Verein, Top3, Top7 | Freitag, 06. November 2015

"Es geht nicht ohne Bücher und Fußball"

Aus dem BRUNO: Interview mit Autor Frank Willmann

Nachfolgend gibt es das Interview mit Fußball-Buchautor Frank Willmann aus dem Stadionheft BRUNO vom 25. Oktober 2015 gegen die BSG Wismut Gera zum Nachlesen:

1963 wurde der Autor Frank Willmann in Weimar geboren. Sein Herz gehört dem FC Carl Zeiss Jena. Schriftstellerisch beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit dem runden Leder, etwa in „Und niemals vergessen – Eisern Union!“, „BFC Dynamo – Der Meisterclub“, „Zonenfußball - von Wismut Aue bis Rotes Banner Trinwillershagen“, „Stadionpartisanen nachgeladen“ und in seinem aktuellen Buch „Kassiber aus der Gummizelle. Geschichten vom Fußball“. Bereits viermal war er für das Fußballbuch des Jahres nominiert. In diesem Jahr mit „Kassiber aus der Gummizelle“. In BRUNO spricht er über seine Arbeit, seine Leidenschaft und den 1. FC Lok.

Herr Willmann, fangen wir ganz banal an: Warum Fußball? Warum keine Briefmarken, Oldtimer oder Beobachtung seltener Vögel?

Weil mich mein Vater im Alter von sieben Jahren bei Motor Weimar anmeldete. Weil er mich 1975 zu meinem ersten Thüringenderby mitnahm (Jena gewann 2:1 in der verbotenen Stadt). Weil ich kickend bei Motor Weimar, Traktor Kromsdorf und Empor Weimar schöne Fußballjahre hatte. Weil ich 1980 Jena gegen den AS Rom 4:0 gewinnen sah. Weil …

Jetzt bitte etwas Fußballromantik: Wie war Ihr erstes Stadionerlebnis? Sind Sie dem Sport sofort verfallen?

1970. Ort: Schlackeplatz im Weimar Werk. Ein Zigarre rauchender Jugendtrainer schubst mich zu den anderen Jungs. Es war schrecklich.

Was verbindet für Sie das Schreiben und den Fußball? Oder gibt es gar keinen Zusammenhang?

Dem Fußball und dem Schreiben bin ich leidenschaftlich verfallen. Es gibt keine Glückseligkeit ohne Bücher und Fußball.

Wann wurden Sie das erste Mal auf den 1. FC Lok aufmerksam und wie haben Sie all die Geschehnisse rund um den FCL/VfB in den vergangenen Jahrzehnten wahrgenommen?

Saison 1975/1976. Heimspiel gegen Lok, 1:1. Lok wurde Vierter, Jena Fünfter. Allein wegen der Farben war mir Lok damals näher als Chemie. Seither werfe ich ein Auge auf die Lok-Geschichte.

Was sagt der Thüringer Frank Willmann zum Oberliga-Aufsteiger Wismut Gera?

Wismut war lange Zeit in der Versenkung verschwunden. Da die Folgevereine in Gera offensichtlich alles falsch machten, können wir uns nun über die Wiederauferstehung der orangen Jungs freuen.

Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass Sie sich demnächst in einem Buch dem ältesten und größten Verein der Messestadt widmen. Was ist da dran?

Ende 2015 kommt eine neue Buchreihe auf den Markt: Die Bibliothek des deutschen Fußballs. Ich bin der Herausgeber, zur Frühjahrsmesse erscheint das Lok-Buch, es wird selbstverständlich von Fachleuten vor Ort geschaffen.

Unzählige Podiumsdiskussionen - gerade hier in Leipzig - haben sich in den 1990er und 2000er Jahren um den Zustand des „Fußballs im Osten“ gedreht. Was ist eigentlich der „Fußball im Osten“ und wo steht er im Herbst 2015?

Ich verorte es geografisch, alles was sich fußballerisch auf dem Boden der Zone/Ex-DDR abspielt. Da ich in der ersten Liga keinen Ostclub finde, meine ich, der Ostfußball ist am Arsch.

Für die „ewiggestrigen Traditionalisten“, die - dem Klischee folgend - nicht an „gutem Fußball“ interessiert seien, ist es einfacher, das Thema RasenBallsport Leipzig zu ignorieren. Dennoch: Was sagen Sie zu diesem Projekt, das von einigen Funktionären und Politikern gar als „Wirtschaftsmotor des Ostens“ gesehen wird?

Das Wort Tradition kann auch für Stillstand, Engstirnigkeit, Kleinklein stehn. Ich sehe mich nicht als Traditionalisten im populären Sinn. RB nehme ich am Rand war, einer der typischen Retortenclubs, die dazu da sind, über den Fußball Geld zu generieren und wirtschaftliche Macht zu festigen.

Irrsinnige Ablösesummen und Spielergehälter, immer gleiche Champions-League-Paarungen, Wettskandale, korrupte Verbände und jede Menge Zirkus rund um den Fußballplatz. Machen Sie uns bitte ein wenig Hoffnung: Ist der Fußball noch zu retten?

Es liegt in unserer Hand. Wir dürfen unsere demokratischen Strukturen nicht von Spekulanten und Geldmagnaten zerstören lassen. Falls das die Mehrheit im Club will, müssen wir einen neuen Club gründen.

Was wollen Sie dem 1. FC Lok für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Vielleicht sehn wir uns 2022 ja in Jena zu einem Punktspiel der dritten Liga. Mehr ist für den FCC und Lok nicht drin.

Vielen Dank für das Interview!

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