Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Sonntag, 17. April 2016
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Dem Aufstieg so nah

Wenn selbst der sich ansonsten eher nach innen freuende Lok-Trainer Heiko Scholz mit zwei geballten Siegerfäusten mehrfach ausgelassen in die Luft springt, muss es sich um einen ganz besonders wichtigen Erfolg seines Teams handeln. In der Tat haben die Leipziger mit dem hart erkämpften 2:1 gegen Lokalrivalen Inter einen riesigen Schritt in Richtung Regionalliga gemacht. Matchwinner des Tages war Djamal Ziane, der gleich zweimal für Lok traf.

„Wir wussten, dass das Spiel sehr wichtig ist, aber der Trainer hat uns gut darauf eingestimmt. Er hat gesagt: ‚Jungs, kühler Kopf, es ist ein ganz normales Spiel! Es ist Erster gegen Zweiter, und es ist wichtig. Wenn wir unsere Leistung abrufen, ziehen wir das!'“, blickte Ziane nach erfolgreicher Mission zurück.

Der Oberliga-Zweite Inter Leipzig hatte im Vorfeld angekündigt, sich beim Spitzenreiter nicht verstecken zu wollen und munter mitzuspielen. Dieses Versprechen löste die von rund 30 Fans begleitete Mannschaft auch ein. Da aber auch Lok die Offensive im Sinn hatte, traf man sich zunächst hauptsächlich im Mittelfeld. Nennenswerte Chancen ließen lange auf sich warten.

In einer emotional und teils auch giftig geführten Partie war daher der erste wirkliche Aufreger eine Rudelbildung in der Inter-Hälfte. Ex-Loki Franz Bochmann war in der 27. Minute mit Griff zur Nase zu Boden gesunken, und schnell bildete sich eine erregte Traube. Die Konsequenz: Gelb für Lok-Kicker Paul Schinke.

Das erste sportliche Raunen der immerhin 4.188 Zuschauer hallte in der 33. Minute durchs Rund des Bruno-Plache-Stadions. Daniel Becker hatte aus der Distanz einfach mal draufgehalten, doch sein Schuss strich knapp am Inter-Tor vorbei. Nur vier Minuten später folgte ein 110-Prozenter der Lokomotive: Ziane bekam – völlig frei stehend – sechs Meter vor dem Kasten eine Maßflanke serviert, sah den Ball aber zu spät und erwischte die Kugel alles andere als optimal.

Fassungslos blieb Ziane danach lange auf dem Rasen liegen. „Ich musse mich erstmal fünf Sekunden sammeln, denn das war eine Chance, die man eigentlich rein machen muss, gegen so einen Gegner bekommt man nicht viele Chancen“, erklärte er hinterher.

Kurz vor der Halbzeit machte es der 24-Jährige besser. Kollege Schinke ließ ein auf ihn gerichtetes Anspiel durch die Beine („Ich habe ein bisschen darauf spekuliert, dass Paule den Ball durchlässt.“), wodurch der Ball zu Ziane kam, der plötzlich mutterseelenalleine auf Inter-Keeper Calvo Martin zulief, die Ruhe bewahrte und zum 1:0-Führungstreffer einschob.

Die Gäste verbuchten in der ersten Hälfte nur eine einzige Möglichkeit. In der Nachspielzeit musste sich Lok-Keeper Latendresse-Levesque bei einem Freistoßknaller von Bocar Djumo lang machen, konnte aber klären. Mit dem Pausenpfiff kochten die Emotionen zwischen beiden Teams noch einmal hoch. Rangelnd verschwanden sie im Spielertunnel. „Das sind Emotionen, da gerät man schon mal aneinander – aber alles okay“, kommentierte Ziane.

Für Gastgeber Lok Leipzig hätte die zweite Halbzeit nicht besser beginnen können: In der 52. Minute rannte eben jener Ziane seinem Bewacher Stanko Cvitkovic auf und davon und bewahrte gegen den schlecht postierten Keeper Calvo Martin den vom Coach geforderten kühlen Kopf – 2:0 für Lok und der 14. Saisontreffer für Ziane.

Inter allerdings wollte sich noch nicht geschlagen geben, blieb seiner offensiven Linie treu. Eine Viertelstunde später wurden sie dafür auch belohnt: Marcel Trojandt und Robert Zickert strauchelten in der Lok-Abwehr, Djumo nutzte diesen Aussetzer zum 2:1-Anschlusstreffer ins lange Eck (67.).

Die Gäste agierten nun präsenter, brachten die Lok-Defensive des öfteren ins Schwitzen. Allerdings: Die blau-gelbe Abwehr hielt fortan dicht, und Lok holte drei wichtige Zähler für den Traum von der Regionalliga. „Respekt an Inter, die haben es bis zur letzten Minute probiert und relativ gut mitgespielt. Es war ein schönes Fußballspiel für die Zuschauer – und es war eine überragende Kulisse“, so das Fazit vom Doppeltorschützen Ziane.

Lok führt nun mit fünf Punkten Vorsprung die Oberliga-Tabelle an und hat zudem noch zwei Nachholspiele im Köcher. Am Mittwoch (20. April um 19 Uhr) könnte beim Nachholer in Sandersdorf (18. Spieltag) zusätzlich Luft auf Inter erballert werden.

Von: Jan Kaefer