumpass von Ramon Hofmann scheiterte Brusch an Keeper Tom Neukam (17.), eine Direktabnahme von Hofmann verfehlte knapp den Torwinkel (32.), ein Watahiki-Knaller (45.) war etwas zu hoch angesetzt. Nach der Pause drückte Lok weiter. Hofmann spielte Gianluca Marzullo völlig frei (51.), doch der Goalgetter schob die Kugel um Zentimeter am Kasten vorbei.
Dann erlöste Brusch die Blau-Gelben, bestrafte einen Zickert-Schnitzer, umkurvte Neukam, lochte ein. Mitten im frenetischen Lok-Jubel wechselte Weber Toni Majetschak ein, beorderte Abwehrchef Zickert ins Sturmzentrum. "Das war Bauchgefühl, ein Geistesblitz, wir hatten die Variante schon probiert", sagte der SSV-Trainer. Und sein Kapitän bügelte den eigenen Aussetzer postwendend aus, stocherte die Kugel über die Linie - die sonst souveräne Leipziger Deckung war kurz in Tiefschlaf gefallen.
Loks Schlussoffensive brachte nichts mehr, Kapitän Markus Krug warf sein Trikot wütend auf den Rasen: "Wir haben die Qualität, rufen sie aber nicht durchgängig ab. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass die anderen patzen."
Wie Tabellenführer RB II, der vor 61 Zuschauern in Grimma 0:1 gegen Dynamo II 01 unterlag, aber trotz der zweiten Niederlage genug Vorsprung hat. Der im Dresdner Drittliga-Team aussortierte Marvin Stefaniak - auch Sylvano Comvalius musste in der Reserve ran - entschied die aus Sicherheitsgründen von der Elbe an die Mulde verlegte Partie per Freistoß (39.). "Da sah Torwart Thomas Dähne nicht gut aus", meinte Tino Vogel, "das war ein gebrauchter Tag, wir haben kaum Chancen rausgespielt." Der RB-Trainer beklagte zudem "grenzwertige Dynamo-Härte, der Schiri hat uns nicht geschützt". Die Folge: mehrere Verletzte. Kapitän Alex Sorge (Niereneinblutung) muss länger pausieren und fehlt am Sonntag gegen Markranstädt.
Auf Lok-Befürchtungen, RB werde dem SSV die Punkte überlassen (beide Vereine kooperieren) reagierte Vogel erbost: "Absoluter Schwachsinn. Wir müssen aufsteigen, verschenken nichts."

Von: Steffen Enigk