Norikazu Murakami (links) und Hiromu Watahiki sind die unangefochtenen Strahlemänner bei der Loksche.

Verein, Top3, Top7 | Mittwoch, 06. Mai 2015

„Deutsches Essen ist zum Glück auch ganz gut.“

Interview mit den Japanern „Nori“ Norikazu Murakami und „Hiro“ Hiromu Watahiki

Im Winter kamen gleich zwei Spieler aus dem Land der aufgehenden Sonne zum 1. FC Lok. Für beide ist es nicht die erste Station in Deutschland. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die sie an Japan vermissen. Neben Fußball geht es im BRUNO-Interview mit Norikazu Murakami und Hiromu Watahiki ums vor allem ums Essen.

Wie erlebt ihr die große Freude und den immensen Beifall, den gerade ihr beiden an jedem Spieltag  von den FCL-Anhängern erhaltet?
Nori: Wir bekommen das natürlich mit. Hier ist es ganz anders als bei anderen Vereinen. Die Stimmung ist der Wahnsinn, wegen der vielen Fans.

Hiro: Meppen hat ja auch viele Zuschauer, beim Derby gegen den VfB Oldenburg waren fast 8.000 Leute da. Da durfte ich auch spielen. Dann habe ich aber hier im Februar in Chemnitz auf die Tribüne geschaut. Das war ja ein Auswärtsspiel und über 1.000 Leute aus Leipzig ­waren mit und haben über 90 Minuten die Mannschaft angefeuert. Das war einfach klasse. Nur das Ergebnis war es nicht …

 

Was unterscheidet den Fußball in Japan von dem in Deutschland?
Nori: Hier spielt man aggressiver, es gibt mehr Zweikämpfe. Taktisch ist es auch besser. Beim japanischen Fußball geht es mehr um Technik, man versucht das Spiel schnell zu machen. Der Stil ist schon erheblich anders. 

Hiro: Ich hab bis zu meinem 22. Lebensjahr in Japan gespielt und bin nun seit fünf Jahren in Deutschland. Natürlich ist der Fußball ein bisschen anders. Wie Nori schon sagte, hier spielt man mit sehr vielen Zweikämpfen und auf die Taktik wird hoher Wert gelegt. Aus Japan gibt es aber gute Offensivspieler wie Shinji Kagawa (Borussia Dortmund/d.Red.) oder auch Shinji Okazaki (FSV Mainz 05/d.Red.). Also in Japan wird nur grob die Marschrichtung vorgegeben, hier wird wesentlich taktischer gespielt.

 

Ihr seid über Mario Basler zum 1. FC Lok gekommen. Woher kennt ihr Ihn?
Nori: Ich kannte Mario vorher nicht persönlich. Kontakt gab es nur über den Berater. Ich habe ihn dann hier im Bruno-Plache-Stadion das erste Mal getroffen.

Hiro: In Oberhausen habe ich schon drei Monate mit Ihm zusammengearbeitet. So kam das Arrangement zustande.

Kanntet ihr beide euch schon vor eurem Engagement bei Lok?
Hiro: Ja, ein bisschen. Ich habe ­letzte Saison in der Regionalliga Nord beim SV Meppen gespielt und Nori zu diesem Zeitpunkt in der ­gleichen Liga beim SV Wilhelms­haven. Er war dort Anfang 2014 gerade ein Winterneuzugang. Im Februar gab es dann die Partie Wilhelmshaven gegen Meppen.

Nori: Nach dem Spiel haben wir dann miteinander geredet und uns ausgetauscht. (Meppen gewann am 28. Februar 2014 mit 2:1/d.Red.). Erstmals habe ich von ihm 2011 gehört, da war er noch in Oberhausen und letztes Jahr im Rahmen dieses Spiels haben wir uns dann das erste Mal persönlich getroffen.

