Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Samstag, 23. September 2017
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1. FC Lok rollt mit Dreierkette zum 3:0-Sieg

Leipzig. Als Spieler agierte Vragel da Silva nach dem Motto „Geben ist seliger als Nehmen“ – in der Bud-Spencer-Version: Statt mit Tempodribbling und Zuckerpass wurde der Innenverteidiger bei Energie Cottbus durch Blutgrätsche und Eisenschädel zur Legende. Als Trainer des FC Oberlausitz Neugersdorf besinnt er sich seiner brasilianischen Wurzeln und verordnet seiner Mannschaft Offensivfußball. Gutes Personal steht ihm zur Verfügung, vor allem seine vielen tschechischen Spieler haben reichlich fußballerisches Geschick und Erfahrung. Allerdings sind die Herren aus dem Böhmischen allesamt nicht mehr die Jüngsten, worunter Neugersdorfs Defensivverhalten mitunter leidet. Das hatte Heiko Scholz, schon früher als Spieler wie jetzt als Trainer ein Fuchs, erkannt und Witterung aufgenommen. Sein Plan ging auf: Lok gewann gestern Abend das Regionalliga-Heimspiel gegen Neugersdorf verdient 3:0 (1:0).

Der Scholz-Plan lautete: Den Gegner unter Druck setzen, die Fehler im Defensivverbund nutzen. Dafür stellte er von Vierer- auf Dreierkette um und schickte nur drei nominelle Offensivkräfte aufs Feld. An dieser Formation wurde auch festgehalten, als Abwehrchef Christian Hanne nach acht Minuten verletzt raus musste.

Der Plan, mit Übergewicht im Mittelfeld zu punkten, ging in Hälfte eins komplett auf: Neugersdorf wurde nie gefährlich, Lok hingegen gewann Ball um Ball und ging nach 20 Minuten verdient in Führung, als Ryan Malone nach einem Freistoß von Paul Maurer aus acht Metern einköpfte. Wenig später hätte Loks Ami sogar erhöhen können, aber diesmal traf er per Kopf nur den Pfosten (23.). „Die erste Halbzeit von uns war überragend“, sagte Scholz: „Dass uns so ein starker Gegner dann 20 Minuten dominieren kann, ist logisch – denn so stark sind wir noch nicht. Wenn das 1:1 fällt, kann das Spiel ganz anders ausgehen.“

In der zweiten Halbzeit erspielten sich die Gäste ein optisches Übergewicht, bevor Lok endgültig die Weichen auf Sieg stellte. In der 64. Minute schickte der überragende Paul Schinke Maurer auf die Reise, der vernaschte sehenswert seinen Gegenspieler und schoss aus zwölf Metern ein. Vragel da Silva: „Das 2:0 war unnötig, unsere Leistung insgesamt nicht gut.“ Die Entscheidung besorgte Schinke selbst, als er aus Nahdistanz nach schöner Vorarbeit von Robert Berger traf (74.). Kurz vor Schluss hätte der eingewechselte Andy Wendschuch fast noch ein weiteres Tor erzielt, aber sein Schuss aus 20 Metern traf nur das Außennetz – 4:0 wäre aber auch zu viel des Guten gewesen.

Von: Carsten Muschalle