Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Sonntag, 25. Oktober 2015
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„Wir“ bleiben Erster …

Der 1. FC Lok hat seinen 3.127 Zuschauern am Sonntagnachmittag Unterhaltung aus der obersten Schublade geboten. Der Tabellenführer der Oberliga Süd drehte gegen Schlusslicht BSG Wismut Gera einen Rückstand und gewann mit 5:3 (2:2). Torschütze vom Dienst Djamal Ziane traf erneut und markierte das 950. Tor der neueren Lok-Geschichte. Prägender Charakter des Spiels war aber Andy Wendschuch. Das kleine Mittelfeld-Laufwunder erzielte zwei Tore und bereitete zwei vor.

Dass beim Duell des Tabellenführers gegen den Tabellenletzten nicht alles koscher war, sah ein jeder schon an den Laufbewegungen von Lok-Trainer Heiko Scholz in den ersten Minuten. Scholz stand, lief, stand, lief und schrie. Aber das zeitige Gegentor konnte er nicht verhindern.

Schon mit den ersten Aktionen offenbarten Linksverteidiger Heßler und Torwart Schulz Unsicherheiten und mit der dritten Ecke nach sieben Minuten (!) traf Schlusslicht Gera zur Führung durch Lippold. Es war der Auftakt für ein denkwürdiges Spiel mit acht Toren, einem Platzverweis, einer „Wembley-Entscheidung“, einem Doppeltorschützen und einem Tor-Wunder.

„Wir haben Lok mehrmals zum Nachdenken gebracht“, freute sich Geras Coach René Grüttner nach dem Spiel trotz der Niederlage. Dass sein Team am Ende beim Spitzenreiter drei Tore gemacht, aber fünf kassiert hatte, störte ihn nur wenig. „Meine junge Mannschaft hat sich teuer verkauft, aber natürlich war Lok eine Nummer zu groß.“ In der Anfangsphase sah das aber nicht so aus.

Mit viel Glück hätte der bisher sieglose Gast sogar 2:0 führen können. Ein Geraer Freistoß sprang von der Lattenunterkante auf die Linie, im Gegenzug traf Ziane zum Ausgleich. Der Deutsch-Algerier machte das 950. Tor in der Geschichte des neuen FCL und sein neuntes am neunten Spieltag. Vorbereitet hatte es Andy Wendschuch, der zumindest für einen Spieltag Djamal Ziane die Schau stahl. Wendschuch traf nicht nur 15 Minuten später zum 2:1, er bereitete auch das zwischenzeitliche 3:2 durch Krug per Freistoß vor und machte nur neun Minuten später das 5:2.

Zwischendurch nagelte noch Philipp Serrek den ersten direkten Freistoß seit Frank Wimberger (spielte bis 2006 bei Lok) in den Knick. Alles in Butter? Iwo. Der von 100 Fans unterstützte traditionsreiche Gast traf noch zum 5:3. Kurz vor der Pause schnupperten die Thüringer sogar wieder an der Sensation. Kolnisko hatte zum 2:2 Ausgleich in Unterzahl getroffen.

Nach einer guten halben Stunde war schon Martin Simic unter die Dusche verabschiedet worden, nachdem er den durchgestarteten Ziane abgeräumt hatte. Die Unterzahl merkte man den Thüringern allerdings nie an. „Das war hier kein Tabellenletzter“, erklärte Heiko Scholz den Spielverlauf. „Die Jungs sind gerannt wie die Hasen, waren topfit.“

Gera erzielte aber auch vermeidbare Gegentore. Dreimal war im Strafraum einer zu frei, Loks Prunkstück, die Defensive war diesmal zu oft unaufgeräumt. Surma und auch Zickert waren nicht so fokussiert wie zuletzt. „Diese drei Gegentore ärgern mich auch“, gestand Scholz, der einen „Schuss vor den Bug zur rechten Zeit“ witterte. „Es bleibt alles harte Arbeit – auch als Tabellenführer“, so Scholz.

Kommende Woche kann Lok sogar Verfolger Rudolstadt mit acht Punkten distanzieren. Lok gastiert am Sonntag im Thüringer Wald. Scholz vorausblickend: „Die haben zwei, drei Ex-Profis dabei, das wird auf jeden Fall spannend.“ Die Defensive sollte jedenfalls besser stehen, obgleich die Außenverteidiger Heßler und Krug letztlich durch ihren Offensivgeist das Spiel sichtlich belebten, Lok flott über den unverwüstlichen Serrek oder die agilen Wendschuch und Schinke flott nach vorn spielte. Hofmann hätte gar das sechste oder siebente Tor machen können.

Torschütze Krug hatte ihm das voraus. Das 3:2 des Kapitäns war erst sein zweiter Treffer für Lok. „Wurde Zeit, dass ich mal wieder treffe“, freute sich der 27-Jährige. Das Debüttor gelang ihm einst bei einem 4:3 in Dresden-Nord. Auch so ein Spektakel. „Wenn wir ein Tor mehr als der Gegner schießen, reicht mir das aber auch“, gab sich Scholz letztlich doch genügsam.

Von: Marko Hofmannn