Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 07. Dezember 2018
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Lok-Fans boykottieren Derby

Leipzig. Es ist eine unerwartete Nachricht, die seit dem Freitagvormittag die Leipziger Sportwelt im Griff hat. Die Anhänger des 1. FC Lok boykottieren das Pokal-Derby in Leutsch – kein Fan soll das Spiel gegen Chemie im Gästeblock des Stadions sehen. Das geht aus einer Mitteilung des Vereins auf seiner Homepage hervor.

„Nach intensiven Beratungen von Präsidium, Aufsichtsrat, Geschäftsführung und den größten aktiven Fangruppen sowie Gesprächen mit zahlreichen anderen Fans und Freunden des FCL war dies der mehrheitliche Konsens“, heißt es von Seiten des Vereins. Stattdessen sollen die Lok-Anhänger das Spiel auf einer große LED-Wand im eigenen Stadion sehen. Gründe für den nicht genutzten Gästeblock seien die geringe Anzahl der Tickets – 500 an der Zahl stehen Lok zur Verfügung. Das ist mit zehn Prozent der Stadionkapazität zwar die Norm bei Pokalspielen, bei der letzten Begegnung gab es aber noch 750 Karten für die Gäste. Auch die An- und Abreisebestimmungen sowie die Ausschreitungen der Vergangenheit haben die Lok-Verantwortlichen zu dieser Entscheidung gebracht.

Die Spieler des 1. FC Lok haben derzeit aber noch andere Dinge im Kopf – allen voran Matthias Steinborn. In seinem ersten Ligaspiel für Lok traf der Neuzugang gleich doppelt gegen Meuselwitz und verhalf seiner neuen Mannschaft zum verdienten 3:0 Sieg im Bruno-Plache-Stadion. Der gebürtige Berliner kam vom BFC Dynamo, in der Regionalliga Nordost erzielte der Offensivmann in 140 Spielen insgesamt 41 Tore – er sollte den FC Lok, damals noch von Heiko Scholz trainiert, zum Aufstieg schießen. Sieben Spiele später musste Scholz gehen, Steinborn erzielte bis zum elften Spieltag kein Tor mehr.

„Wir haben es am Anfang der Saison ordentlich verkackt!“, urteilt der Stürmer ehrlich. Die Blau-Gelben sind weit weg von Tabellenplatz eins, doch nach einem starken Lauf und keiner Niederlage im November rangieren die Leipziger auf dem achten Platz – Steinborn traf drei Mal in den letzten drei Matches. „Zwischenzeitlich war die ganze Mannschaft verunsichert, jetzt läuft es wieder besser, vielleicht auch ein bisschen wegen Herrn Joppe“, grinst der 29-Jährige seinen Coach auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Sonntag an. Die beiden verstehen sich gut und haben einige Insider-Witze, die Stimmung im Verein ist seit einigen Wochen wieder besser. „Es ist klar, dass es in allen Bereichen, in der Mannschaft, bei den Offiziellen und bei den Fans jetzt harmonischer zugeht“, erzählt Steinborn. Der 1,86 Meter große Neuzugang hatte keine Probleme, sich in der neuen Mannschaft zurechtzufinden, bestritt alle Partien diese Saison über die komplette Spielzeit. Auch gegen Viktoria Berlin wird er 13.30 Uhr im Bruno-Plache-Stadion von Beginn an spielen.

Nächste Woche darf Steinborn zum ersten Mal im Leipziger Derby gegen Chemie auflaufen, doch das tangiert ihn noch nicht: „Das Spiel ist besonders, aber ich habe nur Viktoria im Kopf .“ 

Von: tik/aka