Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Mittwoch, 22. November 2017
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„Latte“-Show in Probstheida

Chemie-Keeper pariert im Derby gegen Lok Leipzig glänzend und luchst seinem Ex-Club Punkt ab
Leipzig. Die große Frage gestern vor Anpfiff des Leipziger Derbys Nummer 101: Wo bleibt Chemie? In der Tat, während sich die Spieler von Lok Leipzig bereits im Bruno-Plache-Stadion aufwärmten, war nix von den Gästen zu sehen. Erst 13.30 Uhr kamen die Grün-Weißen am Kabinentrakt der Probstheidaer an. Zu Fuß. Dietmar Demuth flog da bereits der Pfropfen vom Kessel. „Ein Unding, Organisation ungenügend“, regte sich der BSG-Trainer auf. Der Chemie-Teambus wurde irrtümlich bei der Anfahrt falsch geleitet, es ging 30 Minuten nicht vorwärts, sodass Demuth und seine Spieler über den Gästeeingang mit den Fans ins Stadion einliefen. Infolge der Verspätung wurde der Anpfiff um zehn Minuten verschoben.

Nicht der einzige Zwischenfall eines wahrlich nicht ereignisarmen Matches. Bengalos, Böller, Spielunterbrechung, massiver Polizeieinsatz, Wasserwerfer im Stadion – das wird kosten. Dabei sprach das Sportgericht des Sächsischen Fußballverbandes gestern erst der BSG eine Geldstrafe für unrühmliches Verhalten der Fans im Sachsenpokal gegen den FSV Zwickau aus. Chemie muss 2000 Euro zahlen, Zwickau sogar 7500 Euro.

Zum Spiel: Lok kam mit Dampf. Gleich in der ersten Minute der Partie versuchte Peter Misch, den Ball in die Maschen zu rammen. Nach Ecke konnte die BSG nicht klären. Julien Latendresse-Levesque rettete seinen Männern den Hintern, parierte glänzend. Latendresse-Levesque? Da war ja was. Vier Jahre stand der 26-Jährige bei Lok zwischen den Pfosten. Dementsprechend „freundlich“ der Empfang im Plache-Stadion.
Grün-Weiß zeigte sich in Minute drei das erste Mal vor dem Lok-Gebälk. Der Freistoß von Alexander Bury aus 30 Metern Entfernung wäre im American Football ein Field Goal gewesen. Mehr gab es nicht. Bekanntermaßen hat Chemie ein Stürmerproblem, spielt sich zwar vor den gegnerischen Kasten, kommt aber nicht zum Abschluss.

Da sah es auf der gegnerischen Seite anfangs anders aus. Nach Sahnepass von Paul Maurer stürmte Djamal Ziane auf „Latte“ zu. Der parierte Ziane Sahne (10.). Infolge verflachte das Spiel. Bis zu einem Raunen der 6381 Fans starken Kulisse in der 25. Minute. Innerhalb weniger Sekunden wurden auf dem Rasen die Stollen ausgefahren, entfacht von Chemie, beendet von Lok. Fünf Mal gab es da auf die Ruten. Markus Krug und Alexander Bury sahen für ihre Einlage Gelb. Dass es im Aufeinandertreffen der Leipziger Regionalligisten nicht zimperlich zugehen würde, war vor der Partie schon klar. Torchancen gab es bis zum Halbzeitpfiff keine mehr.

Nach Wiederanpfiff ging es wieder nicht um Fußball, sondern um Zündelei. In der 48. Minute unterbrach Schiedsrichter Ronny Müller das Spiel. Nach gut zehn Minuten Pause konnte es wieder um den sportlichen Kampf auf dem Feld gehen. „Bei der Brisanz des Derbys mussten wir mit allem rechnen“, sagte Loks Robert Zickert. „Zum Glück eskaliert das nicht komplett. An so etwas hängt die Zukunft des Vereins“, ärgerte sich der Innenverteidiger. Die Chemiker hatten die Unterbrechung besser weggesteckt, eroberten sich auf dem Rasen wieder mehr Anteile. Aber das gleiche Spiel wie in der ersten Hälfte: Wirkliche Gefahr vor dem gegnerischen Kasten strahlten sie nicht aus.

Die Probstheidaer tauchten zwar ebenfalls nicht oft vor des Gegners Kasten auf. Dafür aber brandgefährlich. In der 57. Minute hatte Blau-Gelb die Führung dreifach auf dem Fuß. Erst wurde Ryan Malones Fackel vom 16-er (aus dem Stand!) von „Latte“ an die Latte pariert. Der rettete darauf gegen Marcel Trojandt. An Zianes Nachschuss bekam der Ex-Lok-Keeper auch noch seinen Fuß dran. „Dafür haben wir ihn geholt, wir wollten die Null halten, das hat er geschafft“, lobte Chemies Trainer Dietmar Demuth.

Von: ALEXANDER BLEY