Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Donnerstag, 17. September 2015
Nur diese Kategorie anzeigen:Leipziger Internetzeitung

Das Stadion in der Hand ist besser als der Kuckuck auf dem Dach

Historischer Moment in der Lok-Lounge des Bruno-Plache-Stadions: Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag gab der Verein bekannt, wieder im Besitz des Erbbaurechtes an seinem eigenen Stadion zu sein. Am Vorabend hatte der Leipziger Stadtrat zugestimmt, dass der Insolvenzverwalter des VfB Leipzig, Friedbert Striewe, dieses Recht an die Probstheidaer verkaufen darf. "Ich bekenne, in diesem Moment schon etwas Gänsehaut zu haben", war Lok-Präsident Jens Kesseler überglücklich.

„Es ist ein toller, historischer Tag und ein absolutes Highlight für mich“, eröffnete Kesseler die gut besuchte Pressekonferenz, „denn ein Stadion ist in seiner identitätsstiftenden Wirkung nicht zu unterschätzen. Es ist für die Fans und Mitglieder des Vereins der Dreh- und Angelpunkt“. Am Donnerstag-Morgen um 8:30 Uhr hatte Sportamts-Leiterin Kerstin Kirmes telefonisch offiziell über das „Okay“ des Stadtrates informiert, der am Vorabend in nichtöffentlicher Sitzung getagt hatte.

Darüber, wie hoch der Preis für das Erbbaurecht ist, hängt der Mantel des Schweigens. Der hing auch schon eine Weile dort, denn der Kaufpreis wurde bereits Ende Juni beim Notar hinterlegt. Kein Geheimnis wird allerdings daraus gemacht, dass es Lok-Sponsor ETL ist, der die nötigen Scheine locker machte. Seit Juli sind die Probstheidaer deshalb von der Pacht befreit, die bis dahin immerhin 4.800 Euro pro Monat verschlang.

Der Erbbaurechtsvertrag wurde von der Stadt Leipzig zudem mit einer frischen 50-jährigen Laufzeit – also bis zum Jahr 2065 – ausgestattet. „Die Stadt Leipzig hat akzeptiert, dass Lok die gleichen Chancen haben soll wie der VfB“, erklärte Striewe dieses Entgegenkommen. Mit dem VfB war 1995 ebenfalls ein auf 50 Jahre ausgelegter Vertrag geschlossen worden, 2004 musste der Verein allerdings Insolvenz anmelden und wurde schließlich aufgelöst. Die seitdem verstrichenen Jahre wollte die Stadt der Lokomotive nicht als Ballast aufbürden.

„Damit findet ein langer Weg der Konsolidierung, Entwicklung und Neuausrichtung des Vereins einen erfolgreichen Abschluss und belegt die kontinuierliche sowie zielstrebige Arbeit des Vereins und seiner Verantwortlichen. Die ‚Blau-Gelben‘ verfügen somit wieder über eine – richtige – eigene Heimspielstätte und können sich nunmehr auch konkret der Fortentwicklung des traditionsreichen Vereinsgeländes widmen“, war auch Sportbürgermeister Heiko Rosenthal über das Ende der mehr als zehn Jahre dauernden Verhandlungen erfreut.

Schritt für Schritt wird Lok nun Stadion und Gelände weiter auf Vordermann bringen. Drei Fördermittelanträge liegen bereits in der Schublade und werden Ende des Monats auf den Weg gebracht. Ziele sind unter anderem, die Zuschauerkapazität auf 13.000 zu erhöhen, den Komfort im Stadion zu verbessern, einen Kunstrasenplatz anzulegen und die Trainingshalle zu sanieren. Zudem soll ein unterirdischer Wasserkessel die Wasserversorgung für Beregnungsanlage und Brandschutz sichern helfen.

Genau genommen beginnt für Lok die Arbeit jetzt erstmal richtig. Stolz können die Blau-Gelben auf das bisher Erreichte aber allemal sein. „Wir haben heute wirklich allen Grund zum Feiern.“, findet auch Lok-Präsident Kesseler.

Von: Jan Kaefer