Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 28. Juli 2017
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High Noon: Jubiläums-Derby läutet Regionalliga-Saison ein

Chemie und Lok treffen das 100. Mal aufeinander / 500 Polizisten im Einsatz / 4999 Fans im Kunze-Sportpark dabei

Leipzig. Ein Bild wie gemalt, High Noon: Mittags um Zwölf stehen sie sich gegenüber – die zwei Rivalen des ewigen Fußball-Duells. Nur ohne dabei den Colt zu ziehen. Der soll im Übrigen auch bei allen anderen im Halfter bleiben. Hitzigkeit ja, aber nur auf dem Feld zwischen den Duellanten: die BSG Chemie und den 1. FC Lok. Anstoß des brisantesten Derbys im ostdeutschen Fußball ist Sonnabend und wie erwähnt, zwölf Uhr Mittags. Mit der Partie wird vom Verband auch ganz offiziell die Regionalliga-Saison eröffnet. Passend: Dabei schwingt auch ganz viel Geschichte mit: Es ist das 100. Aufeinandertreffen der Ortsrivalen. Wohlgemerkt sind dabei auch alle Spiele der Vereine berücksichtigt, in deren Traditionslinie sich Chemie bzw. Lok sehen.

Blick in den Almanach. Wie geht das eigentlich, dass die Rivalen aus Leutzsch und Probstheida sich bereits das 100. Mal gegenüberstehen? Chemie steht in der Ahnenfolge von Britannia 1899 Leipzig, der Spielvereinigung 1899 Leipzig und dem Turn- und Rasensportverein. Die Vereine gingen 1938 ineinander auf. Es folgte die SG Leutzsch, der SC Lokomotive und 1963 bis zur Wende endgültig die BSG. Lok sieht sich in der Tradition des VfB Leipzig, der SG Probstheida, BSG Einheit Ost, SC Rotation und dem SC Leipzig. 1909 trafen der VfB und Britannia erstmals aufeinander. Der VfB gewann 3:2. Spiel 99 fand am 13. November 2016 statt – im Landespokal. Lok gewann im AKS in der Verlängerung 1:0. Seitdem heißt Hiromu Watahiki nur noch Pokal-Hiro. Dagegen können die Chemiker stolz auf zwei DDR-Meisterschaften sein. Ja zwei! 1951 und 1964. In jener Saison besiegte der „Rest von Leipzig“ die Kadersportler des SCL gleich doppelt (3:0, 2:1).

Die klarsten Siege der Geschichte. Am 21. September 1941 gewann der VfB 8:1 gegen TuRa 1899 Leipzig. Chemie siegte am 29. November 1953 5:1 gegen die BSG Einheit Ost. Mehr 100 000 Zuschauer sahen das Derby anno 1956, das wurde im Zentralstadion ausgetragen. Der SC Rotation verlor 1:2 gegen den SC Lokomotive. In den vorangegangenen 99 Spielen siegte Lok 48 Mal, Chemie 34 Mal. In 17 Partien gingen die Kontrahenten unentschieden vom Platz.Sicherheit über alles. Das Match im Alfred-Kunze-Sportpark ist mit 4999 Zuschauern längst ausverkauft: Weil die Partie als „Spiel mit erhöhtem Risiko (Kategorie 1)“ eingestuft ist gibt es umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Oberstes Gebot ist die vollständige Trennung der rivalisierenden Fan-Lager vor, während und nach dem Spiel – etwa 500 Polizisten sollen im Einsatz sein. Die Tageskassen bleiben geschlossen, eine Anreise zum Stadion ohne Ticket ist sinn- und zwecklos. Es wird im Stadion keinen Alkoholausschank geben. Zudem gelten für einen gewissen Personenkreis Stadionverbote.

Der Mann mit der Pfeife. Schiedsrichter heute ist Oliver Lossius aus Sondershausen, 26, im Hauptberuf Marketingassistent. Der Thüringer pfiff bisher 54 Regionalliga-Partien, seit der vergangenen Saison wird er auch in der 3. Liga eingesetzt, dort achtmal bisher. In der Vorsaison pfiff Lossius die Lok-Spiele gegen RB II (0:1) und den BFC (3:2). Mit heißen Matches kennt er sich also aus. An den Linien stehen mit den Thüringern Marko Wartmann, 35, und Steven Greif, 23, ein erfahrener und ein noch ganz junger Mann.
Beide wollen gewinnen. Was sonst? Chemie-Coach Dietmar Demuth: „Wir erwarten sehnsüchtig den Saisonbeginn und wollen gegen Lok unbedingt mit einem Sieg loslegen.“ Lok-Trainer Heiko Scholz: „Unsere Fans haben uns eingestimmt. Das ist klasse. Die Jungs wissen worum es geht.“

Von: bly/ukö