Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 15. Februar 2015
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Nur Marzullo trifft - Lok enttäuscht beim 1:2 in Chemnitz

Ernüchterung statt Euphorie: Der 1. FC Lok wollte gestern im Oberliga-Nachholspiel beim Chemnitzer FC II den Startschuss zur großen Aufholjagd geben, doch am Ende setzte es im Stadion an der Gellerstraße eine bittere 1:2 (0:1)-Niederlage. Der Schwung aus der Wintervorbereitung war wie weggeblasen, die Leipziger enttäuschten vor 1443 Zuschauern lange auf der ganzen Linie.
Der bereits zehnmal in der dritten Liga aufgebotene Markus Ziereis avancierte mit einem Doppelpack (32., 84.) zum Matchwinner für die ZFC-Reserve, Gianluca Marzullo hatte in der 59. Minute zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen.
Lok liegt als Tabellen-Siebenter nun weiter sieben Punkte hinter dem SSV Markranstädt auf dem zweiten Aufstiegsplatz. Regionalligareif waren gestern ohnehin nur die Probstheider Anhänger - 1047 Leipziger hatten die Reise nach Chemnitz angetreten und ihre Mannschaft leidenschaftlich angefeuert. "Mit unseren Fans ist das fast wie ein Heimspiel. Wahnsinn! Bin stolz! Danke", twitterte Mario Basler vor dem Anpfiff mitten aus dem Gäste-Block. Zwei Stunden später versuchte der neue Sport-Geschäftsführer, seine konsternierten Spieler wieder aufzurichten.
Trainer Heiko Scholz hatte mit Ronny Surma, Ondrej Brusch und Norikazu Murakami drei Neuzugänge aufs Feld geschickt, musste aber noch auf Hiromu Watahiki (fehlende Arbeitserlaubnis) verzichten. Lok begann nervös, hektisch, unkonzentriert, bekam in der Offensive nichts auf die Reihe und lief meist hinterher. "Das war in der ersten Halbzeit viel zu wenig, wir waren nicht aggressiv genug und zu weit weg von den Leuten", sagte Scholz, "Chemnitz hat uns schwindlig gespielt und streckenweise vorgeführt, allerdings mit acht Jungs, die im Profi-Team mittrainieren."
Zur Pause stellte der Coach um, brachte mit Djamal Ziane einen zweiten Stürmer. Lok steigerte sich, nahm den Kampf an, wurde gleichwertig, bot endlich vernünftigen Angriffsfußball, während der CFC sein hohes Tempo nicht halten konnte. Nach einem Ziane-Kopfball staubte Marzullo zum 1:1 ab. Mit dem Publikum im Rücken waren die Gäste jetzt am Drücker, rannten an, vergaben aber ihre Möglichkeiten.
In der Schlussphase entwickelte sich die rassige Partie zum Schlagabtausch mit offenem Visier und Großchancen auf beiden Seiten. Entschieden wurde sie durch einen Standard: Ziereis verwertete eine durch den gesamten Strafraum trudelnde Ecke. "Ein dummes Gegentor", ärgerte sich Scholz. "Schade, in der zweiten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft, haben ordentlich gespielt, uns aber leider nicht belohnt", sagte Basler nach seinem missglückten Einstand als Sportchef, versprach aber: "Wir werden uns nicht hängenlassen, es geht weiter, die Rückrunde ist noch lang."

Von: Steffen Enigk