Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 24. Mai 2018
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Der lange Weg zum Meisterstern

Die Fusion zwischen Lok und VfB Leipzig soll kommende Saison vollendet werden / Jubiläums-Logo wird gesucht

Leipzig. Der 1. FC Lok sieht sich bekanntermaßen in der Traditionslinie des VfB Leipzig. Allerdings ist die Verbindung bisher „nur“ historisch begründet und emotional-ideeller Natur. In der Saison 2018/19 soll sie per Fusion auch rechtlich hergestellt werden. Dann wäre Lok offiziell Nachfolgeverein des ersten Deutschen Fußballmeisters und könnte einen Stern für die 1903, 1906 und 1913 errungenen Titel auf der Brust beanspruchen.

„Das ist ein Stück gelebte Leipzig-Probstheidaer Fußballgeschichte und Tradition, an der wir anknüpfen wollen“, sagt Lok-Aufsichtsrat Sören Bär. Zum 125. Gründungsjubiläum des VfB waren die Fans aufgerufen, ein Logo zu entwerfen. Die besten Entwürfe der 62 Einreichungen stehen ab heute online zur Abstimmung.
Das Jubiläums-Logo wird vom Sechsten der abgelaufenen Regionalliga-Saison in einem Heimspiel rund um den Jahrestag im November einmalig auf der Brust getragen – für mehrere Spiele oder die gesamte Saison gab es keine Zustimmung seitens des NOFV. Zudem soll es im Merchandising und in den Kommunikationskanälen vom 1. FC Lok verwendet werden.

Die Fusionsidee geht auf Dirk Sander, früherer Lok-Pressesprecher, zurück. Der 48 Jahre alte Leipziger war über die Jahre das einzig verbliebene Mitglied des VfB, das monatlich seine Beiträge auf das Insolvenzkonto einzahlte. „Ich habe mich nicht damit abfinden wollen, dass es mit dem VfB einfach so zu Ende geht“, sagt Sander, „und stoisch weiter bezahlt.“ Einige Jahre später erfuhr er von Insolvenzverwalter Friedbert Striewe, dass die Abwicklung des VfB vor dem Abschluss stand. Sander stellte ihm daraufhin seine Idee vor, beide Klubs zu verschmelzen, um die bis 1893 zurückreichende Traditionslinie zu retten. „So richtig habe ich nicht daran geglaubt“, sagt er heute.

Für die Fusion ist ein Insolvenzplan nötig, der die alten Gläubiger besser stellt als ohne Insolvenzplan. Das Amtsgericht muss ebenfalls zustimmen. Auch die Mitgliederversammlungen beider Vereine – der VfB wurde mit 15 Mitgliedern inzwischen reaktiviert – müssten die Verschmelzung abnicken. Zunächst wäre aber das Okay des Deutschen Fußball-Bundes nötig.

Der Sächsische Fußballverband und der NOFV unterstützen das Vorhaben. „Wenn alles klappt, wäre Lok einer der 30, 40 ältesten Fußballvereine Deutschlands“, erklärt Initiator Dirk Sander. Zur Feier anlässlich der 125. VfB-Gründung haben die Lok-Verantwortlichen DFB-Präsident Rainer Grindel eingeladen. Der lang ersehnte Meisterstern könnte einige Monate später auf dem Trikot der Blau-Gelben leuchten. Mehr als 105 Jahre nach Gewinn des letzten Leipziger Titels.

Abstimmung zum Jubiläumslogo: https://pollunit.com/de/polls/1oiQHbTuwEFlCb8viwFKqA

Von: THOMAS FRITZ