Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Vom Soccer-Player zum Fußballer

Leipzig. Es ist schon nicht ganz so einfach, für seinen Traum professionell zu kicken, alles hinter sich zu lassen. Vor zwei Jahren kam Ryan Patrick Malone aus den USA in den Osten Deutschlands. Nach Magdeburg zum FCM. Vom Soccer-Team des Springfield College. Dank Steffen Siebert, seinem deutschen Trainer, der das Team in den vergangenen fünf Jahren zu drei Collage-Meisterschaften führte. Familie und Herzdame Kathleen blieben daheim.

In Leipzig ist Kathy mit am Start. Und Ryan bei Lok nicht mehr wegzudenken. Nach hinten ein Abräumer, vorn der Goalgetter. Fünf Mal hat der 25-Jährige in zehn Ligaspielen getroffen. Das ist in Probstheida derzeit Spitzenwert. „Er hat ein enormes Tempo, einen ordentlichen Schuss und ist sehr, sehr kopfballstark“, schwärmt Loks sportlicher Leiter Rüdiger Hoppe, „so einen Sechser haben wir jahrelang gesucht.“

Nur ein Dilemma gibt es, wenn Malone auf dem Platz steht. „Manchmal wünsche ich mir, dass er die Einwürfe reinbringt und sie auch gleich noch reinköpft“, scherzt Hoppe. Nicht grundlos: Denn seine Einwürfe fliegen so weit wie andere flanken können.
Während Malone auf dem Platz eher für Tempo sorgt, lässt er sich in der Freizeit eher ziehen. Von Jax Teller. Wer Glück hat, sieht im Park einen Verrückten auf Rollerblades, der an einem Sibirischen Husky hängt.

Was zeichnet ihn noch aus, den nach Außen hin eher zurückhaltenden jungen Herrn? Der Glaube. Malone ist Katholik, betet vor jedem Spiel und küsst sein Armtape, dass mit einem Glaubensspruch beschrieben ist. Verheiratet ist Ryan Patrick seit dem 8. Juli. Beim Einlaufen seiner Braut in die Kirche wurde der Kerl, der breit wie ein Baum ist, ganz weich. Ein paar Tränen flossen. Zurücklassen musste er Kathy nach der Hochzeit in seiner Heimat nicht mehr. Nach dem Flitterwochen-Roadtrip kam sie mit nach Leipzig.
Seine große College-Liebe hat ihr Aufbaustudium zur Athletiktrainerin seit dem Frühjahr in der Tasche. Obwohl es für ihren Mann bei Lok gut läuft, war sie zuletzt wichtiger denn je. Denn innerhalb weniger Tage verstarben zwei Familienmitglieder. Sein Cousin Matthew und Tante Mae. „Die zurückliegende Woche war die härteste, seitdem ich von zu Hause und meiner Familie weg bin“, sagte er.

Am Sonntag (13.30 Uhr, Bruno-Plache-Stadion) wird er an sie denken, wenn er sein Tape am linken Arm küsst, gen Himmel schaut und betet. Vielleicht auch, wenn er nach einem Tor gegen Auerbach seinen Ring küsst.

Von: Alexander Bley