Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Samstag, 12. März 2016
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Viel Offensive, aber keine Tore

Nach zwölf Siegen in Folge hat der 1. FC Lok erstmals wieder Punkte abgegeben. Im Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena II kamen die Leipziger am Freitag trotz 77-minütiger Überzahl nicht über ein 0:0 hinaus. Vor 2.992 Zuschauern traf Lok viermal die Latte, zwei Schüsse holten die Gäste von der Linie. Noch in der Nachspielzeit hätte Andy Wendschuch für den Tabellenführer treffen können.

Wenn der kleine Mittelfeldmotor Wendschuch eine seiner zwei Chancen in der 91. und 94. Minute genutzt hätte, wäre in Probstheida auch das dreizehnte Spiel in Folge eitel Sonnenschein gewesen. So war es nur leicht bewölkt. „Ich kann mit dem Punkt leben“, versicherte Lok-Trainer Heiko Scholz nach dem Heimspiel gegen die Zeiss-Städter. „Es ist trotz allem Oberliga und da führt man nicht nach 15 Minuten 5:0.“

Scholz hätte sich natürlich trotzdem über einen Treffer in den Schlussminuten gefreut. Aber erst brachte Wendschuch frei keinen Druck beim Kopfball hinter den Ball, und zwei Minuten später konnte er eine Eingabe von links im Fünf-Meter-Raum nicht verarbeiten – ebenfalls freistehend. „Lok hat ab der 75. Minute enormen Druck aufgebaut, es gab Chancen im Minutentakt. Hut ab vor meiner Mannschaft“, so Jenas Trainer Georg-Michael Leopold.

Auch der neutrale Zuschauer kam nicht umhin, den Gästen für ihre Leistung zu gratulieren. Mit Nachspielzeit spielten die weißgekleideten Jenaer insgesamt 77 Minuten in Unterzahl. Bis zur ominösen 17. Minute war es ein Spiel mit offenem Visier. Jena machte munter mit, das Mittelfeld überbrückten beide Teams schnell, aber Chancen erspielte sich bis dahin kein Team.

Erst die Schlussphase brachte dicke Chancen

Auch nachdem Djamal Ziane nach einem Stellungsfehler von Martin Rennert 20 Meter vor dem Tor gehalten und Rennert frühzeitig den Warmwasser-Boiler anstellen durfte, kamen keine Lok-Chancen zustande. Im Gegenteil: Die Gäste konterten ein-, zweimal gefährlich und blieben ihrer spielfreudigen Ausrichtung treu. Lok hatte sogar bis zur 60. Minute keinen nennenswerten Torabschluss zu verzeichnen.

Auch die Einwechslung von Ramón Hofmann für Kevin Zimmermann zur Halbzeit brachte nicht die nennenswerte offensive Durchschlagskraft. Erst als die Uhr immer weiter tickte, wackelten die Gäste, landeten Abwehrkopfbälle an der eigenen Latte, traf Lok das Gebälk mehrmals, wurden ein Ziane-Geschoss aus 16 Metern und ein Flankenball von der Linie geköpft. „Es wäre für meine junge Mannschaft, die kämpferisch alles reingeworfen hatte, extrem bitter gewesen, wenn sie in der Nachspielzeit noch eins gefangen hätte“, kommentierte Leopold die Schlussphase.

Seine Mannschaft hatte in der zweiten Hälfte das Offensivspiel einstellen müssen, Lok eroberte in zig Situationen binnen weniger Sekunden den verloren gegangen Ball zurück und hatte schon zeitig auf zwei Stürmer umgestellt. Faton Ademi unterstützte fast eine halbe Stunde lang Djamal Ziane. „Sowas kann mal passieren, aber darf eigentlich nicht. Wir hatten genug Chancen“, fasste Ademi einen aufregenden, aber letztlich torlosen Fußballabend zusammen.

Lok hat erstmal fünf Punkte Vorsprung auf Verfolger International Leipzig, hat bisher aber zwei Spiele weniger bestritten. Inter spielt am Samstag beim Tabellenletzten FC Eisenach.

Von: Marko Hofmann