 

Norikazu, du bist ein wahrer Weltenbummler. Du warst schon in Indien, Singapur und Südafrika aktiv. Was hat dich nach Deutschland verschlagen? Was hast du in diesen Ländern erlebt?
Nori: Jedes Land hat seinen eigenen Charme und auch Stil. In Südafrika gibt es auch viele Fans, die Stadien sind voll. Manchmal mit so 30.000 bis 40.000 Leuten. Die Lautstärke der Vuvuzela-Tröten dort ist echt Wahnsinn, sehr besonders … Singapur als Land ist klein, ungefähr so groß wie Leipzig. Die Anzahl der Mannschaften ist dadurch sehr ­gering und die Anreise zum Auswärtsspiel dauert maximal 30 Minuten. Das war gut für mich als Spieler, es war quasi immer Heimspiel. (lacht) Für mich war es immer ein Traum, in Deutschland Fußball zu spielen. Ich kam von Südafrika im Herbst 2011 nach Deutschland, das wurde damals von Guido Buchwald (Weltmeister von 1990/d.Red.) organisiert.

Mein Ex-Trainer in Yokohama war Gerd Engels (deutscher Trainer, der seit 1990 in Japan arbeitet/d.Red.). Gerd Engels hat gemeinsam mit Guido die Urawa Red Diamonds trainiert. Gerd hat mit mich Guido Buchwald empfohlen. Von Stuttgart über Köln ging es dann nach Düren (Geburtsort von Gerd Engels/d.Red.).

 

Wie oft fliegt Ihr in euer Heimatland?
Hiro: Mindestens in der Sommer- und Winterpause. Wenn wir mal drei Wochen frei haben, geht’s in die Heimat. Ich komme aus Ibaraki. Die Stadt liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Tokio.

Nori: Mindestens einmal pro Jahr fliege ich heim. Bei mir geht es aber nach Yokohama. Wir besuchen dort unsere Eltern und Geschwister. Dann gibt es dann bei den ganzen Menschen ein Platzproblem. Der Wohnraum ist für diese drei Wochen ziemlich beengt. Da wir ein bisschen kleiner sind als die Deutschen, geht das aber schon. (lacht)

 

Habt ihr euch schon in Leipzig eingelebt? Was treibt ihr so außer­halb des Trainingsgeländes?
Hiro: Ich war an einem kleinen See, ich glaube dem Cospudener. Da bin ich mit meiner Frau spazieren gewesen. Im Zentrum bin ich manchmal Kaffee trinken. Wir probieren alle Cafés durch, haben noch keinen Favoriten gefunden.

Nori: Thomaskirche und Nikolaikirche habe ich gesehen. Ich will unbedingt noch in den Auerbachs Keller, wegen der typisch deutschen Küche. Das wird echt interessant werden. Was sind denn hier die Spezialitäten? Sicher Bier, Klöße und Sauerkraut. (lacht)

 

Was vermisst ihr aus eurer Heimat?
Nori: Natürlich vermissen wir das Essen, speziell Ramen (japanische Nudelsuppe/d.Red.) fehlt uns. Das japanische Ramen ist anders. Hier wird es anders zubereitet, also „Made für Germans“.

Hiro: Als Erstes kommt natürlich auch bei mir das Essen. Dann die Familie und die Eltern. Das Sushi ist auch ganz anders. Das ist mit dem deutschen Essen in Japan sicherlich aus so – nur andersherum. Hier sind die Sushi-Restaurants ziemlich teuer und die Qualität eine andere als in Japan. Das  deutsche Essen ist zum Glück auch ganz gut und reichhaltig. Wenn’s passt, dann verspeisen wir schon mal Schnitzel, Currywurst und trinken ein Weizenbier. Das passt aber leider nur selten zum Trainingsplan (lacht).

Noch ein kleiner Gruß an die Fans:
Nori: Bei allen Spielen – heim- und auswärts – seid ihr der Wahnsinn. Das gibt einen echt guten Push!

Hiro: Das kann gerne bei den letzten zwei Heimspielen so bleiben.

Nori: Die Fans sind hier sehr positiv. Negative Stimmung ist uns noch nicht begegnet.

Hiro: Hier ist immer die volle Unterstützung angesagt.

Nori: Immer volle Pulle! (lacht)