Quelle: Leipziger Internetzeitung vom Samstag, 21. März 2015
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Zittern beim Vorletzten

Was wäre der 1. FC Lok zurzeit nur Ondrej Brusch? Der Tscheche hat auch den 1:0-Auswärtssieg der Probstheidaer bei Schott Jena mit seinem Tor eingetütet. Lok hatte vor 500 Zuschauern beim Tabellenvorletzten wenig mehr als den fünften Treffer des Neuzugangs im fünften Spiel zu bieten, musste tatsächlich bis zum Ende um den Dreier zittern. Die letzten 30 Minuten hatte Jena sogar mehr vom Spiel. Ein Kraftakt ohne Glanz, aber mit drei Punkten.

„Wahnsinn, dass wir gegen den Tabellenvorletzten so zittern müssen“, schüttelte Lok-Innenverteidiger Ronny Surma nach Spielende den Kopf. Tatsächlich ist der spielerische Anspruch des 1. FC Lok als Aufstiegsaspirant höher als das, was das Team am Fuße der Jenaer Kernberge gezeigt hat. 90 schwache Minuten hin oder her, die Truppe von Heiko Scholz hatte den zweiten Sieg in Folge eingesackt und nun schon zehn Punkte von möglichen 12 in der Rückrunde geholt.

Auch in Jena brachte Ondrej Brusch die Blau-Gelben in die richtige Richtung. Nach einem zackigen Solo durch die Gastgeber-Abwehr stellte er nach 28 Minuten die Weichen auf Sieg und auf Langeweile, denn Jena hatte in den gesamten 90 Minuten keine echte Torchance, Lok verlor sich nach passabler Anfangsviertelstunde mehr und mehr in Abstimmungsproblemen und technischen Unzulänglichkeiten. Einzig Brusch (48.) und Marzullo (65. und 85.) hatten noch einen zweiten Treffer auf dem Fuß, vergaben aber unkonzentriert.

Nach 60 Minuten übernahm sogar der Tabellenvorletzte das Zepter, immer wieder eingeladen vom FCL, der in der Vorwärtsbewegung kaum über drei Stationen kombinierte, dem der Ball vom Fuß sprang oder der auch ohne Bedrängnis zu ungenau spielte. So brachte der eingewechselte Sebastian Zielinsky binnen fünf Minuten nach seiner Einwechslung in der 65. Minute fünf Mal den Ball nicht zum Mitspieler, jedes Mal bedeutend mit einem Ballverlust. Zielinsky fing sich in der Folge, gilt hier nur als passendes Beispiel für eine wenig atemberaubende spielerische Leistung und als Platzhalter für ein paar mehr im Lok-Dress, die mit der Kugel normalerweise die Taube vom Dach schießen können, in Jena aber genug damit zu tun hatten, ihre Gedanken und Beine zu entwirren.

Dass kein echter Spielfluss zustande kam, lag allerdings auch am extrem kleinlich pfeifenden Schiedsrichter Sirko Mücke, der wenig laufen ließ, kleinste Berührungen beidseitig mit Freistößen bestrafte. Ein paar davon brachten Brusch und der Murakami anfangs gefährlich vors Tor, doch das verlief sich während des Spiels, und auch der Gegner hatte liebe Mühe bei Standards für Gefahr zu sorgen.

Krug und Surma räumten hinten auf, Latendresse-Levesque musste nur einmal bei einem harmlosen Kopfball abtauchen. „Es war natürlich kein schönes Spiel von uns, aber wir haben schon deutlich besser gespielt – und dann verloren.“ Da hat Lok-Kapitän Markus Krug recht, erinnert sei an die starken Auftritte gegen Erfurt II und Markranstädt, die zwar nicht verloren gingen, aber keinen Sieg auf Lok-Seite sahen.

Krug kehrte übrigens nach überstandenem Infekt zurück in die Startelf und darf kommende Woche gleich wieder zusehen. Er sammelte nach einem Foul die 5. gelbe Karte ein. „Der Spieler springt sogar noch hoch, ich berühre ihn gar nicht.“, moserte der 26-Jährige. Geholfen hat es freilich nichts, beim kommenden Gastspiel bei Askania Bernburg am Samstag wird der gebürtige Sachsen-Anhalter aus Raguhn erneut fehlen.

Von: Marko Hofmann