Quelle: Bild.de vom Mittwoch, 15. Februar 2017
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Drößler wird 80 – und lebt mit Parkinson

Großer Bahnhof für eine Legende des 1. FC Lok: Im Diani-Hotel feiert Karl Drößler am Wochenende seinen morgigen 80. Geburtstag. Frank Baum wird kommen, Henning Frenzel, Manfred Geißler, Uwe Ferl, Dieter Kühn und viele andere Lok-Kicker von einst.Und wie es bei hohen Geburtstagen so ist, wird natürlich auch über alte Zeiten gequatscht. Über den legendären 21. Dezember 1966 zum Beispiel. Als Drößler, damals Lok-Kapitän, im Messepokal den großen Eusebio, fünf Monate zuvor WM-Torschützenkönig, beim 3:1 gegen Benfica Lissabon zum Statisten machte. Ein großes Spiel, was jedem Lok-Spieler 2000 Ost-Mark Prämie brachte.

Drößler selbst fand sich dabei gar nicht sooo überragend: „Es war ein phantastisches Jahr für Eusebio. Aber er war am Ende auch müde. Und es war Schneewetter, es war kalt. Er hat sich immer die Hände gerieben und gesagt: COOOLD, COOOLD. Er kam nicht richtig ins Spiel. Das war meine Chance.“Leider sah ihn Drößler nach der Karriere nie wieder. „Das bedaure ich. Ich hätte ihn gern nach Leipzig eingeladen irgendwann. Auch meine beiden Töchter hätten sich sicher gefreut. Sie nannten ihn zu dieser Zeit immer Onkel Sebio. Manche Dinge kommen aber eben zu spät.“ Eusebio verstarb bereits vor drei Jahren.

Drößler dagegen, später Präsident seines Klubs und inzwischen Ehrenmitglied, ist bei den Heimspielen der Loksche immer noch Stammgast. Bis 73 spielte er bei den Alten Herren sogar noch Fußball. Dann kam die Diagnose: Parkinson.
Drößler: „Mit dem Fußball war es damit vorbei. Aber ich bin ganz gut eingestellt mit Tabletten. Es gibt zum Glück keine großen Beeinträchtigungen.“Er ist übrigens der einzige Leipziger Fußballer, der es später zum Professor gebracht hat – an der Sektion Biowissenschaften der Uni Leipzig. Und das ist ohnehin höher zu bewerten, als ein gewonnenes Duell gegen den großen Eusebio.

Von: ANDRÉ SCHMIDT