Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Sonntag, 16. August 2015
Nur diese Kategorie anzeigen:Leipziger Internetzeitung

Zehn Mann, ein Tor, drei Punkte

Dramatischer Saisonauftakt für den 1. FC Lok Leipzig. Die Probstheidaer mussten nach frühem Platzverweis für Trojandt lange Zeit in Unterzahl spielen und gewannen trotzdem. Neuzugang Faton Ademi traf gegen Rot-Weiß Erfurt II mit flotter Grätsche zum 1:0 (1:0)-Sieg. Vor 944 Zuschauern hatte Lok Glück und Pech zugleich. Erfurt traf dreimal den Pfosten, Lok scheiterte mit drei großen Möglichkeiten. Die Dauerkarteninhaber und ein paar mehr feierten die Blau-Gelben schließlich für einen starken Saisonstart.

Wer weiß, wie sich der Saisonauftakt des 1.FC Lok entwickelt hätte, wenn Schiedsrichter Steffen Hösel aus Magdeburg Marcel Trojandt nicht schon nach 12 Minuten des Feldes verwiesen hätte. Trojandt hatte am Trikot von Patrick Twardzik gezogen. Obgleich letzter Mann, hatte Trojandt damit allerdings keine offensichtliche Torchance verhindert, was laut FIFA-Regel 12 zwingend einen Platzverweis nach sich hätte ziehen müssen.

Torhüter Julien Latendresse-Levesque hatte den Pass in die Tiefe, den Twardzik erlaufen wollte, Nanosekunden nach dem Zupfen aufgenommen. Twardzik wäre wohl auch ohne Zupfer nicht an den Ball gekommen. Hösel schickte Trojandt trotzdem runter, Neuzugang Philipp Serrek fand sich eine Position weiter hinten wieder. Loks kanadischer Torhüter musste im Verlauf des Spiels einen sogenannten Unhaltbaren halten und Lok brauchte ein wenig Glück, um das Spiel mit 78-minütiger Unterzahl tatsächlich gewinnen zu können.

Mit dem Pfosten im Bunde

Und dabei schien es so, als ob das Glück, was Lok beim unrühmlichen Saison-Hallali in Erfurt vor zwei Monaten nicht hatte, an diesem Tag zusammenkam. Die Gäste trafen in der zweiten Halbzeit insgesamt drei Mal den rechten Torpfosten. „Meine Mannschaft hat viel gearbeitet, wir hatten wirklich nicht das Glück, auch zu treffen“, resümierte Erfurts Trainer Carsten Hänsel.

Hänsel? Ja, es schien auch so, als ob sich die Pechsträhne des glücklosen Scholz-Vorgängers fortzusetzen schien. In Probstheida konnte er als Lok-Trainer keines seiner vier Heimspiele gewinnen. Sein Nachfolger Scholz ist seit seinem Amtsantritt auch nicht gerade mit Spielglück überschüttet worden, diesmal war es auch auf seiner Seite – wenn man das Spiel wohlwollend für die Gäste sieht, denn Lok hatte auch Chancen, das Spiel in Unterzahl zu entscheiden.

Aufsichtsratschef Winkler als Glücksbringer

Allein der umtriebige Daniel Becker hatte mehrmals kein Schussglück (da war es wieder), verpasste das Gehäuse zweimal knapp. Auch der 16-Meter-Schuss des eingewechselten Böhne strich nur knapp am Tor vorbei. Es waren Hoffnungsmomente für eine immer mehr im roten Bereich ankommende Probstheidaer Mannschaft,  die Führung ausbauen zu können. Der Vorsprung blieb allerdings knapp, Engagement bis zum Schlusspfiff nach 93 Minuten war angesagt.

„Der kämpferische Einsatz war heute phänomenal“, lobte Aufsichtratschef Olaf Winkler, der nach einer Knie-OP erstmals auf der Trainerbank saß, um nicht die Treppen zur Tribüne mit Krücken bewältigen zu müssen. Gut möglich, dass Winkler als Glücksbringer nun häufig unten Platz nehmen muss. Obwohl man dort unten laut Winklers Aussage „deutlich schlechter sieht“, ist dem Gastronom  die spielerische Verbesserung des FCL nicht entgangen. „Das war eindeutig besser als in der letzten Saison“, lobte Winkler zu Recht.

Ademi erzielt den Siegtreffer

Wendschuch, Becker, Schinke und Watahiki harmonierten im Lok-Zentrum  ganz ordentlich. Während Schinke viel mit Auge machte, gingen Becker und Watahiki die weiten Wege. Und Andy Wendschuch leitete nach 40 Minuten das 1:0 ein, als er einen Pass aus dem Mittelfeld mit der Hacke auf Steven Hessler weiterleitete. Der Außenverteidiger beschleunigte mit Ball, und Stürmer Faton Ademi veredelte seine scharfe halbhohe Eingabe per Grätsche. Überhaupt Heßler: Der neue Linksverteidiger verlor so gut wie keinen Zweikampf und versuchte immer wieder Tempo aufzunehmen.

Torschütze Ademi hingegen war als Wandspieler gefragt, hat aber noch Anpassungsprobleme an das raue Oberliga-Klima. Heiko Scholz lobte sein Team für die couragierte Vorstellung und sprach auch den Zuschauern ein Lob aus. In der Tat: Das „halbe Geisterspiel“ tat der Stimmung keinen Abbruch, aber wer weiß, wie alles gekommen wäre, wenn Hösel Trojandt nicht vom Platz gestellt hätte…

Von: Marko Hofmann