Albrecht Brumme nach seinem 1:0 gegen Carl Zeiss Jena am 29. September 2012. Foto: Bernd Scharfe

Verein, Top3, Top7 | Dienstag, 08. Dezember 2015

"Ich habe mich inzwischen damit abgefunden"

Aus dem BRUNO: Interview mit Ex-Spieler und Scout Albrecht Brumme

Nachfolgend gibt es das Interview mit Albrecht Brumme aus dem Stadionheft BRUNO vom 27. November 2015 gegen Askania Bernburg zum Nachlesen:

Insgesamt 14 Jahre hat Albrecht Brumme beim VfB/1. FC Lok gespielt. In seinen Nachwuchsteams war er oft Kapitän. Die fünf Jahre im Männerbereich waren zweigeteilt, denn die Hälfte dieser Zeit musste er mit Verletzungen zubringen. Im BRUNO spricht er über sein Kreuzband, das Scouting und schöne Erinnerungen.

Du musstest im Sommer deine fußballerische Laufbahn nach einer Kreuzband-Verletzung im Alter von nur 25 Jahren beenden. Wie geht es dir jetzt?

Für den Alltag ist alles wunderbar. Ich fahre Fahrrad und gehe auch joggen. Aber ich muss noch 40 Jahre arbeiten. Mal sehen, wie es dann aussieht. Im Mai 2013 hatte ich mir im Training das hintere Kreuzband angerissen. Im November 2013 wurde ich dann operiert und danach ging es in den Reha-Prozess. Allerdings bin ich nicht wieder so belastbar geworden, wie vor der Verletzung. Bei dieser Art des Kreuzbandanrisses gibt es auch nur wenige, die danach weitermachen können. Ein Beispiel für so eine seltene vollständige Genesung ist Neven Subotic von Borussia Dortmund.

Was bedeutet für dich als Fußballer das Karriereende?

Es kam ja nicht plötzlich, war eher ein langsamer Prozess. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden. Natürlich gibt es ein weinendes Auge. Manchmal werde ich ein wenig sentimental auf der Tribüne. Es gibt aber auch viele andere Dinge, denen ich mich nun intensiver widmen kann.

Deine neue Aufgabe im Verein ist das Scouting. Was genau tust du?

Ich beobachte die Gegner des kommenden Wochenendes. Dabei notiere ich mir die wichtigsten Dinge und gebe es an die Trainer weiter. Außerdem schaue ich mir einzelne Spieler an. Auch solche, die potentielle Verstärkungen sein könnten.

Seit 2009 hast du zum Kader der ersten Mannschaft beim 1. FC Lok gehört. Deine Zeit in Probstheida fing allerdings viel früher an.

Ich bin 2001 vom SV Germania Auligk am Drei-Länder-Eck Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen zum VfB Leipzig gewechselt. In Sachen fußballerisches Niveau war das natürlich ein Sprung, da habe ich große Augen gemacht. 2004 wurde dann aus dem VfB der 1. FC Lok und ich blieb. In Erinnerung sind mir die Aufstiege mit der B- und A-Jugend in die Regionalliga. Am emotionalsten war der letzte Spieltag der Saison 2006/07. Als B-Jugendlicher spielte ich damals mit „Itzsche“ (Steffen Fritzsch/d. Red.) bei der A-Jugend mit. Gegner war die zweite Mannschaft des FC Sachsen. Wir mussten gewinnen, um in der Regionalliga zu bleiben – und wir gewannen mit 2:0!

In der 36 Oberliga-Spielen hast du drei Tore erzielt, in 20 Regionalliga-Partien eins. Über den letztgenannten Treffer – erzielt am 29. September 2012 beim 1:0-Sieg gegen den FC Carl Zeiss Jena – müssen wir natürlich sprechen.

Das war überragend! Aber nicht nur wegen meines frühen Tores in der sechsten Minute. Wir standen vor dem Spiel mit dem Rücken zur Wand (ein Sieg, vier Niederlagen/d.Red.). Jena war als Drittliga-Absteiger klarer Favorit. Kurz nach der Pause flog Lukas Wurster vom Platz und Alexander Czempik musste ins Tor und hat alles gehalten. Markus musste dann auch noch vom Feld. Schade, dass nur 3.500 Zuschauer im Zentralstadion waren, aber die haben Stimmung für 10.000 gemacht.

Deine Premiere in der Ersten hattest du am 21. März 2010 bei Borea Dresden. Bei Optik Rathenow wurdest du am 27. April 2013 in der 90. Minute eingewechselt. Es blieb dein letzter Auftritt im Lok-Trikot. Was sind deine persönlichen Highlights aus dieser Zeit?

Neben dem gerade besprochenen Jena-Spiel, ist es eigentlich die gesamte Rückrunde jener Saison unter Marco Rose. Er ist ein sehr guter Trainer und wir drehten richtig auf Richtung Saisonende. Fußballerisch waren wir vielleicht nicht überragend, aber wir haben mit taktischen und kämpferischen Mitteln viel raus geholt. Die Atmosphäre im Team war toll.

Du hast studiert und bist inzwischen Grundschullehrer. Hilft dir deine Erfahrung im Fußball bei der „Bändigung“ der Schüler?

Das ist schwer zu beurteilen. Aber ein wenig hilft diese Erfahrung bestimmt. Außer Praktika, die immer drei, vier Wochen gehen, hab ich in der Praxis noch nicht viel gemacht. Deshalb freue ich mich schon aufs Referendariat – da werde ich ein Jahr an der gleichen Schule unterrichten, u.a. auch Sport.

In deiner Familie spielt der 1. FC Lok eine große. Da wäre zum Beispiel dein Bruder, der bei den großen Arbeitseinsätzen im Sommer 2009 oft im Bruno-Plache-Stadion mit den anderen Helfern gebuddelt hat.

Meinen Eltern habe ich sehr viel zu verdanken, sie haben einen riesigen Aufwand betrieben, damit ich hier in der Jugend spielen konnte. Auch wenn ich nicht mehr spiele, haben meine Eltern immer noch Dauerkarten und auch mein Bruder schaut vorbei, wenn er Zeit hat. Bei Arbeitseinsätzen hat er in der Vergangenheit auch immer wieder mit angepackt. Meine Mutter ist aber die „verrückteste“ in Sachen Lok. (lacht)

Kommen wir zur aktuellen Mannschaft. Was sagt der Scout Albrecht Brumme über den FCL in der Saison 2015/16. Klappt‘s mit dem Aufstieg?

Die Mannschaft hat eine überragende Qualität, auch in der Breite. In dieser Saison gibt es keine Ausrede. Ich habe auch das Gefühl, dass die Truppe nicht abhebt. Auch charakterlich passt es, die Jungs machen auch außerhalb des Stadions viel zusammen. Wir ziehen das Ding durch!

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