Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Samstag, 03. Oktober 2015
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So schnell kann es gehen…

Vierter Sieg in Folge für den 1. FC Lok: Auch gegen den Nachbarn SSV Markranstädt siegten die Probstheidaer mit 4:0 (0:0) und erklommen zumindest wieder für eine Nacht die Tabellenspitze der Oberliga Nordost-Süd. In einem temporeichen Spiel setzten sich Djamal Ziane – zwei Tore – und Paul Schinke – eine Vorlage, ein Tor – besonders in Szene. Lok hatte allerdings in der ersten Hälfte Glück, dass Gäste-Akteur Arno Dwars gleich drei dicke Chancen liegen ließ und Andy Wendschuch nach 55 Minuten nicht vom Platz flog. Dass bereits 17 Uhr angepfiffen wurde, störte 2.905 Fans wenig.

Ende August herrschte noch Ernüchterung beim 1. FC Lok. Das Heimspiel gegen Union Sandersdorf hätten die Leipziger eigentlich verlieren müssen, ergurkte letztlich ein 0:0. Es war bereits das zweite Remis im dritten Spiel. Nur fünf Wochen später sind die Aussichten rosig: Lok holte aus den Folgepartien 12 von 12 Punkten, traf 14 mal. Djamal Ziane, letzte Saison noch als Fehleinkauf von einigen Fans geschmäht, bestritt von den letzten vier Spielen nur drei und traf dabei sechs Mal. So eine bombastische Quote hatte nur der Probstheidaer „Fußballgott“ René Heusel in seinen besten Tagen. Der Einzige in elf Jahren Lok. So schnell kann es gehen…

Ziane eröffnete den Torreigen gegen Markranstädt, umkurvte nach 51 Minuten im Anschluss an einen Zuckerpass von Paul Schinke Gästetorhüter Marc Hübener, und er beendete das Feierfestival, drückte das Leder nach Querpass des eingewechselten Dräger aus fünf Metern über die Linie. Nur einen herzten die 2.905 Fans nach Spielende genauso innig wie Ziane: Rückkehrer Paul Schinke war an Zianes erstem Tor beteiligt und überlobte wenig später Hübener aus 42 Metern. „So ein Tor machen nicht viele Oberliga-Spieler“, jubelte Heiko Scholz. „Erstmal muss man es sehen und dann muss man auch das Können haben, den Ball über den Torhüter ins Tor zu bekommen.“

Schinke kam vor der Saison von RB, ist auf dem besten Weg Publikumsliebling zu werden. „Die Fans freuen sich riesig, dass es bei uns so gut läuft“, wusste Schinke von der Ehrenrunde zu berichten. „Mario Basler hat mir schon mehrmals gesagt, ich soll es mal probieren, weil die Torhüter immer so weit vor dem Tor stehen“, erklärte ein mittlerweile fitter Paul Schinke. „Wahnsinn, wie viel ich laufen kann“, zwinkerte der 24-Jährige schelmisch, der aber auch einräumt, dass es schon seine Gründe hat, dass er nur Oberliga spielt. „Mit Lok will ich aber noch eine oder vielleicht zwei Ligen nach oben klettern. Aber dafür müssen wir hart arbeiten.“ Und vor allem immer mal so ein Glück haben, wie an diesem lauen Herbstabend im Plache-Stadion.

Markranstädts Arno Dwars hatte in der 1. Halbzeit drei große Möglichkeiten zur Führung. Erst parierte der erneut souveräne Latendresse-Ersatz Christopher Schulz gegen den freistehenden Dwars, dann knallte Dwars den Ball an die Latte und schließlich bewies Schulz nach einem weiten Ball auf Dwars das richtige Timing und kam Sekunden eher an den Ball, als der zwischen Surma und Krug entlaufene Dwars.

Die weißgekleideten Randleipziger hätten eigentlich führen müssen. „Wir spielen eine perfekte Halbzeit“, befand auch Gäste-Trainer Holger Krauß. Der Ex-Lok-Kapitän lobte seinen 18-Jährigen John Winkler – „Der Junge kann noch A-Jugend spielen“ – kritisierte die schlechte Chancenauswertung und dass seine Truppe am Ende auseinanderfiel. „Vier, fünf Jungs hatten die Köpfe unten. Das darf nicht passieren.“ Binnen 20 Minuten hatte Lok das Spiel vorentschieden. So schnell kann es gehen…

Die Ex-Lok-Spieler Hildebrandt, Seifert und Rolleder hatten einst insgesamt mehr als 220 Spiele für den FCL gemacht und waren auch Fixpunkte im Gäste-Spiel. Rolleder traf in der Schlussphase den Pfosten. Auf der Gegenseite machte es Wendschuch wenig später besser. Der blau-gelbe Daniel Düsentrieb nutzte die Innenseite, um nach umsichtiger Ablage von Ziane aus zehn Metern zu vollenden.

Dabei hatte auch Wendschuch Glück, dass er noch mitspielen durfte. In der hitzigen Phase nach dem 1:0 schlug er seinem Gegenspieler ins Gemächt. Holger Krauß hatte es nicht gesehen, und weder Schiedsrichter noch Linienrichter wollten das Vergehen wahrgenommen haben. „Wende“ selbst sprach von einer Aktion, die „beim Aufstehen ganz normal passiert.“

Ganz normal ist es jedenfalls nicht, was bei Lok derzeit los ist. Heiko Scholz freut sich schon auf das nächste Highlight. Am kommenden Donnerstag kommt Eintracht Braunschweig, 18 Uhr, zum Benefizspiel ins Plache-Stadion. „Das wird ein Riesending. Da freuen wir uns jetzt drauf.“

Von: Marko Hofmann