Quelle: Sonstiges vom Freitag, 23. Oktober 2015
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OSTTHÜRINGER ZEITUNG: Wismut Gera gastiert beim Tabellenführer 1. FC Lok Leipzig

Fußball, NOFV-Oberliga: Krasser könnten die Gegensätze nicht sein, wenn am Sonntag der Aufsteiger aus Gera zum ersten Mal nach mehr als 37 Jahren im Leipziger Bruno-Plache-Stadion gastiert.

Gera. Während der 1. FC Lok Leipzig unter Trainer Heiko Scholz mit 20 Punkten nach acht Spieltagen die Spitzenposition in der NOFV-Oberliga Süd innehat, brennt bei der Grüttner-Elf die rote Laterne des Schlusslichts. Trotzdem wollen die Orange-Schwarzen in Probstheida beim Staffelfavoriten beweisen, dass sie besser sind, als es der derzeitige Tabellenplatz ausdrückt. Druck verspüren die Geraer keinen. Alles andere als eine deutliche Niederlage bei den Lok-Kickern wäre eine Überraschung. Zurecht kommen müssen die jungen Elsterstädter freilich mit der großen Zuschauerkulisse. Das letzte Heimspiel der Probstheidaer verfolgten gegen Markranstädt gut 2900 Besucher. Erfahrungen damit haben im Kader lediglich Michael Franz, Alexander Just, Nick Pohland und Phillip Roy, die in ihrer Laufbahn schon einmal im Bruno-Plache-Stadion aufliefen. Mittelfeldstratege Michael Franz traf dort sogar schon einmal ins Schwarze.

Ein Ausflug nach Probstheida ist für die Geraer auch ein Ausflug in die Geschichte. Im Mai 1978 gastierte die Wismut-Elf zum letzten Mal in einem Punktspiel beim 1. FC Lok Leipzig und zog als bereits feststehender Absteiger aus der DDR-Oberliga mit 0:4 den Kürzeren, nachdem man sich bereits im Hinspiel im Stadion der Freundschaft mit 1:5 hatte geschlagen geben müssen. Seitdem kreuzten beide Vereine nie wieder offiziell die Klingen. Im Mai 1999 traf der damalige 1. SV Gera nochmals in einem freundschaftlichen Vergleich auf den damals von Dragoslav Stepanovic betreuten VfB Leipzig. Die auf dem Weg zur Landesmeisterschaft befindlichen Geraer erreichten damals gegen den Regionalligisten ein beachtliches 0:0.
Von einem ähnlichen Ergebnis träumen die heutigen Wismut-Kicker. Zuletzt gegen den Tabellenzweiten Bischofswerdaer FV 08 fing man sich in letzter Minute das 0:1 an. Nicht das erste Mal, dass die Grüttner-Elf zu Hause Punkte in letzter Minute verschenkte. Das war schon beim 3:3 gegen Markranstädt und beim 1:2 gegen Einheit Rudolstadt der Fall. Langsam muss die Mannschaft ihre Schlüsse ziehen, die gesammelten Negativerfahrungen aufarbeiten. Sonst rücken die Nichtabstiegsplätze frühzeitig in unerreichbare Ferne.
Das weiß auch Trainer René Grüttner, der mit seinem Team relativ unbeschwert an die Aufgabe in Leipzig herangeht. „Für uns ist das eines der leichtesten Spiele der Saison. Lok ist haushoher Favorit. Aber wir wollen das Spiel möglichst lange offen halten und kämpferisch an die Leistung gegen Bischofswerda anknüpfen. Vielleicht kommen wir ja einmal vor das gegnerische Tor“, so der Trainer, der weiter auf Routinier Francis Wezel verzichten muss, der nächste Woche am Oberschenkel operiert wird. Nach seiner Roten Karte nach Spielschluss gegen Bischofswerda wegen Schiedsrichter-Beleidigung steht auch Kai Vitzthum nicht zur Verfügung. Nachdem René Grüttner am vorigen Sonntag selbst vom Referee auf die Tribüne geschickt wurde, weiß er noch gar nicht, ob er im Bruno-Plache-Stadion wieder auf der Bank Platz nehmen darf. Der NOFV hat einen Sonderbericht von den Geraern angefordert. Eine Strafe steht noch aus.
Positive Nachrichten kamen aus dem Landespokal. Dort empfängt die Wismut-Elf am 14. November im Viertelfinale den Liga-Rivalen FC Einheit Rudolstadt. „Die Chance ist da, die Runde der letzten Vier zu erreichen“, sagt Grüttner.

Von: Jens Lohse