Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Samstag, 28. Februar 2015
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Pflicht erfüllt – mehr nicht

Der 1. FC Lok hat die ersten drei Punkte des Jahres eingefahren. Vor 2.865 Zuschauer besiegten die Scholz-Schützlinge den Tabellenvorletzten Dynamo Dresden II mit 3:1 (2:1). In einem schmucklosen Spiel lebte Lok vor allem von seiner Effektivität. Ondrej Brusch traf doppelt, bereitete ein Tor vor und avancierte damit zum stärksten Neuzugang.

War das nun ein gutes oder ein eher schlechtes Spiel des 1. FC Lok? Diese Frage wurde nach dem 3:1-Sieg des 1. FC Lok ausgiebig und kontrovers unter den Zuschauern diskutiert. In der Partie des Siebten gegen den Tabellenvorletzten hatte Lok auf jeden Fall die größeren Spielanteile. Allerdings spiegelten sich diese nicht in einer guten Offensivleistung und absoluter Spielkontrolle wider. Lok lebte an diesem sonnigen Sonnabendnachmittag vor allem von gnadenloser Effektivität. Während die Gäste nur eine von drei Chancen zum zwischenzeitlichen 1:2 nutzten, rungste Lok drei von vier Torschüsse im ganzen Spiel ins Tor.

„Unsere Mannschaft war schon in der zweiten Halbzeit in Chemnitz gut, daran wollten wir heute anknüpfen. Leider klappte spielerisch noch nicht alles“, gab auch Scholz zu. Die Zweikämpfe bestritt Scholzens Team ordentlich, allen voran die Neuzugänge Surma und Watahiki. Aber in der Laufbereitschaft nach Balleroberung war Lok schon stärker und vor allem in der Ballkontrolle. Ramon Hofmann, sonst der Mann mit der feinsten Klinge, erwischte einen schwachen Tag („Das passiert mal“ – Scholz). Aber auch anderen sprang das Spielgerät hin und wieder unnötig vom Fuß, auch andere spielten unbedrängte Fehlpässe, droschen fliegende Bälle direkt wieder zum Gegner anstatt sie zu kontrollieren oder suchten noch aus bester Schussposition lieber den Mitspieler, den sie mit einem schwachen Pass füttern wollten.

Folglich entwickelte sich auf dem Probstheidaer Rasen kein Spiel, von dem man in Zukunft euphorisch sprechen wird. Wahrscheinlich wird man lediglich Toni Hagemanns Anschlusstreffer noch ein paar Wochen in Erinnerung behalten. Der Gäste-Torjäger traf per Fallrückzieher passgenau ins Eck, hatte aber auch ungewohnte Freiräume, wie sein Flankengeber.

Die drei Lok-Tore, die allesamt zu einem günstigen Zeitpunkt fielen, waren weniger spektakulär in der Vollendung, dafür beachtenswert in der Vorbereitung. Marzullos Linksschuss zum 1:0 aus 16 Metern folgte einer Direktkombination über Ziane und Brusch. Der Tscheche traf seinerseits nach schöner Balleroberung, Ballbehauptung und feinem Pass von Neuzugang Murakami. Zweimal spielte Lok nach Ballgewinn im Mittelfeld schnell, zweimal schepperte es im Dynamo-Gehäuse.

Mit dem Anschlusstreffer der Dynamos nach einer guten halben Stunde kippte das Spiel kurzzeitig, die Gastgeber verloren vor 2.865 Zuschauern den Spielfaden vollkommen, trafen aber direkt nach der Pause zur Vorentscheidung. Zielinskys Flanke drosch Brusch aus wenigen Metern ins Tor. Doch losgelöste Kombinationen wollten sich nicht einstellen, die Lok-Spieler ließen zwar wenig zu, trauten sich selbst aber auch nicht über den Weg. Wie sonst ist es zu erklären, dass Torhüter Latendresse-Levesque, bereits nach 55 Minuten wegen Zeitspiels ermahnt, nach 74 Minuten deswegen die gelbe Karte sah und bei einem Zwei-Tore-Vorsprung fünf Minuten vor Schluss die äußersten Ecken seines Strafraums aufsuchte, um dort den Ball schließlich aufzunehmen?

Von: Marko Hofmann