Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Samstag, 19. September 2015
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Lok erobert die Tabellenführung im Sturm

Der aktuelle Spitzenreiter der Oberliga Nordost-Süd kommt aus Leipzig. Mit einem 4:0 (1:0)-Heimsieg gegen den VfL Halle ist der 1. FC Lok vor 2.239 Zuschauern in die Komfortzone seiner Liga gestürmt. Erstmals seit dem 29. August 2008 könnte Lok länger als eine Nacht Tabellenführer sein. Gegen den Angstgegner aus der Saalestadt brillierte die Lok-Mannschaft in der zweiten Halbzeit und hatte mit Andy Wendschuch und Ramon Hofmann die Spieler des Spiels in ihren Reihen. Der Heimsieg war der erste Sieg im Plache-Stadion seit dem am Donnerstag verkündeten Rückkauf der Spielstätte, der höchste Erfolg in Probstheida seit April 2013 und der erste Heimsieg gegen den VfL Halle seit Dezember 2000!

Wann er das letzte Mal zwei Tore in einem Spiel erzielt hat, daran konnte sich Andy Wendschuch nach Spielende nicht erinnern. „Das muss in irgendeinem Freundschaftsspiel gewesen sein“, so der Mittelfeldmotor mit der hohen Stirn. Mit einem sehenswerten Drehschuss nach 40 Minuten hatte Wendschuch seine Mannschaft vom Druck befreit. Lok hatte trotz guten Zugs zum Tor bis dahin nur ein paar halbgare Möglichkeiten herausgespielt, ehe Wendschuch eine starke Kombination ausgehend von Zickert abschloss. Zickert hatte das Spiel mit Risiko aus der Innenverteidigung eröffnet und gleich vier der ausnahmslos defensiv eingestellten Hallenser mit einem einzigen Pass überspielt. Lok wusste etwas mit dem Platz anzufangen, „Icke“ Heßler bediente Wendschuch, der Rest ist bekannt.

Halles Trainer Lars Holtmann war nach dem Spiel bedient. „Da gehen wir einmal vorn drauf und bekommen den Ball nicht und schon trifft Lok. Danach haben wir die Linie verloren.“ Zumindest die defensive Linie, offensiv wusste Halle in den vorangegangenen Auftritten im Plache-Stadion besser zu gefallen. Aber das vermeintliche Offensivpotenzial kam nicht mal nach dem zweiten Lok-Tor Anfang der zweiten Hälfte zum Vorschein. Nachdem Ramón Hofmann nach eigener Balleroberung einen Steilpass von Schinke an Halles Torhüter Kühn vorbeischob, überließ der Gastgeber den weißgekleideten Gästen das Spielgerät. Am Spielende sollte Halle trotzdem keine einzige hundertprozentige Torchance vorweisen können. „Wir haben nach vorn wirklich gar nichts auf die Reihe bekommen“, gestand schließlich auch Trainer Holtmann, der in der Schlussphase noch zwei weitere Tore des FCL ansehen musste. Erst überlupfte Wendschuch Kühn, dann traf Ademi nach feinem Pass von Hofmann.

„Rambo“ war trotz ordentlicher Leistung gegen Zwickau erst zur Halbzeit eingewechselt worden. Scholz hatte sogar wie zum Zwickau-Spiel gleich fünfmal getauscht. „Jeder der Jungs will spielen, aber ich musste mir auch ein paar Spieler für heute frisch halten. Deswegen war Wendschuch am Mittwoch draußen und heute eben auch Fritzsch und Hofmann“, begründete Scholz seine Maßnahmen, die Wirkung zeigten. Der Heimsieg gegen Halle war der zweite Erfolg binnen sechs Tagen und den Regionalliga-Spitzenreiter hatten die Blaugelben am Mittwochabend obendrein im Landespokal auch am Rande einer Niederlage. „Das ist diese Saison unsere Qualität. Wir können neue Leute bringen, ohne dass wir einen großen Unterschied merken“, pries Wendschuch sein Team und auch Scholz weiß, wodurch der Erfolg in dieser Woche zustande kam, „Eigentlich habe ich ja 14 oder 15 Stammspieler, weil die Mannschaft in dieser Saison qualitativ enger zusammengerückt ist.“

Und so ist der 1. FC Lok trotz der unnötigen Remis in Plauen und gegen Sandersdorf erstmals seit dem 29. August 2008 wieder Tabellenführer für mehr als eine Nacht – falls Bischofswerda nicht Cottbus II mit mehr als drei Toren schlägt. Im Spätsommer 2008 gewann Lok in seiner Premieren-Saison drei Spiele in Folge, wurde am Ende Überraschungs-Dritter. Das würde dieses Jahr nicht reichen. „Aber um zu träumen, dafür ist die Saison noch zu jung. Es wird noch ein weiter Weg“, orakelte Scholz. Und den weitesten Weg wird Lok kommendes Wochenende antreten. Dann gastiert der neue Spitzenreiter bei der U23 von Energie Cottbus.

Von: Marko Hofmann