Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Mittwoch, 17. Dezember 2014
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Schwache Hinrunde: Scholz zwischen Enttäuschung und Angriffslust

Leipzig. Wenn es nur öfter solche Spiele gegeben hätte: Am 19. Oktober kamen fast 5000 Zuschauer ins Plache-Stadion, sahen einen Oberliga-Fight auf höchstem Niveau, eine Lok-Mannschaft, die an ihre Grenzen ging und ein verdientes 1:1 gegen die RB-Reserve erstritt. Es war das Highlight einer enttäuschenden Hinrunde: nur Rang sechs, nur sechs Siege in 14 Partien, obwohl Lok zehnmal zu Hause antrat und im Schnitt von viermal so vielen Fans unterstützt wurde wie Eisenach auf Platz zwei der Besucher-Tabelle. Doch Tradition allein schießt keine Tore.
"Es war eine einzige Berg- und Talfahrt", sagt Trainer Heiko Scholz, "wir haben zu viel liegen gelassen und mindestens fünf, sechs Punkte zu wenig auf dem Konto. Aber der Aufstiegs-Zug ist noch längst nicht abgefahren." Seine Rechnung: Am 15. Februar den Nachholer in Chemnitz gewinnen und im Frühjahr voll auf Angriff setzen. "Wir können mithalten, sind nicht schlechter als Markranstädt oder Neugersdorf, aber wir müssen stabiler werden."
Dass nur noch fünf Heim-, aber elf Auswärtspartien anstehen, sieht Scholz nicht als Nachteil. "Es fahren stets hunderte Lok-Fans mit, das sind oft gefühlte Heimspiele." Sein größtes Problem: In der nach dem Regionalliga-Abstieg trotz gesunkenen Etats fast zusammengebliebenen Mannschaft ist keine Entwicklung zu sehen. Oft fehlen kreative Mittel, die Chancenwertung ist katastrophal, lediglich Gianluca Marzullo (sieben Tore) trifft zuverlässig.
"In der Oberliga müssen wir gegen tief stehende Abwehrreihen selbst das Spiel machen, sind immer Favorit und für die Konkurrenz der Saisonhöhepunkt", führt Scholz entschuldigend an, "einige meiner Jungs kommen mit dem Erwartungsdruck nicht klar."
Und für Neuverpflichtungen in der Winterpause fehle das Geld. "Wir können nur handeln, wenn uns Spieler verlassen." Scholz, 48, trägt den "bitteren Sparkurs" mit, hat Verständnis, dass der Verein finanziell konsolidieren muss. "Aber wir brauchen professionellere Bedingungen, wenn es dauerhaft nach oben gehen soll."
Was in Magdeburg, Jena oder Zwickau möglich sei, müsse für Probstheida der Maßstab sein. "80 Prozent meiner Spieler kommen abends nach Job oder Lehre fix und fertig zum Training, das ist schwierig." Lok müsse das Stadiongelände erwerben, die Nachwuchsarbeit wieder verbessern, generell das Umfeld stärken.
Scholz hat immer wieder versucht, mit seinem Namen Türen bei Sponsoren zu öffnen, das Resultat ist überschaubar. "Ich hatte mir die Aufgabe bei Lok leichter vorgestellt", sagt er, "aber ich bin ein Kämpfer und werde nicht aufgeben."

Von: Steffen Enigk